Auch im Bezirk Neusiedl: Aufatmen in der Gastro-Branche. Die BVZ hat sich zum coronabedingten „Neustart“ in einem Heurigen, einem Pub und in Hauben-Lokalen umgesehen.

Von Saskia Jahn, Birgit Böhm-Ritter und Paul Haider. Erstellt am 21. Mai 2020 (05:39)
Gesichtsvisier oder Mund-Nasen-Schutz ist nun fixer Bestandteil der Arbeitskleidung für das Personal mit Kundenkontakt. Im Bild: Der Frauenkirchener Robin Resch, Mitarbeiter im „das Fritz“ in Weiden am See.
Böhm-Ritter

Die langersehnte Wiedereröffnung der Gastronomie am 15. Mai hauchte dem gesellschaftlichen Leben im Bezirk wieder Leben ein, selbstverständlich unter strenger Einhaltung der Hygiene- und Abstandsauflagen. Nach zweimonatiger Corona-Pause war den Gastronomen die Freude und auch die Erleichterung sprichwörtlich ins Gesicht geschrieben.

„Man merkt einfach, die Menschen wollen wieder hinaus, unter die Leut‘.“Hannes Pillinger, Mönchhofer Winzer und Gastronom

„Es hat sich für uns schon einiges geändert, aber das Wichtigste ist jetzt, sich an die Leitlinien des Bundesministeriums zu halten. Nur so kann das gesellschaftliche Leben, in unserem Fall in den Lokalen, langsam wieder hochgefahren werden, natürlich mit Mindestabstand und Mund-Nasenschutz“, führt Hannes Pillinger, Mönchhofer Winzer und Gastronom, aus.

Der Anlauf am ersten Tag, dem Freitag, sei „eher zäh verlaufen, das würde ich aber auf das schlechte Wetter zurückführen. An den darauffolgenden Tagen wurde das Wetter sonniger und wärmer, da waren wir dann auch zu 95 Prozent ausgebucht. Man merkt einfach, die Menschen wollen wieder hinaus, unter die Leut‘ “.

Hannes Pillinger, Katharina Sutrich und Erika Trägner freuen sich, ihre Gäste in der Mönchhofer Heurigenschenke wieder begrüßen zu dürfen. Die Hygienemaßnahmen werden vorbildlich eingehalten.
Jahn

Der moderne, großzügig angelegte Heurige bietet viel Platz, um den erforderten Mindestabstand einhalten zu können, trotzdem musste Hannes Pillinger seine Tischanzahl um zwei reduzieren. „Draußen haben wir jetzt elf und drinnen 14. Auf den Tischen selbst dürfen jetzt keine Salz- und Pfefferstreuer und auch keine Brot- und Besteckkörberl mehr stehen. Nur bei Bedarf reichen wir die Gewürze dazu und auch das Gebäck muss portionsweise bestellt werden. Alles was dann wieder abserviert wird, wird von uns neu desinfiziert“, erklärt Pillinger.

Auch die Sanitäranlagen und Türklinken werden in regelmäßigen Abständen von den Mitarbeitern gereinigt und desinfiziert. „Im Großen und Ganzen werden die Maßnahmen akzeptiert, auch wenn sie von vielen hinterfragt werden. Aber ich setze da voll auf die Mündigkeit meiner Gäste, jeder möchte doch, dass es funktioniert, also sollte sich auch jeder daran halten“, gibt der Gastronom zu bedenken.

Gäste sind diszipliniert

In Neusiedls „Joe‘s Pub“ haben viele Stammkunden am Wochenende die Möglichkeit genutzt, sich endlich wieder ein frisch gezapftes Bier zu holen. „Wir sind sehr zufrieden, es hat super funktioniert! Wir mussten die Leute nicht auf die Verhaltensregeln aufmerksam machen, weil diese schon sehr viel in den Medien kommuniziert worden sind“, zieht Mitarbeiter Oliver Ruiner im BVZ-Gespräch eine positive Bilanz.

Im kleinen Pub finden unter Einhaltung des Mindestabstandes immerhin zwölf Tische Platz. Diese waren am Freitag, als der Schanigarten wetterbedingt noch nicht genutzt werden konnte, auch allesamt reserviert. Am Samstag, als das Wetter auch mitspielte, konnten an acht Tischen bis zu 32 weitere Personen gemütlich im Freien sitzen.

Ein Wermutstropfen für das Team von „Joe‘s Pub“ bleiben die eingeschränkten Öffnungszeiten, und dass der Barbereich nicht besetzt werden darf. „Da fehlt kommunikationstechnisch einfach was“, meint Oliver Ruiner. „Aber wir sind froh, dass wir offen haben können und dass unsere Leute wieder kommen.“

Die Wiedereröffnung des Gasthauses „Zur Dankbarkeit“ in Podersdorf sei laut Josef Lentsch „den Umständen entsprechend gut, aber für diese Jahreszeit weniger gut angelaufen. Das darf man aber nicht überbewerten. Es sind herausfordernde Zeiten, also sind wir zufrieden.“ Vor allem freue es ihm, dass die Stammgäste wieder den Weg in sein Restaurant gefunden haben. „Jeder hat es genossen, sowohl wir Wirten als auch die Gäste.“

Hochzeitsmonat ging diesmal ohne Feiern vorüber

So schön es ist, wieder seine Gäste bewirten zu dürfen, so groß ist Lentschs Bedauern, dass er durch die strengen Sicherheitsvorkehrungen teilweise gegen seine eigene Philosophie arbeiten muss: „Ein für uns sehr wichtiger Punkt ist die Nachhaltigkeit. Wir wollen so wenig Müll wie nur möglich produzieren. Das ist zurzeit jedoch aufgrund von bestimmten Hygienemaßnahmen wie Einwegspeisekarten sowie Salz- und Ketchupsackerl sehr schwierig umzusetzen.“

Im Restaurant „das Fritz“ in Weiden am See nimmt man sich seine Speisekarte mit nach Hause, sozusagen als Erinnerung an ein gutes Essen und gemütliche Stunden direkt am Neusiedler See. Der Hausherr Fritz Tösch zeigt sich über die ersten offenen Tage zufrieden: Der Geschäftsgang war sehr gut. „Was man allerdings schon feststellen kann: Es kommen natürlich kleinere Gruppen“, so Tösch. Die Gäste seien sehr diszipliniert und würden sich an die Vorgaben halten.

Einen großen Wermutstropfen gebe es aber schon: Der typische Hochzeitsmonat Mai bleibt heuer ohne große Feste in der beliebten Hochzeitslocation am Neusiedler See. Und auch in den darauffolgenden Monaten wird das „Oberdeck“, das normalerweise als Veranstaltungssaal dient, eher als Ausweichmöglichkeit bei Schlechtwetter genutzt.

„Alle Buchungen wurden auf den Herbst oder auf nächstes Jahr verschoben“, erzählt Tösch, wobei es schwierig sei, Ausweichtermine zu finden, weil es im Oberdeck des Seerestaurants auch für 2021 schon zahlreiche Reservierungen für Veranstaltungen gebe.