Golserin Susanne Hell ist ein Multitalent. Susanne Hell ist ein sprachliches und musikalisches Multitalent. Die Künstlerin lebt und liebt Musik in allen Facetten und lud die BVZ in ihr Refugium nach Gols ein.

Von Norbert Aichhorn. Erstellt am 02. August 2020 (05:33)
Facettenreich. Susanne Hell macht seit frühester Kindheit Musik und hat sich seither in den verschiedensten Stilrichtungen „ausgetobt“.
Aichhorn

„Es war ein hartes Stück Arbeit, den renovierungsbedürftigen Winzerhof wieder auf Vordermann zu bringen“, erklärt Susanne Hell ihre Ambitionen abseits von Musik und Gesang, „aber zusammen mit meinem Mann haben wir ihn seit 2009 in ein Schmuckstück verwandelt.“ Die künstlerische Hand ist auch hier unverkennbar.

Diese Hartnäckigkeit in der Umsetzung eigener Lebensziele zieht sich durch die gesamte Laufbahn von Susanne Hell. Dass sie einmal eine gefeierte Sängerin und Musikerin sein wird, wurde ihr allerdings nicht in die Wiege gelegt. Die Mutter kommt aus einer Weinbauernfamilie in Jois, der Vater stammt aus Mannersdorf am Leithagebirge. Dort ist sie auch aufgewachsen. „Wenn Du in den Siebzigerjahren in Mannersdorf künstlerische Ambition hattest, war die Kirchenmusik der einzige Weg, um sie zu realisieren“, erzählt die bald 50-Jährige von ihren Anfängen. „Ich war die musikalische Entdeckung schlechthin des Pfarrers Reinhold Schleider.“

Mit zehn die erste Orgelmesse gespielt

Sie wurde vom Pfarrer so gefördert, dass sie bereits mit zehn Jahren ihre erste Orgelmesse bei einem Gottesdienst spielen konnte. Nebenbei lernte sie noch Blockflöte und Klavier. „Meinen Angehörigen war mein Wunsch, Künstlerin zu werden, oftmals schwer zu vermitteln“, beschreibt sie den nicht immer leichten Werdegang, „aber alle vermeintlichen Umwege haben den Menschen und Künstler aus mir gemacht, der ich heute bin.“ Nach der Matura begann sie, Italienisch und Französisch zu studieren, parallel absolvierte sie ein berufsbegleitendes Studium der Kirchenmusik am Diözesankonservatorium in Eisenstadt, dem heutigen Josef-Haydn-Konservatorium.

„Da wurde mir endgültig klar, dass ich fortan Musik auf professionellem Niveau in meinem weiteren Leben machen will“, erzählt Susanne. Nach und nach entdeckte sie auch ihre Liebe zur Jazzmusik und zum Chanson. In den 90er-Jahren war es in Österreich noch sehr ungewöhnlich, dass eine ausgebildete Musikerin Chansons zum Besten gibt.

Ihre umfassende musikalische Ausbildung vervollständigte sie - mittlerweile in Wien lebend - mit einem Gesangsstudium an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst. Dieses Studium schloss neben dem Gesang auch Orgelkunde und Dirigieren mit ein.

Ein Stipendium ermöglichte Susanne Hell, danach ein Jahr in Kalifornien zu verbringen. In der liberalen Musik- und Kulturszene an der amerikanischen Westküste war es damals schon selbstverständlich, dass ein Dirigent auch ein Musical leitet. Eine der vielen neuen Erfahrungen, die sie dort machen konnte. Österreich hatte damals, was die Präsentation verschiedener Musikrichtungen durch ein und dieselbe Person betrifft, noch vieles aufzuholen.

„Vor uns ist keine Musikrichtung sicher, nicht einmal der Tamburizza-Chor aus Parndorf“ Susanne Hell ist stilistisch äußerst vielseitig

So war es erst ab 2005 möglich, Jazzpädagogik zu studieren. Susanne Hell absolvierte mit ungebremstem Eifer auch dieses Studium. Mit ihrer 2008 geborenen Tochter im Maxi-Cosi trat sie zur Diplomprüfung an. Fortan durfte sie sich Jazzpädagogin nennen.

Breit gefächert sind ihre musikalischen Einsatzmöglichkeiten. „Die Balance meiner künstlerischen Tätigkeiten ist ausgeglichen“, beschreibt sie ihr gegenwärtiges Wirken. Neben eigenen Aufführungen mit verschiedenen Bands arbeitet sie auch als Gesangspädagogin. Drei Jahre war sie Mitglied des Arnold-Schönberg-Chores in Wien.

Mit Jaro Gregorovich zusammen ist sie seit sieben Jahren Teil des „Heaven und Hell“-Projektes. „Wir arrangieren gemeinsam Lieder, die eine gelungene Symbiose aus Jazz und Chanson darstellen“, erklärt sie das einzigartige Projekt, „wir nennen sie Jazzons.“

Ihre musikalischen Wurzeln sieht Susanne Hell unter anderem auch in klassischer österreichisch-ungarischer Volksmusik. Eine gemeinsame Weiterentwicklung dieser Musikrichtung war durch den Eisernen Vorhang jahrzehntelang unterbunden worden.

2009 zog es die Familie zurück ins Burgenland. Im Zentrum von Gols wurde der mittlerweile prächtig renovierte Winzerhof erworben. Seit damals ist Susanne Hell selbstständige Künstlerin.

Seit mehr als 20 Jahren ist ihr Gatte Walter Hof die wertvollste Stütze im Leben. Der Musiker ergänzt die künstlerischen Ambitionen der Familie durch sein Gitarren- und Geigenspiel. Ihre gemeinsame zwölfjährige Tochter hat soeben vom Geigenspiel spontan zum Schlagzeug gewechselt. Hier zeichnet sich schon die künstlerische Karriere der nächsten Generation ab. „Vor uns ist keine Musikrichtung sicher, nicht einmal der Tamburizza-Chor aus Parndorf“, beschreibt sie das musikalische Familienmotto.

Der Lockdown Mitte März hat auch Susanne Hell nach einen hoffnungsvollen Beginn stark betroffen. „Ich konnte glücklicherweise auf Reserven zurückgreifen, da die staatliche Hilfe nur sehr schleppend angelaufen ist“, beschreibt sie ihre aktuelle Situation, „ich habe immer sehr sparsam gewirtschaftet, das kam mir jetzt zu gute.“

Nach dem Lockdown begann sie am 6. Juni mit einem kleinen Konzert vor ausgewähltem Publikum in ihrem 1.000 Quadratmeter großen Garten in Gols verspätet ihre heurige Saison.

Für eine mögliche zweite Corona-Welle im Herbst gibt sich Susanne Hell jetzt schon gewappnet: „Eventuell gibt es dann Luxuskonzerte in kleinstem Rahmen“, beschreibt sie ihre Überlegungen.

Auf der Homepage www.susannehell.com gibt es alle Infos zu den geplanten Konzerten und Projekten des Multitalents aus Gols.