Craft-Bier und Gin: Vom Lieblingshobby zur Marktlücke. Zwei Neusiedler gehen neue Wege: Stefan Kast produziert eigenen Gin, Nikolaus Tittler braut ein Bier namens „Lakeseidel“.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 15. Februar 2018 (05:00)
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Kein Massenprodukt. Der Gin von Stefan Kast findet reißenden Absatz, er ist für 29 Euro in der Halbliter-Flasche zu haben.
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„Das Um und Auf ist das Rezept“, betont Stefan Kast, der vor wenigen Tagen seinen ersten selbstgebrannten Gin auf den Markt gebracht hat.

Eineinhalb Jahre hat der Winzer daran getüftelt. Angefangen hat alles mit einem Schnapsbrennkurs 2016, denn Kast wollte mit seinen Kirschen statt Marmeladen lieber Hochprozentiges herstellen. Seine bessere Hälfte hat ihn dann einfach angemeldet. Auch sein früherer Chef, der damalige Staatssekretär Harald Mahrer, ein leidenschaftlicher Gin-Trinker, hat ihn dazu inspiriert.

Neben der Grundsubstanz aus Wacholderbeeren gibt es noch zahlreiche andere Bestandteile wie Kardamom oder Koriander. „Die meisten Gin-Produzenten halten ihr Rezept geheim, ich habe im Internet alte Rezepte aus Holland gefunden und Zutaten oder Kräuter, die nicht meinem Geschmack entsprechen, weggelassen. Das Endprodukt ist aus den besten zwei Brennversuchen entstanden“, sagt er.

Design und Flasche sind absichtlich schlicht gehalten, auch in Anlehnung an die Weinlinie. Der Name „The real life“-Gin ist eine Anspielung auf das neue Lokal „Zum echten Leben“, woran Kast beteiligt ist.

Stadt hat einen Bierbrauer

„Meine Frau ist Schuld daran, dass ich zum Bierbrauer geworden bin“, schmunzelt Nikolaus Tittler, denn der Braukurs war ein Weihnachtsgeschenk. „Ich fand den Kurs witzig und interessant, und als dann zuhause am Herd gleich der erste Versuch gelungen ist, habe ich angefangen, mir Wissen anzueignen und anzulesen“, erzählt Tittler.

„Craft-Bier“ hat es ihm besonders angetan: „Es schmeckt intensiver und ist bei uns noch nicht so verbreitet, darin sehe ich eine Marktlücke.“ In Österreich liegt der Marktanteil erst bei 1 Prozent, europaweit sind es 6 bis 7 Prozent. „Hier gibt es Potenzial“, ist er sich sicher.

Pionier. Im Burgenland ist „Craft-Bier“ derzeit noch nicht so bekannt. Nikolaus Tittler braut ohne künstliche Zusätze, alles passiert in Handarbeit. „Das Spannende dabei ist, dass es am Ende ein Produkt gibt, dass man genießen kann“, beschreibt er den Brauvorgang.
Pia Reiter

Derzeit produziert er in einer Brauerei in Niederösterreich, der Neusiedler ist aber auf der Suche nach einem geeigneten Standort in der Stadt. Bis zum Sommer möchte Tittler zwei neue Biere auf den Markt bringen, derzeit umfasst das Sortiment von Lakeseidel die Biertypen Seamile (Wiener Lager), Rohrkolben (Amber Ale) und Zitronenstelze (Indian Pale Ale), die Namen sind gewollt an den Neusiedler See angelehnt.

Erhältlich sind die Biere zum Beispiel im Largo, Jörgs Restaurant oder der Pizzeria Rialto, ebenso im Weinwerk (als Sechser-Tragerl). Bis zum Sommer sollen noch einige neue Verkaufsstellen dazukommen.