Ornithologe im Interview: „Vögel leiden massiv unter Trockenheit“

Erstellt am 26. Mai 2022 | 05:47
Lesezeit: 4 Min
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Der passionierte Vogelkundler, Naturschutz-Biologe und Fotograf Leander Khil ist auch nach Jahrzehnten noch von den Luftbewohnern fasziniert.
Foto: Andre Schönherr
Ornithologe und Autor Leander Khil über sein neuestes Werk, im Seewinkel beheimatete Vogelarten und die Folgen der lang anhaltenden Trockenheit.
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Er hat es wieder getan: Leander Khil - passionierter Vogelkundler, Naturschutz-Biologe und Fotograf - veröffentlichte am 14. April sein neuestes Werk „Unsere Vogelwelt“.

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Foto: BVZ

Mit großem ornithologischen Fachwissen und beeindruckenden Fotografien macht er Lust auf Vogelbeobachtung, räumt mit Mythen auf, erzählt unbekannte Details der heimischen Vogelarten und generiert Wertschätzung gegenüber der heimischen Natur.

Mit der BVZ spricht er im Rahmen seiner Buchveröffentlichung über den Lebensraum Seewinkel, Klimaveränderungen und seine künftigen Projekte.

Ihr druckfrisches Buch trägt den vielsagenden Titel „Unsere Vogelwelt“. Können Sie kurz den Inhalt beziehungsweise Ihre Intention erläutern?

Leander Khil: Ich wollte mit meinem neuesten Werk jenen Teil der Bevölkerung ansprechen, welcher sich mit dieser Thematik noch sehr wenig bis gar nicht befasst hat. Meine Absicht war, die Lust auf Vogelbeobachtung zu wecken, zu motivieren, rauszugehen und die Natur zu erkunden. Der Fokus liegt diesmal eindeutig auf den einheimischen Arten. Es ist ein hochwertiges Buch mit großen farbenprächtigen Bildern. Es ist nicht nur von innen, sondern auch von außen sehr ansprechend gestaltet. Das Buch macht sich also auch auf jedem Couchtisch perfekt.

„Fakt ist: Wenn die Brutvögel keine Jungen durchbringen, hätte dies dramatische Folgen für viele Populationen.“

Die Natur und auch die Tierwelt haben derzeit mit der Trockenheit zu kämpfen. Welche Auswirkungen hat diese speziell auf die Vogelwelt?

Die Vögel leiden massiv unter der Trockenheit. Die Gewässer beziehungsweise Lacken hier im Seewinkel haben einen sehr hohen Stellenwert, auch international. Und diese befinden sich in einem extrem schlechten Zustand. Die Situation ist so dramatisch wie schon lange nicht - zumindest nicht im letzten halben Jahrhundert. Manche Vogelarten, die für den Seewinkel typisch sind und die nirgendwo sonst in Österreich vorkommen, brüten heuer nur noch mit einzelnen Paaren oder gar nicht mehr erfolgreich. Betroffen sind zum Beispiel die Uferschnepfe und der Seeregenpfeifer (Fotos siehe links unten).

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Uferschnepfe.
Foto: Khil

Was würde das im Klartext für diese Arten bedeuten? Welche längerfristigen Folgen wären zu befürchten?

Man kann natürlich nicht in die Zukunft blicken. Man weiß nicht, wie es in den nächsten Jahren weitergehen wird. Mit mehr Regen könnte sich die Situation wieder etwas entspannen. Doch Fakt ist: Wenn die Brutvögel keine Jungen durchbringen, hätte dies dramatische Folgen für viele Populationen. Sie wären langfristig gestört und würden schlussendlich verschwinden. Auch die Zug- beziehungsweise Gastvögel leiden unter der Trockenheit, das darf man nicht vergessen. Wenn es nämlich kein Wasser in den Lacken gibt, fehlen nahrungsreiche Rastplätze. Und das bedeutet wiederum: Sie können hier keine Rast einlegen. Die Vögel legen tausende Kilometer zurück. Und wenn dann ein gewohnter Rastplatz ausfällt, weil er als solcher auch gar nicht mehr existiert, dann stellt dies ein enorm großes Problem für den Vogel dar.

Abgesehen von Klimaveränderungen, mit welchen Einflüssen hat die Vogelwelt im Bezirk noch zu kämpfen?

Da sind mehrere Faktoren zu erwähnen: Lebensraum- und Nahrungsverlust durch intensive Landwirtschaft, Glasscheiben, freilaufende Hauskatzen, Straßenverkehr und auch Windräder. Bei Letzteren sind große Greifvögel wie die bedrohten Arten See- und Kaiseradler immer wieder betroffen. Bei kleinen Populationen bedeutet eine tödliche Kollision eines Individuums mit einem Windrad einen viel größeren Verlust. Die Größe der Population spielt hier also eine bedeutende und ausschlaggebende Rolle. Es ist wichtig, genau hinzuschauen, wo Windkraft ausgebaut wird. Wo die Windräder in Brutgebiete vordringen, da wird es dann besonders problematisch.

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Seeregenpfeifer.
Foto: Khil

Zum Schluss möchten wir Sie noch fragen: Arbeiten Sie bereits an neuen Projekten? Wenn ja, worauf darf man sich freuen?

Im Herbst dieses Jahres wird eine neue Folge Universum ausgestrahlt - ein Film über Zugvögel. Dafür wurde viel hier im Seewinkel gedreht. Es werden persönliche Geschichten von Vögeln erzählt, die einen großen Teil ihres Lebens hier verbringen. Ich arbeite auch an neuen Buchprojekten. Dazu kann ich aber noch nicht mehr sagen. Außer, dass es wieder um unsere bedrohte Natur und Vogelwelt gehen wird.

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