Spital in Gols: Bürgerinitiative gegen Standort

Verein um Obmann Nikolaus Gracher und Winzer Helmuth Renner wird in Gols aktiv.

Birgit Böhm-Ritter
Birgit Böhm-Ritter Erstellt am 24. Dezember 2020 | 03:34
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Am geplanten Standort für das neue Krankenhaus auf Golser Hotter hat auch die Stadtgemeinde Neusiedl am See ein Grundstück.
Foto: LMS Burgenland

Eine im Oktober gegründete Bürgerinitiative mit dem Namen „Ja zum Krankenhaus – Nein zur Verbauung der Golser Wiesäcker“ wurde nun erstmals öffentlichkeitswirksam aktiv. Die Initiative um Obmann Nikolaus Gracher aus Weiden am See, dem Golser Winzer Helmuth Renner als Schriftführer und Kassier Thomas Weimar, ebenfalls aus Gols, traf sich im Landhaus mit Landeshauptmann Hans Peter Doskozil. Wenige Tage später gab es ein Treffen mit dem Golser Bürgermeister Hans Schrammel.

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Die Bürgerinitiative kommunizierte bei diesen Treffen ihre Position und sprach sich klar für ein neues Krankenhaus aus, aber gegen den beabsichtigten Standort zwischen Weiden am See und Gols innerhalb des geschützten Natura 2000 - Gebietes.

Ihren Standpunkt begründet die Bürgerinitiative unter anderem mit einem bereits in Auftrag gegebenen naturschutzfachlichen Gutachten, das Dr. Egon Zwicker erstellt hat. In diesem Gutachten wurde vor allem die Bedeutung des geplanten Standortes als Pufferzone für die unweit gelegenen Zitzmannsdorfer Wiesen herausgestrichen. Diese sind als ältestes Naturschutzgebiet des Landes bekannt und sind heute Teil des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel.

„Mit dem Bau eines Krankenhauses an geplanter Stelle würde ein wichtiges Brut- und Jagdgebiet für zahlreiche Vogelarten verschwinden, darunter auch Arten, die auf der Roten Liste zu finden sind“, erklärt Gracher und führt mit dem Neuntöter gleich ein prominentes Beispiel an. Die Erhaltungsziele des Natura 2000 - Gebietes seien jedenfalls durch den geplanten Bau gefährdet, führt Gracher aus.

Das naturschutzfachliche Gutachten wurde Landeshauptmann Doskozil überreicht, es soll aber nicht das einzige bleiben. Im Oktober in Auftrag gegeben, sei die Jahreszeit für eine Untersuchung der Fauna und Flora am 82.000 Quadratmeter großen Areal nicht ideal gewesen.

Ein weiteres Gutachten könnte im Frühjahr folgen. Für die Finanzierung sowohl naturschutz- als auch rechtsfachlicher Gutachten ist die neue Bürgerinitiative auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Auf ihrer kürzlich erst online gegangenen Homepage www.krankenhaus-gols.at bitten die Aktivisten um Spenden. Außerdem soll demnächst eine Petition gestartet werden, mit der Gleichgesinnte ihre Unterstützung mit ihrer Unterschrift signalisieren können.

Umwidmung in Vorbereitung

Unterdessen wird vonseiten des Landes Burgenland das Umwidmungsverfahren für das derzeit landwirtschaftlich genutzte Areal vorbereitet. Dafür werden Fachgutachten erstellt, die etwa eine Naturverträglichkeitsprüfung, die Untersuchung des Landschaftsschutzgebietes UNESCO Weltkulturerbe, den Verkehr sowie die Infrastruktur betreffen. Auf Basis dieser Gutachten werde ein strategischer Umweltbericht erstellt, hieß es auf Anfrage der BVZ Ende November aus dem Büro des Landeshauptmannes.

Eines der grundlegenden Ziele der Bürgerinitiative ist es allerdings, dieses Umwidmungsverfahren zu stoppen. Die Verbauung dieses riesigen Gebietes habe nicht nur Auswirkungen auf die Umwelt, auch seien negative Auswirkungen auf Anrainer, Tourismus und UNESCO Weltkulturerbe zu befürchten, so die Meinung der Bürgerinitiative.