Vulgonamen im alten Parndorf: Buch vorgestellt. Hobby-Historiker bringen in Zusammenarbeit mit dem Kroatischen Kulturverein ein Buch über kroatische Beinamen heraus, die früher in Parndorf gebräuchlich waren.

Von Paul Haider. Erstellt am 21. September 2019 (05:25)
Haider
Geschichts-Detektive. Rudolf Reiter und Wolfgang Gutdeutsch haben drei Jahre lang nach alten Parndorfer „Vulgonamen“ gefortscht und dafür zahlreiche Interviews mit Senioren geführt.

Rudljovi, Tomini, Rusatarovi – so wurden in Parndorf früher Personen genannt, die mit Familiennamen eigentlich Gorgosilich, Meszar oder Mramor hießen. In der burgenlandkroatischen Gemeinde war es nämlich bis in die 1970er-Jahre üblich, dass so gut wie alle Einwohner kroatische Pseudonyme hatten.

Diese Vulgonamen sind über die Jahrzehnte nach und nach aus dem Alltagsgebrauch verschwunden. Heute sind viele längst in Vergessenheit geraten.

Einige Parndorfer Hobby-Historiker haben dem Vergessen aber den Kampf angesagt. In Zusammenarbeit mit dem Kroatischen Kulturverein Burgenland erscheint im Oktober das Buch „Vulgo“. Darin sind alle bekannten kroatischen Beinamen aus früheren Zeiten katalogisiert und dem jeweiligen „offiziellen“ Familiennamen samt Adresse zugeordnet worden.

Angereichert ist das 104 Seiten lange Buch mit historischen Fotos und Beiträgen von mehreren namhaften Autoren.

Die BVZ hat anlässlich der Fertigstellung des Buches mit Wolfgang Gutdeutsch und Rudolf Reiter von der Historikergruppe gesprochen. Beide sind gebürtige Parndorfer und haben folgerichtig auch Vulgonamen: „Bajsov“ (Reiter) und „Retkin“ (Gutdeutsch).

Von Wirtshausdebatten zum Buch

Über die Entstehung des Werks erzählt Wolfgang Gutdeutsch: „Die Idee zu dem Buch geht auf Wirtshausdebatten zurück. Die ältere Generation hat immer wieder darüber debattiert, wer früher welchen Spitznamen hatte. Interessant ist, dass ein nicht-kroatisch sprechender Zugezogener wollte, dass wir das Buch machen.“ Dabei handelt es sich um den Gründer der Parndorfer Historikergruppe, den 2016 verstorbenen Gemeinderat Franz Reinbacher.

Drei Jahre lang hat sich das vierköpfige „Vulgo“-Kernteam seinen Recherchen gewidmet, die einer gewissenhaften Detektivarbeit glichen.

Zahlreiche Interviews mit älteren Dorfbewohnern brachten dutzende, in Vergessenheit geglaubte, Vulgonamen zutage. Als besonders hilfreich entpuppten sich die Aufzeichnungen einer Dame, die ihrerseits bereits eine Liste von kroatischen Beinamen aus Parndorf geführt hatte.

Die Herkunft der Vulgonamen ist laut den Autoren ganz unterschiedlich – zum Teil hätten sich diese auf den Beruf oder das Wohnhaus der jeweiligen Person bezogen. Andere seien wiederum einfach „kroatisierte“ Versionen der eigentlichen Nachnamen gewesen.

Auch wenn diese kroatischen Namen den heutigen Parndorfern kaum mehr geläufig sind, so ist es den Hobby-Historikern doch ein Anliegen, dass diese zumindest in schriftlicher Form erhalten bleiben. „Wir wollen, dass den nächsten Generationen gezeigt wird, wie es früher einmal war“, sagt Rudolf Reiter und Wolfgang Gutdeutsch ergänzt: „Und wir wollen natürlich auch, dass die Bräuche und das Kulturgut der kroatischen Volksgruppe nicht vergessen werden. Großes Interesse daran ist jedenfalls da, nicht nur von den gebürtigen Parndorfern, auch von den Zugezogenen!“

Die „Vulgo“-Buchpräsentation findet am 26. Oktober ab 17 Uhr im Markt der Erde-Stadel (Schulgasse 1g) statt.