Hallenbad-Sperre vor Multi-Organversagen. Gefahr in Verzug im Hallenbad in Neusiedl am See: Die Holzträger der Dachkonstruktion sind morsch und könnten einstürzen.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 11. März 2020 (05:35)
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Pressekonferenz. Anwalt Johann Wutzelhofer, FZB-Geschäftsführer Georg Glerton, Bürgermeisterin Elisabeth Böhm, Stadtrat Heinz Zitz und Architekt Anton Mayerhofer gaben die Sperre bekannt.
Birgit Böhm-Ritter

Ein Szenario, das seit Jahren im Raum stand, ist vergangenen Mittwoch Realität geworden. Das Neusiedler Hallenbad musste praktisch von einem Tag auf den nächsten gesperrt werden. Einsturzgefahr.

Aus statischer, hochbautechnischer, haustechnischer und brandschutztechnischer Sicht sei eine Weiterführung des Betriebs nicht mehr zu verantworten, hieß es daraufhin von Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) und Georg Glerton, dem Geschäftsführer der Freizeitbetriebe GmbH, zu der das Hallenbad gehört.

Bei Holzarbeiten am Dach wurde wenige Tage zuvor Holzfäule festgestellt, woraufhin die Freizeitbetriebe GmbH die Holzforschung Austria mit Probebohrungen beauftragt hatte. Es sei festgestellt worden, dass Holzträger nicht mehr tragfähig seien, erläuterte Glerton die ersten Ergebnisse der Bohrungen.

Architekt Anton Mayerhofer, seit 2015 beratend in die Hallenbad-Causa involviert, konkretisierte: „Es ist festgestellt worden, dass Teile abgemorscht sind. Wenn das Bad dampft, geht alles in die Holzkonstruktion. Eigentlich ist es ein Wunder, dass alles bis jetzt so gut funktioniert hat. Die Wassertechnik aus dem Jahr 1975 ist auch nur durch ‚Künstler‘ im Haus aufrechterhalten worden.“

Eine Sperre zu diesem Zeitpunkt sei unumgänglich, bevor es zu einem „Multiorganversagen“ kommt.

Seit Jahren ist klar, dass das 43 Jahre alte Hallenbad saniert werden muss. Gescheitert ist eine Generalsanierung allerdings an der maroden Finanzlage der Stadt.

„Alleine wird es die Stadt nicht schaffen“

Mehrere Anläufe, die Gemeinden der Region ins Boot zu holen, verliefen im Sand. Und auch jetzt betont Bürgermeisterin Böhm: „Es wird eine Generalsanierung geben. Es ist wichtig, dass das Hallenbad erhalten bleibt, aber alleine wird es die Stadt nicht schaffen.“

Stadtrat Heinz Zitz, er sitzt im Beirat der Freizeitbetriebe GmbH, drückt indessen aufs Tempo: „Wir werden jetzt sehr schnell mit dem Land und Bund verhandeln müssen.“ Außerdem sei ein Schulterschluss mit den Gemeinden notwendig. Darüber hinaus betont er, dass dem Land Burgenland und Landeshauptmann Doskozil die Wichtigkeit der burgenländischen Bäder bewusst sei. Die Hallenbäder in Neusiedl, Eisenstadt und Pinkafeld seien dezidiert im Regierungsprogramm erwähnt.

Ein Sanierungs- und Finanzierungskonzept gibt es laut Georg Glerton bereits. Er spricht von 7 Millionen Euro für eine Generalsanierung. Eingerechnet ist eine Million „Puffer“ für Vorgaben des Bundesdenkmalamts (BDA). Laut eines BDA-Bescheides steht das Hallenbad nämlich zum Teil unter Denkmalschutz. Dagegen hat der Gemeinderat bereits Mitte 2019 Einspruch beim Bundesverwaltungsgerichtshof erhoben. Eine Entscheidung ist noch offen.

Im Neusiedler Gemeinderat setzt man unterdessen auf Einigkeit, wie Vizebürgermeister Thomas Halbritter (ÖVP) von der Sonder-Gemeinderatssitzung berichtete, die einen Tag nach der Sperre einberufen wurde.

„Wir wollen uns mit voller Kraft für eine Wiederaufnahme des Schwimmbetriebs einsetzen. Nur wenn wir alle an einem Strang ziehen, können wir unser Ziel erreichen: das Hallenbad so schnell wie möglich wieder in Betrieb zu nehmen.“ Als Erstes müsse nun das Sanierungskonzept konkretisiert werden und die Finanzierung sichergestellt werden. Dabei müssten alle ihren Beitrag leisten, sowohl die Stadt als auch die Gemeinden der Region, das Land und der Bund. Die Verantwortlichen der Stadtgemeinde zielen auf eine schnelle Sanierung ab. Dass mehrere Jahre vergehen werden, bis im Neusiedler Hallenbad wieder geschwommen wird, bestreitet allerdings niemand.