Einstige ÖVP-Hochburg nun tiefrot gefärbt

Kräftiges Plus von über elf Prozent katapultierte die SPÖ mit großen Abstand an die Spitze.

Erstellt am 29. Januar 2020 | 04:24
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Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren überholte die SPÖ erstmals nach 70 Jahren die ÖVP in Neusiedl am See. Etwas mehr als ein Prozentpunkt trennte die beiden Großparteien damals. Nun 2020 ist der Abstand der Sozialdemokraten enorm gewachsen. Mit einem Plus von 11,2 Prozent liegt die SPÖ in der Bezirkshauptstadt nun mit großen Vorsprung vorne.

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43,5 Prozent der wahlberechtigten Neusiedler haben bei der SPÖ ein Kreuz gemacht, etwa jeder Zweite dieser Wähler gab auch Doskozil eine Vorzugsstimme (983) auf der Landesliste. 723 Neusiedler entschieden sich, Bürgermeisterin Elisabeth Böhm mit einer Vorzugsstimme auf der Bezirksliste persönlich zu unterstützen. „Die Menschen erkennen, wer für sie arbeitet. Ich habe mich sehr gut eingesetzt für unsere Bevölkerung und das spiegelt natürlich auch das Ergebnis der Landtagswahl wieder. Ich freue mich sehr, dass mich die Neusiedler so unterstützt haben“, sagt Böhm, die sich ein Grundmandat für den Landtag erkämpft hat.

ÖVP will Doskozil „in die Pflicht nehmen“

Das Ergebnis für die einst erfolgsverwöhnte ÖVP in Neusiedl am See lässt so manchen ÖVP-Funktionär lieber in die Vergangenheit als in die Gegenwart oder Zukunft blicken. Die ÖVP liegt hier mit 30,5 Prozent sogar unter dem landesweiten Schnitt. Neusiedl am See ist eine von nur drei Gemeinden im Bezirk, in denen ein türkises Minus (-0,6 Prozent) eingefahren wurde. Der Wahlkampf sei komplett auf den SPÖ-Spitzenkandidaten Landeshauptmann Doskozil zugeschnitten gewesen, heißt es bei Neusiedls ÖVP Funktionären, und er habe alles richtig gemacht. Die ÖVP habe ihr Ziel erreicht, die SPÖ-Absolute sei aber ein großer Wermutstropfen, der unter anderem einen zu „braven“ ÖVP-Wahlkampf geschuldet sei. Es hätte mehr Siegeswillen und Angriffslust gebraucht, verdeutlicht Neusiedls Vize-Bürgermeister Thomas Halbritter (ÖVP), der weiter sagt: „Jetzt ist der Landeshauptmann umso mehr gefordert, seine Versprechen umzusetzen, und das wird nicht einfach werden. Wir werden ihn in die Pflicht nehmen.“ Es könne nicht sein, dass alles Geld in den Süden laufe, konkretisiert Halbritter seine Befürchtungen. „Wir müssen die Stadt weiterbringen und brauchen Bedarfszuweisungen etwa für das Hallenbad und Förderungen vom Land für Betriebe.“ Mit dem Vorzugsstimmen-Ergebnis der Neusiedler Kandidaten ist der Vizebürgermeister jedenfalls zufrieden. Fritz Mannsberger erhielt 408, Katja Neuberger-Schilling 229 Vorzugsstimmen.

Die FPÖ rutschte von 14,4 Prozent auf 8,8 Prozent ab. Damit konnte auch in der Bezirkshauptstadt dem landesweiten Trend nicht entgegengewirkt werden. Auch Neusiedls Kandidat auf der Kreiswahlliste Josef Brandlhofer konnte kaum Wähler in der Stadt mobilisieren. Er musste sich mit insgesamt 51 Vorzugsstimmen zufriedengeben.

Die Grünen können in Neusiedl am See bei Wahlen traditionell gute Ergebnisse einfahren. Auch bei dieser Landtagswahl konnten die Grünen auf ihre Neusiedler Wähler zählen. Ganz knapp hinter Eisenstadt erreichte man hier das zweitbeste Landesergebnis mit 13,5 Prozent der Wählerstimmen. Zuwächse gibt es – so wie im Landesschnitt – aber auch in der Bezirkshauptstadt kaum: Lediglich ein Mini-Plus von 0,4 Prozent.

Bezirkskandidatin Alexandra Fischbach und die Neusiedler Grünen-Gemeinderätin Andrea Kiss kommentierten das Abschneiden ihrer Partei in der Bezirkshauptstadt am Wahlabend im Gespräch mit der BVZ wie folgt: „Es hätte mehr sein können, aber es geht stetig bergauf. Wir sind zufrieden.“

Auch die NEOS können mit 3 Prozent in Neusiedl am See zufrieden sein. Mehr Prozentpunkte erreichten sie nur in Pinkafeld, Stegersbach, St. Michael und Rohr im Burgenland.

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