Kurärztin Göschl: „Fasten ist keine Diät zum Abnehmen“. Sechs von zehn Österreichern haben bereits Fastenerfahrung. Kurärztin Dr. Ulrike Göschl gibt Tipps.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 22. März 2020 (06:03)
Fasten ist außerdem sehr gut verträglich und wirkt sich insgesamt positiv auf unsere Gesundheit und Vitalität aus.Die leitende Kurärztin Ulrike Göschl (links im Bild) begleitet die Gäste im Kurhaus Marienkron bei ihren Fastenkuren. Fotos: Kurhaus Marienkron (Göschl) bzw. Steve Haider
Kurhaus Marienkron (Göschl) bzw. Steve Haider

Immer mehr Menschen beschäftigen sich mit dem Fasten – die traditionelle Fastenzeit ist dabei ein Beweggrund von vielen. Das Mönchhofer Kurhaus Marienkron, Zentrum für Darm und Gesundheit, beleuchtet mit der ersten Marienkroner Fastenumfrage Wissensstand, Motive und Erfahrungen der Österreicherinnen und Österreicher rund um den bewussten Verzicht.

Die leitende Kurärztin Ulrike Göschl begleitet die Gäste im Kurhaus Marienkron bei ihren Fastenkuren. Foto: Kurhaus Marienkron
Kurhaus Marienkron

„Fasten wird primär als Anti-Aging-Maßnahme und Gesundheitsprophylaxe gesehen, aber auch indikationsbezogen bei chronischen Krankheiten eingesetzt. Viele verstehen es auch als Auszeit, um wieder zu einem gesünderen, bewussteren Lebensstil zu finden“, beschreibt Dr. Ulrike Göschl. Die Weidenerin ist leitende Kurärztin von Marienkron und begleitet jährlich viele hunderte Kurgäste beim Fasten.

Das Kurhaus Marienkron in Mönchhof – 2019 mit neuem Konzept als „Zentrum für Darm und Gesundheit“ eröffnet – hat die heimischen Fastengewohnheiten unter die Lupe genommen: Über 500 Österreicherinnen und Österreicher aus allen Bundesländern wurden in der Marienkroner Fastenumfrage nach ihrer Einstellung zum Thema Fasten befragt.

Bereits 6 von 10 Österreichern (58,1 Prozent) haben Erfahrung mit dem Fasten in Form einer mehrtägigen Fastenkur gesammelt. 9,3 Prozent fasten regelmäßig ein Mal pro Jahr; 2,2 Prozent fasten zwei Mal pro Jahr; 3,4 Prozent sogar häufiger. 21 % der Befragten geben an, eine Fastenkur zumindest einmal ausprobiert zu haben.

Etwa ein Drittel all jener, die noch nie gefastet haben, wären bereit, eine mehrtägige Fastenkur zu testen.

„Gesunde Menschen im mittleren Lebensalter, die keine gröberen Gesundheitsprobleme haben, können normalerweise problemlos fünf Tage suppenfasten“, weiß Göschl, schränkt aber ein: „Werden bestimmte Medikamente eingenommen, muss das beim Fasten berücksichtigt werden. Kinder, Schwangere, Personen mit bestimmten Erkrankungen oder Essstörungen und im höheren Alter sollten nicht fasten. Auch wenn kurz darauf körperlich sehr anstrengende Herausforderungen warten, ist Fasten nicht sinnvoll. Es muss immer von Fall zu Fall individuell mit dem Arzt besprochen werden“, so die leitende Marienkron-Kurärztin.

Genügend Zeit zum Fasten nehmen

Jene mit Fastenerfahrung geben in der Umfrage überwiegend an, zwischen zwei und sieben Tage zu fasten.

Göschl rät, sich für eine Fastenkur ausreichend Zeit zu nehmen, auch davor und danach: „Beim Fasteneinstieg sollten vorher schon Entlastungstage eingelegt werden und ganz besonders nach dem Fasten braucht es Zeit für die Aufbautage.“ Die Beweggründe für das Fasten sind unterschiedlich. Laut Marienkroner Fastenumfrage 2020 halten sich das Abnehmen (30,7 Prozent) und die Reinigung sowie Entgiftung des Körpers (29,7 Prozent) die Waage. Der Wunsch nach Gewichtsverlust durch das Fasten ist dabei bei Frauen (35,4 Prozent) stärker ausgeprägt als bei Männern (25 Prozent).

„Fasten ist keine Diät zum Abnehmen, dazu ist die Kalorienzufuhr auf Dauer viel zu niedrig und es würde zu einer Minderversorgung wichtiger Nährstoffe kommen“, gibt Ulrike Göschl zu Bedenken. „Das Fasten kann aber durch die Reduktion auf das Wesentliche und das Wiedererlernen von Sättigung und feinem Geschmacksempfinden den Umstieg in einen gesünderen Lebensstil fördern. Ein- bis zweimal im Jahr kann eine solche Auszeit mit Fasten, Meditation und Bewegung längerfristig helfen, das Gewicht auch nachhaltig in den Griff zu bekommen.“

Platz 3 der Fastenmotive: Knapp 14 Prozent der Befragten erwarten, dass sie sich durch Fasten „allgemein besser fühlen“.