Wohnheim Villa Mia: Land sucht neue Plätze für Bewohner.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 01. Dezember 2017 (14:56)
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Symbolbild

Aus der von der Volksanwaltschaft beanstandeten sozialpädagogischen Wohngemeinschaft im Bezirk Neusiedl am See sollen die zwölf burgenländischen Kinder und Jugendliche in andere Einrichtungen gebracht werden, bestätigte die leitende Sozialarbeiterin im Amt der Landesregierung, Bettina Horvath, am Freitag einen "Kurier"-Bericht (Burgenland-Ausgabe). Plätze seien zum Teil schon gefunden.

Es handle sich dabei nicht um eine kurzfristige Maßnahme, betonte Horvath. Die fallführenden Sozialarbeiterinnen seien seit Monaten mit dem Landespsychologischen Dienst dabei, zu beurteilen, wie die Situation für jedes einzelne Kind ausschaue - "Was wäre eine gute Lösung, wäre eine Betreuung woanders besser?" Auch die Verlegung eines Jugendlichen am Freitag sei "schon länger geplant" gewesen. Man müsse für die Kinder "den Übergang gut gestalten". Dies werde in den nächsten Wochen passieren.

Vertreter der Kinder- und Jugendhilfe hätten die Einrichtung am Donnerstag besucht. Heimbewohner seien im Hinblick auf die von der Volksanwaltschaft georteten Missstände "teilweise sehr aufgebracht" gewesen. Man habe zu hören bekommen, "wie das möglich sein kann, dass da falsche Dinge gesagt werden", berichtete Horvath.

"Wir waren oft in der Einrichtung", so Horvath, auch Mitarbeiter des Landespsychologischen Dienstes und fallführende Sozialarbeiterinnen hätten das Heim besucht. Kollegen aus der Steiermark seien am Mittwoch - vor Bekanntwerden der Vorwürfe - ebenfalls dort gewesen, weil auch zwei Bewohner aus der Steiermark im Heim leben. Von weinenden Kindern - die Volksanwaltschaft hatte von Kindern berichtet, die unter Tränen gebeten hätten, die Einrichtung verlassen zu dürfen - habe man nichts bemerkt: "So etwas hat niemand von uns beobachtet", sagte Horvath.

Wohnheim: Gesetz verlangt jährliche Kontrolle

Die Führung und der Betrieb von sozialpädagogischen Einrichtungen im Burgenland sind durch das Burgenländische Kinder- und Jugendhilfegesetz geregelt. Dieses schreibt unter anderem vor, dass stationäre und teilstationäre Einrichtungen der Aufsicht der Landesregierung unterliegen. Diese muss zumindest einmal pro Jahr überprüfen, ob die vorgeschriebenen Erfordernisse erfüllt werden.

Werden bei einer Kontrolle Mängel festgestellt, muss ihre Behebung den Verantwortlichen per Bescheid und unter Setzung einer angemessenen Frist aufgetragen werden. "Wird durch einen solchen Mangel das Wohl der Kinder und Jugendlichen erheblich und unmittelbar gefährdet, so ist zudem der weitere Betrieb der Einrichtung bis zur Behebung dieses Mangels zu untersagen", heißt es im Gesetz. Außerdem muss die Betriebsbewilligung widerrufen werden, wenn die festgestellten Mängel nicht oder nicht fristgerecht beseitigt werden.

Dies gilt auch, wenn seitens des Betreibers die Eignung nicht mehr gegeben ist. Wird eine sozialpädagogische Einrichtung ohne die erforderliche Bewilligung betrieben, muss die für die Aufsicht zuständige Behörde unverzüglich veranlassen, dass die dort betreuten Kinder und Jugendlichen aus der betroffenen Institution weggebracht werden.

Eine Gefährdungsmeldung bezieht sich auf den begründeten Verdacht von Kindeswohlgefährdung in den Familien, erläuterte die Leitende Sozialarbeiterin im Amt der Landesregierung, Bettina Horvath, im APA-Gespräch. "Wenn jemand aus dem Umfeld einer Familie, zum Beispiel in Schule, Kindergarten oder andere Personen die Wahrnehmung haben, dass es einem Kind zu Hause nicht gut geht und es gefährdet ist, dann spricht man von Gefährdungsmeldung."

Dabei könne es sich um konkrete Beobachtungen handeln oder um Auffälligkeiten, die eine Sozialarbeiterin bemerkt. Der Inhalt solcher Meldungen sei sehr unterschiedlich. "Die meisten Gefährdungsmeldungen, die wir bekommen, beziehen sich auf vermutete Vernachlässigung von Kindern - dass sie nicht altersentsprechend gefördert werden, nicht versorgt werden, dass die Kleidung nicht witterungsgemäß ist", beschrieb Horvath. Bestimmte Einrichtungen wie Gerichte, Schulen, Krankenhäuser oder private Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe seien verpflichtet, bei entsprechenden Wahrnehmungen dem Amt der Landesregierung Meldung zu erstatte.

Im Burgenland gibt es - die Unterbringung unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge eingerechnet, 37 Einrichtungen mit rund 600 Plätzen, so Horvath. In Relation zu den Plätzen und Häusern komme es nicht oft vor, dass Gefährdungen gemeldet würden.

"Wir sind in fast allen Einrichtungen mehrmals. Jedenfalls gebe es eine jährliche Kontrolle", stellte Horvath fest. Dies beziehe sich nur auf die Aufsicht durch das Amt der Landesregierung. Zusätzlich können andere Sachverständige das Heim besuchen. Sozialarbeiter müssten pro Jahr mindestens eine Fallverlaufkonferenz machen und seien dabei auch in den Häusern: "Wenn Kinder schwieriger sind, dann gibt es auch viel häufiger Kontakte".

Bei vorfallsbezogenen Kontrollen werde festgestellt, ob das pädagogische Personal richtig gehandelt hat und ob die in der Betriebsbewilligung eingehaltenen Vorgaben erfüllt werden. Wird eine routinemäßige Kontrolle durchgeführt, schaue man sich auch die Qualifikation des Personals an.

Zu den Maßnahmen, die getroffen werden können, zählen Gespräche mit allen Beteiligten sowie die Erteilung von Auflagen - etwa, das Konzept zu verbessern oder bestimmte Fortbildungen zu besuchen. Per Bescheid können zusätzliche Auflagen erteilt werden. Eine Verlegung von Heimbewohnern wäre das letzte Mittel. Hier müsse man sich in jedem Fall anschauen, ob das für das Kind gut sei.