Neue Gartenkultur aus Pannonien. Trockenresistente Pflanzen aus der Heimat und Exoten bilden eine Pflanzengesellschaft, die kaum Bewässerung brauchen soll.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 18. August 2018 (07:36)
Birgit Böhm-Ritter
Gartenpioniere. Die Präsentation des Projekts „New Pannonian Style“ von Thomas Amersberger und Wolf Stockinger ist im Rahmen der Vortragsreihe der Gartenausstellung „Gartenlust“ auf Schloss Halbturn von 24. bis 26. August geplant.

Der Neusiedler Gartengestalter Wolf Stockinger und der Autor des Buchs Global Gardening, Thomas Amersberger haben in einem grenzüberschreitendem Projekt Versuchsflächen und Schaugärten rund um den Neusiedler See geschaffen, wo Trockenheits- und Hitze liebende Pflanzen für naturnahe, nachhaltige Gestaltungen im Zeitalter des Klimawandels erprobt werden. Die beiden Gartenexperten erklärten im Gespräch mit der BVZ, wie der Garten der Zukunft aussehen könnte.

Schon in der Vergangenheit wurden an die Vegetation im pannonischen Raum enorm hohe Anforderungen gestellt: heiße und niederschlagsarme Sommer mit trockenen Südostwinden, dazu schneearme Winter mit teilweise langen und tiefen Kahlfrösten. Für Gärtner und Landschaftsplaner bilden diese Bedingungen seit jeher eine besondere Herausforderung, die mit fortschreitender Klimaerwärmung nur noch größer wird.

Aus der Not, dass „die ehrenwerte englische Gartenkultur“, im Pannonischen Raum, aufgrund des besonderen und extremen Klimas, nie wirklich funktioniert hat, entwickelten die zwei Gartenpioniere, eine eigene pannonische Gartenkultur: den „New Pannonian Style“. Amersberger und Stockinger, beschäftigen sich bereits seit Kindesalter mit verschiedensten Pflanzen. Beide wohnen am Neusiedler See, der eine diesseits am Nordende in Neusiedl am See, der andere jenseits am Südende des Sees unweit der ungarischen Grenze.

„Es gibt nur wenige invasive Arten, die meisten sind aus Nordamerika, teilweise auch aus Asien."Thomas Amersberger

Die Gartengestaltung des New Pannonian Style ist eine Weiterentwicklung der Bauerngärten unserer Großmütter. Abseits von mehrjährigen blühenden Stauden aus aller Welt werden besonders die heimischen pannonischen Wildpflanzen aber auch Mittelmeerpflanzen gefördert, die aufgrund der Klimaerwärmung.

Zur Erhöhung der Biodiversität und zu Attraktivitätssteigerung der Pflanzungen werden auch Vertreter aus den Steppen und Halbwüsten aus der ganzen Welt in die Pflanzungen integriert. Insektenfreundliche und trockenheitsverträgliche Blüher wachsen aber in der Natur fast immer auf steinigen Böden, deswegen ist die Schaffung eines geeigneten Untergrundes mit Schotter und Kies besonders wichtig. „Auch geringer Niederschlag durchdringt die schottrigen Böden gut und er hält sich zudem länger als im feinen Sandboden, außerdem wird die oft problematische Staunässe bei Lehmböden im Winter vermieden“, erklärt Stockinger.

Auf die Frage, ob dadurch nicht invasive Arten, wie etwa der Götterbaum bereits eine ist, eingeschleppt werden könnten, beruhigt Amersberger: „Es gibt nur wenige invasive Arten, die meisten sind aus Nordamerika, teilweise auch aus Asien. Diese sind aus unserer Empfehlung ausgenommen“, so der Kulturmanager und studierte Landschaftsökologe. Bei der Pflanzenauswahl von anderen Kontinenten werde sehr sorgsam darauf geachtet, dass keine Gartenflüchtlinge dabei seien, die das heimische Ökosystem erobern könnten. Exoten seien aber Teil ihrer Gartenkultur, um die Biodiversität zu fördern, denn durch die rasante Klimaerwärmung wird es kurzfristig sonst zu einer Artenverarmung kommen.

Das Ziel der neuen Gartenkultur ist es, weitgehend auf intensive Bewässerung verzichten zu können. „Diese Pflanzengesellschaften im neuen pannonischen Garten sind bereits nach meist einem Jahr so trockenheitsresistent, dass sie, bis auf Ausnahmesituationen, keine Zusatzbewässerung mehr benötigen. Dadurch haben diese Gärten eine wesentlich bessere Ökobilanz“, erklärt Stockinger.