Hallenbad: Absage an den Denkmalschutz. Stellungnahme gegen eine Unterschutzstellung beschlossen. Die Bedeutung für den „Brutalismus“ wird angezweifelt.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 23. Januar 2019 (04:00)
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Jüngere Elemente. Der Rutschenturm samt Außenbecken und Liegewiese ist in einem zweiten BDA-Gutachten von der geplanten Unterschutzsstellung ausgenommen worden.
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Die Causa Denkmalschutz für das Hallenbad dürfte sich weiter in die Länge ziehen. Der Gemeinderat hat in seiner Sitzung vergangenen Mittwoch einen einstimmigen Beschluss gefasst: Alle Fraktionen haben sich geschlossen gegen eine Unterschutzstellung ausgesprochen. Eine dementsprechende Stellungnahme wurde dem Bundesdenkmalamt fristgerecht bis 18. Jänner übermittelt.

„Die dringend erforderliche Sanierung des Hallenbades würde bei einer Unterschutzstellung gefährdet sein, da die Kosten erheblich steigen würden“, glaubt Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ). Darüber hinaus wird im Gemeinderat die Bedeutung des Hallenbades für den Architekturstil des Brutalismus angezweifelt, der für den Einsatz von „rohen Beton“ – so die Begriffsbedeutung – steht.

Der Brutalismus sei von keiner Sicht eindeutig erkennbar, sagte Stadtrat Fritz Mannsberger (ÖVP) in der Gemeinderatssitzung. Es sei sehr viel mit Holz gearbeitet worden. Dem stimmt Böhm zu: „Die Bedeutung des bereits veränderten Gebäudes für den Stil des Brutalismus ist nicht nachvollziehbar“, äußerte sie in einer Aussendung.

Für Peter Adam vom Bundesdenkmalamt kommt die starke Front gegen eine Unterschutzstellung überraschend. Und zwar, weil die bisher geführten „Gespräche in eine andere Richtung gegangen“ seien. Aber so etwas komme immer wieder vor. Die Stellungnahme werde nun von verschiedenen Abteilungen im BDA geprüft und eingearbeitet.

"Wichtiger Bau der Nachkriegsarchitektur"

Die Argumente seien zur Kenntnis zu nehmen, allerdings: „Man kann natürlich darüber diskutieren, ob der gesamte Bau dem Brutalismus zuzuordnen ist, oder nicht. Klar ist jedenfalls, dass das Neusiedler Hallenbad ein wichtiger Bau der Nachkriegsarchitektur ist.“ Gerade in der jüngeren, wenig aufgearbeiteten Architektur gäbe es immer wieder solche Diskussionen. „Man muss sich in diesen Fällen anschauen, wo die Qualitäten im Vergleich zu anderen Objekten dieser Zeit liegen“, erklärt der Experte.

Nun heißt es für die Stadtgemeinde: warten bis ein endgültiges Gutachten des Bundesdenkmalamtes einlangt.