Rückzug: Nakovits verlässt Neusiedler Gemeinderat. Die parteifreie Mandatarin Maria Nakovits kehrt der Politik den Rücken. FPÖ-Ersatzgemeinderat rückt vorerst nach.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 25. Juni 2020 (05:34)
Maria Nakovits wird künftig mehr Zeit für Hund „Szultan“ haben.
BVZ

Heute findet in der Bezirkshauptstadt die zweite Gemeinderatssitzung nach dem Corona-Lockdown statt – wieder im Feuerwehrhaus, wieder mit ausreichend Abstand. Nicht dabei sein wird Maria Nakovits. Sie legte mit 15. Juni ihr Gemeinderatsmandat zurück. Und nicht nur das: Sie beende mit sofortiger Wirkung jedwede politische Tätigkeit und schließe ein komplettes Kapitel in ihrem Leben, betont Nakovits auf Nachfrage der BVZ.

„Der Hauptgrund dafür ist, dass ich meinen Lebensgrundsatz ‚Ganz oder gar nicht!‘ als leere Worthülse nicht einfach so dahinsage. Ich konnte es einfach nicht mehr länger vor mir selbst rechtfertigen, dass – egal welches Thema – alles, aber wirklich absolut alles, immer am Altar der Parteiideologie geopfert wird! So vernünftig kann ein Vorschlag gar nicht sein, wenn er von den ‚anderen‘ – von den ‚Gegnern‘ – kommt, ist man automatisch dagegen“, erklärt Nakovits weiter.

Die diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester sorgte in der Vergangenheit immer wieder für mediales Aufsehen. Als FPÖ-Kandidatin zog sie 2017 neben FP-Ortsparteiobmann Herbert Denk in den Neusiedler Gemeinderat ein, knapp ein Jahr später lag sie mit der Freiheitlichen Partei allerdings schon im Clinch und verkündete mit öffentlichwirksamer Kritik an der Landesspitze ihren Parteiaustritt. Als freie Mandatarin blieb sie dem Neusiedler Gemeinderat erhalten.

2019 wurde Nakovits als vielversprechende Kandidatin der Landesliste Burgenland (LBL) für die Landtagswahl präsentiert. Schließlich zog sie sich aus privaten Gründen zurück und kandidierte nur auf der Bezirksliste auf aussichtsloser Stelle.

Nun hat Nakovits endgültig einen Schlussstrich unter ihrer politische Karriere gezogen. Sie wolle nicht mehr Teil des Systems sein: „Ich bin ein politischer Mensch. Ich verzweifle aber im Kern daran, dass Politik an sich nur sich selbst vertritt. Die Anliegen der Menschen kommen nur dann auf die Agenda, wenn es in die ‚eigenen Ziele einzahlt‘.“

Wer rückt in den Gemeinderat nach?

Der erste Tagesordnungspunkt in der heutigen Gemeinderatssitzung hätte die Angelobung von Nakovits Nachfolgerin oder Nachfolger sein sollen. Daraus wird vorerst aber nichts.

Josef Brandlhofer wird vorläufig als Ersatzmandatar nachrücken.
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Ihr Mandat, das sie zuletzt als parteilose Gemeinderätin inne hatte, geht – voraussichtlich– wieder an einen FPÖ-Politiker, da Nakovits über die FPÖ-Liste in den Gemeinderat einzog. Wer das sein wird, steht aber noch nicht fest. FPÖ-Ersatzgemeinderat Josef Brandlhofer rücke nicht automatisch vor, erläutert Ortsparteiobmann und FP-Gemeinderat Herbert Denk. Brandlhofer sei auf der Wahlliste nur an fünfter Stelle gestanden, die Vorgereihten Ulrike Haider und Daniel Zebedin hätten 2017 auf das Ersatzmandat verzichtet. Genau das – nämlich eine Verzichtserklärung unterschreiben – müssten sie nun wieder tun, um Brandlhofer das Fixmandat zu sichern, oder das Gemeinderatsmandat selbst annehmen.

Das Brisante: Zebedin ist wie Nakovits bereits aus der FPÖ ausgetreten. Bei einem Mandatsverzicht durch Haider könnte er als parteifreier Mandatar in den Gemeinderat einziehen. Noch ist FPÖ-Ortsparteiobmann Denk in Sondierungsgesprächen. Über die Sommermonate soll die Nachfolge Nakovits allerdings geregelt werden. „Bis dahin bleibt Josef Brandlhofer als Ersatzmitglied aktiv“, so Denk.