Bürgerbefragung: Wunsch nach freiem Seezugang. Der öffentliche Zugang als Staatsziel: Der Verbauung des Ufers soll Einhalt geboten werden.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 08. August 2018 (04:00)
Böhm-Ritter
Großes Medieninteresse. Der freie Seezugang, wie ihn Landesrätin Astrid Eisenkopf, Landeshauptmann Hans Niessl und Bürgermeisterin Elisabeth Böhm fordern, wird in ganz Österreich diskutiert.

Vergangene Woche präsentierten Landeshauptmann Hans Niessl, Naturschutz-Landesrätin Astrid Eisenkopf und Bürgermeisterin Elisabeth Böhm im Neusiedler Strandbad die Ergebnisse einer Bürgerbefragung, die in einen „Masterplan Neusiedler See“ einfließen sollen. In diesem Masterplan soll eine gemeinsame Strategie für die Entwicklung der Region Neusiedler See erarbeitet werden.

Befragung in 27 Gemeinden durchgeführt

An der Befragung, die in den 27 Gemeinden rund um den Neusiedler See durchgeführt wurde, haben 2.165 Personen teilgenommen. Die wichtigsten Erkenntnisse: 86 Prozent gaben an, den Neusiedler See „sehr häufig“ oder „oft“ zu nutzen. Am meisten wird der See für seine einzigartige Natur und Landschaft geschätzt (86 Prozent), 68 Prozent erfreuen sich an der Ruhe und der Unberührtheit, am dritthäufigsten wird die hohe Wohn- und Lebensqualität genannt. Fast 40 Prozent der Befragten schätzen den See aufgrund seines attraktiven Sport- und Freizeitangebotes.

„Hier kommt ganz deutlich hervor, dass die Befragten den See aktuell als etwas Besonderes sehen“, sagte Eisenkopf. Erhoben wurde auch, was sich die Bevölkerung künftig wünscht. „Es zeigt sich, dass der öffentliche Seezugang als wichtigstes Kriterium gesehen wird. „Ein Ausverkauf und Zupflastern ist nicht erwünscht“, so die Naturschutz-Landesrätin. 75 Prozent der Befragten sehen die öffentlichen Seezugänge als „sehr wichtig“ an.

„Es zeigt sich, dass der öffentliche Seezugang als wichtigstes Kriterium gesehen wird. Ein Ausverkauf und Zupflastern ist nicht erwünscht“Naturschutz-Landesrätin Astrid Eisenkopf

Landeschef Hans Niessl will den freien Zugang zu den Seen sicherstellen und diesen in der Verfassung verankert wissen. Er führe derzeit Gespräche mit dem burgenländischen Verfassungsdienst mit dem Ziel, den freien Zugang zu allen Burgenländischen Seen durch eine Staatszielbestimmung abzusichern: „Das Burgenland ist das erste Bundesland, das eine solche Lösung anstrebt. Natürlich werden bestehende Anlagen und Widmungen nicht davon betroffen sein. Klares Ziel ist: Der freie Zugang zu allen Seen im Burgenland soll so weit wie möglich sichergestellt sein.“

Eine dieser angesprochenen bestehenden Widmungen befindet sich direkt im Neusiedler Hafenbecken. Während der Präsentation der Umfrageergebnisse wurde im Hintergrund kräftig an 21 Seehäusern weiter gebaut.

BVZ
Rege Bautätigkeit im Neusiedler Hafen. So ein Bauprojekt, wie es derzeit am Ufer des Strandbades entsteht, soll es künftig nicht mehr in unmittelbarer Seenähe geben. Momentan entstehen 21 Seehäuser.

Der Spatenstich für das Projekt „Am Hafen“ erfolgte im Jänner 2017. Die Tiefbauarbeiten wurden im Juni dieses Jahres fertiggestellt. Insgesamt 306 Fundament-Pfähle zu je 15 Metern Höhe wurden im Grund des Sees verankert. Momentan sind die Hochbauarbeiten im Gange. Auf Nachfrage der BVZ bei der Neusiedl am See Projektentwicklung GmbH wurde mitgeteilt, dass die Bauarbeiten im Zeitplan liegen. Die Fertigstellung aller Seehäuser werde für Sommer 2019 angestrebt.

Das dazu geplante Hotelprojekt „Am Hafen“ ist indessen allerdings geplatzt. Die Stadtgemeinde hat das Baurecht auf dem 6000 Quadratmeter großen Grundstück um 50.000 Euro zurückerworben. „Die Stadt kann nun frei planen, was dort hinkommt. Auf keinen Fall ein 14 Meter hohes Hotel“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Böhm im Rahmen der Pressekonferenz.