Seit einem Jahr Priester: Julians erste Bilanz

Julian Heissenberger aus Landsee wurde vor einem Jahr geweiht. Er blickt auf ein Jahr voller schöner, aber auch herausfordernder Momente zurück.

Elisabeth Tritremmel
Elisabeth Tritremmel Erstellt am 11. Juni 2020 | 05:15
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
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Bei einer Messe. Julian Heissenberger ist derzeit als Kaplan in den Pfarren Neusiedl am See und Weiden am See tätig.
Foto: zVg

Vor etwa einem Jahr wurde Julian Heissenberger zum Priester geweiht. Der Landseer ist derzeit als Kaplan in den Pfarren Neusiedl am See und Weiden am See tätig und unterrichtet am Gymnasium und an der Sport Neue Mittelschule Neusiedl am See.

„Ein Schwerpunkt in diesem Arbeitsjahr liegt auch bei der Firmvorbereitung in der Pfarre Weiden am See, wo ich versuche, den Firmlingen die Bedeutung dieses Sakramentes und des neuen Lebensabschnittes, der sie erwartet, näher zu bringen“, führt er aus.

„Ich konnte Kranken mit der Krankensalbung wieder Hoffnung und Stärkung mit auf den Weg geben.“Julian Heissenberger

Zu den ureigensten Aufgaben eines katholischen Priesters gehört die Spendung der Sakramente, erklärt Heissenberger.

„In diesem Jahr hatte ich die Möglichkeit, viele Taufen und Trauungen vorzubereiten und bei der Durchführung dabei zu sein. Ich durfte den Menschen ein offenes Ohr in der Beichte schenken und ihnen im Namen Gottes ihre Sünden vergeben. Ich konnte Kranken mit der Krankensalbung wieder Hoffnung und Stärkung mit auf den Weg geben“, meint er über sein erstes Jahr als Priester.

Neben Predigten und Ansprachen, die er kontinuierlich vorbereitet, hält ihn das Schreiben für die Neusiedler Nachrichten „theologisch fit“. In jeder Ausgabe gibt es einen Artikel von Heissenberger, in dem er über liturgische Themen wie die Beschreibung liturgischer Orte in der Kirche oder Teile der Messfeier schreibt.

Bereits als Diakon tätig gewesen

Der „Anfang“ als Priester fiel ihm nicht allzu schwer, da Julian Heissenberger bereits als Diakon in den beiden Pfarren tätig gewesen war und er daher die Menschen und ihre Besonderheiten kannte. „Aber man spürte schon die große Verantwortung, die man als Priester hat. Es bedurfte einige Wochen, um sich innerlich an die neue Rolle zu gewöhnen“, meint er.

Besonders schöne Momente waren für ihn die ersten Beichen und vor allem die Beichten an den Schulen: „Ich bin noch immer fasziniert, mit welchem Vertrauen und welcher Ehrlichkeit die Schülerinnen und Schüler zur Beichte kommen und welchen inneren Frieden und welche Freude Gott durch die Lossprechung schenkt.“

Doch es gab auch herausfordernde Momente, wie den unvorhersehbaren Tod eines Schülers. „Er war erst zehn Jahre alt. Es war sehr schwierig, der Klasse in dieser Zeit des Online-Unterrichts beizustehen. Einige Schüler nahmen mit der Klassenvorständin und mir an dem Begräbnis teil. In den darauffolgenden Tagen gestalteten wir mit und für die Klasse eine Online-Andacht“, erinnert er sich.

Für Julian Heissenberger ist der Dienst an der Einheit besonders wichtig bei seiner Aufgabe als Priester. „An meinem Verhalten als Priester sollen die Meschen in den Pfarren immer mehr erkennen, dass wir miteinander auf dem Weg sind und füreinander da sein sollen – das ist das Gebot Jesu“, erklärt er. Und er versucht auch, als Priester immer erreichbar zu sein.

„Denn ich weiß zum Beispiel aus der Krisenintervention, dass man gerade in herausfordernden Situationen sofort jemanden braucht, der einem beisteht – und wenn beistehen nur heißt, dass man ein offenes Ohr für die Anliegen des anderen hat und ihm zuhört.“ Es ist ihm aber auch besonders wichtig, immer wieder selbst die Nähe zu den Menschen zu sehen, nicht nur bei der Spendung der Sakramente, sondern etwa auch bei seinen Diensten beim Roten Kreuz.

Julian Heissenberger sieht sein Engagement beim Roten Kreuz als eine konkrete Art, die Anweisung Jesu im Leben zu verwirklichen, was er auch immer wieder bei Gesprächen mit dem Diözesanbischof und „seinem“ Pfarrer betonte.

Es war und ist ihm ein Anliegen, immer wieder Zeit für einen Dienst zu finden – auch wenn er zugibt, dass dies in seiner Zeit als Student einfacher war. „Ich schaffe es aber dennoch, neben meinen beiden Pfarren und den beiden Schulen regelmäßig Dienste als Sanitäter zu machen“, meint er. Anfang des Jahres ist er auch der Freiwilligen Feuerwehr beigetreten, einen Schritt, den er bis jetzt nicht bereut.

Wöchentliche Besuche im Heimatort Landsee

Einmal in der Woche nutzt er seinen freien Tag, um in Landsee bei seinen Eltern und seiner Schwester vorbeizuschauen. In seiner Heimatpfarre hatte er noch nicht oft die Gelegenheit, die Messe zu feiern. „Das liegt sicherlich daran, dass es in meinen derzeitigen Pfarren viel zu tun gibt. Neusiedl am See ist eine sehr lebendige Pfarre. Und auch die Firmvorbereitung in Weiden am See und die Schulen nehmen einiges an Zeit in Anspruch“, erklärt er.

Für ihn ist die Verbundenheit mit der Familie im priesterlichen Dienst aber unabdingbar, betont er. Auf die Zukunft angesprochen meint er: „Ich sehe die immer größer werdende Anzahl und Vielfalt der Pfarreien und Gemeinschaften, welche in den nächsten Jahren auf uns zukommen werden, als bereichernde Herausforderung und Chance. Dies macht es – meiner Meinung nach – auch notwendig, dass die Priester ihre Bereitschaft zur intensiveren Zusammenarbeit sichtbarer machen und zum Beispiel zusammen wohnen und zusammen beten.“

Das Konzept der Seelsorgeräume findet er sehr spannend und er sieht sich auch in naher Zukunft als Teil eines Seelsorgeraum-Teams, welches versucht, die immer kleiner werdenden Gruppen an Gläubigen in den verschiedenen Pfarren zu finden und zusammenzuführen.

Zu einer Tätigkeit im Mittelburgenland meint er: „Als Priester kann man es sich leider nicht aussuchen, wo man hinkommt. Aber wenn es so sein soll, dass meine nächsten Pfarren im Bezirk Oberpullendorf sind, dann bin ich der letzte, der etwas dagegen hat. Wo ich gebraucht werde, dort gehe ich hin.“