HLW-Schüler: „Das ist ungerecht". Schülerinnen und Schüler österreichischer HLWs fühlen sich vom Bildungsminister unfair behandelt. Auch im Pannoneum.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 17. April 2021 (03:34)
Jan Lackner ist Schulsprecher des Pannoneums und kennt die Sorgen des vierten Jahrganges, ist er doch selbst Schüler der vierten Klasse.
privat

In einem Leserbrief haben sich Schulsprecherinnen und Schulsprecher von 33 österreichischen Höheren Lehranstalten für wirtschaftliche Berufe (HLW) an die Öffentlichkeit gewandt: Sie fühlen sich vom Bildungsministerium „nicht gehört und unverstanden“, vor allem aber „unfair behandelt“. Der Leserbrief erhielt auch von den Schülervertretern im Pannoneum Neusiedl am See Unterstützung. Insgesamt gibt es in Österreich 85 HLWs.

Die Forderung der Jugendlichen: Die praktische Vorprüfung für das Fach „Küchen- und Restaurantmanagement“ soll heuer aufgrund des besonderen Schuljahres – großteils im Distance Learning – nur freiwillig absolviert werden können, soll aber kein Muss sein.

Jan Lackner, Schulsprecher des Pannoneums, zeigt sich mit seinen 32 Kolleginnen und Kollegen aus ganz Österreich solidarisch. Der praktische Unterricht habe im laufenden Schuljahr nicht überall so gut ablaufen können wie in Neusiedl, sagt er. Nicht alle fühlen sich auf die Prüfung ausreichend vorbereitet. Selbst im Pannoneum habe man durch den Schichtbetrieb in der Schule nur halb soviele Praxisstunden absolvieren können wie in einem „normalen“ Schuljahr. Gerade die Ausbildung im Bereich der gehobenen Gastronomie, die im 3. und 4. Schuljahr auf dem Stundenplan stehe, sei dabei zu kurz gekommen.

„Mit Erleichterungen abgespeist“

Die praktische Vorprüfung im Fach „Küchen- und Restaurantmanagement“ ist nicht irgendeine Prüfung. Sie gilt als Berufsberechtigungsprüfung und ein positives Abschneiden ist für den 4. Jahrgang die Bedingung für die Ablegung der Reifeprüfung im nächsten Schuljahr.

Dem aktuellen Maturajahrgang 2021 wurden im Vorjahr aufgrund der virologischen Situation die fachpraktischen Prüfungen erlassen, ohne die Berufsberechtigung zu verlieren. Genau das sei der Punkt, warum sich die Schülerinnen und Schüler ungerecht behandelt fühlten, erklärt Lackner. Sie selbst würden nur mit „Erleichterungen“ abgespeist werden, obwohl sie viel mehr Zeit im Home Office verbracht hätten als die betroffenen Schüler im Vorjahr. Statt eines 4-gängigen Menüs muss heuer ein 3-gängiges Menü gekocht werden - und zwar für zwei statt für vier Personen.

Direktorin Laminger: „Man kann das heurige Schuljahr nicht mit dem letzten Jahr vergleichen. Im Vorjahr hat man über das Infektionsgeschehen noch viel zu wenig gewusst. Auch gab es die Möglichkeit der Corona-Tests an den Schulen noch nicht.“
Pannoneum, Pannoneum

Direktorin Alexandra Laminger ist überzeugt, dass die Schülerinnen und Schüler des Pannoneums für die Prüfung gut vorbereitet sind. Wie übrigens auch im Vorjahr. „Die Prüfung hätte man auch letztes Jahr niemals absagen dürfen“, betont sie, „denn sie stellt auch eine Berufsberechtigung fest.“ Und weiter: „Ich verstehe, dass die Schülerinnen und Schüler sich ungerecht behandelt fühlen. Wir werden sie im heurigen Jahr gut durch die Prüfungen begleiten“, findet sie aber doch beruhigende Worte.