Grüne in Neusiedl: „Arbeit zu wenig kommuniziert“. Erwartungen nicht erfüllt: Grüne Spitzenkandidatin Alexandra Fischbach und ihr Team wollen Ergebnis genau unter die Lupe nehmen.

Von Birgit Böhm-Ritter und Pia Reiter. Erstellt am 05. Oktober 2017 (05:57)
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Gute Stimmung. Sigrid Jarto, Walter Lackner, Rainer Fussenegger, Hannes Linhart, Alexandra Fischbach, Peter Weishapl und Andrea Kiss trafen sich zur ersten Besprechung der Gemeinderatswahl im Gasthaus „Zur Lok“.
BVZ

Die erste Reaktion der Spitzenkandidatin der Grünen Alexandra Fischbach auf das eigene Ergebnis in der Bezirkshauptstadt war eine verhaltene. Die große Freude blieb erst einmal aus.

„Die Grünen haben Neusiedl vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet“

Eigentlich hätte sich die Vollblutpolitikerin mehr erwartet, als das Ergebnis aus der Gemeinderatswahl von 2012 mit rund zehn Prozent Zustimmung zu halten. Schließlich habe sie mit ihrem Team hart gearbeitet in den vergangenen fünf Jahren. „Die Neusiedler haben offensichtlich wahlpolitisch keinen Richtungswechsel gewünscht“, meint sie.

Vor allem als Vorsitzende des Konsolidierungsausschusses hat sich Fischbach profilieren können: Schulden konnten abgebaut werden, 2017 wird die Stadtgemeinde ausgeglichen budgetieren. Ein erstes Konsolidierungsziel in der finanziell angeschlagenen Stadt ist damit erreicht. Trotz dieses Erfolges, gelang es nicht, an Stimmen zuzulegen. Die Grünen müssen sogar ein minimales Minus von 0,82 Prozent zur Kenntnis nehmen.

„Die Grünen haben Neusiedl am See vor der Zahlungsunfähigkeit gerettet. Das ist offensichtlich bei den Neusiedlern nicht angekommen. Vielleicht haben wir unsere Arbeit aber auch zu wenig kommuniziert“, versucht Fischbach das Ergebnis zu analysieren, „oder unsere Arbeit wird einfach zu wenig wertgeschätzt und anerkannt.“

Querelen in Bundespartei dürften Stimmung beeinflusst haben

Als Wahlniederlage sieht Fischbach das Ergebnis der Neusiedler Grünen aber nicht. „Vor allem dann nicht, wenn man sich die Ergebnisse der Grünen in den anderen Bezirkshauptstädten ansieht, die teilweise herbe Verluste einstecken mussten. Es ist aber nicht das, was wir uns vor allem für den Gemeinderat erwartet haben.“ Vielleicht sei es gerade die gute Arbeit gewesen, die es möglich gemacht habe, das Ergebnis zu halten, so die Spitzenkandidatin.

Die Querelen in der Bundespartei dürften doch auch die Stimmung in den Gemeinden beeinflusst haben. „Es gibt viele Warum-Fragen. Man muss sich das anschauen und versuchen, diese zu beantworten, um die Neusiedler Wähler und ihre Entscheidung zu verstehen“, sagt Fischbach. Das Wahlergebnis wolle man auf jeden Fall erst genau unter die Lupe nehmen und dann Schlüsse für die Arbeit der Grünen für die nächsten fünf Jahre ziehen.

Eines wird es von den Grünen aber sicher nicht geben, betont sie: „Aus heutiger Sicht geben wir keine Wahlempfehlung ab. Grüne Wähler sind mündig genug und sehr gut informiert und deshalb in der Lage, das selbst zu entscheiden.“