Hotelpläne sorgen für gespaltene Reaktionen. Stadtpolitiker sind sich einig, dass Neusiedl am See ein Hotel braucht. Das präsentierte Konzept sehen sie unterschiedlich.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 26. September 2019 (03:15)
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Neusiedler Seebad
Derzeit bietet das außer Betrieb befindliche Seerestaurant im Neusiedler Seebad keinen erfreulichen Anblick. Geht es nach den Eigentümern der Immobilie, so könnte sich der Standort bald in einem anderen Licht präsentieren. Ein Lifestyle-Hotel mit Spa-Bereich ist geplant.
 
Böhm-Ritter/plansprechend

In der Vorwoche berichtete die BVZ über das Vorhaben der Seeblick Gmbh, die das heruntergekommene Seerestaurant im Neusiedler Strandbad zu einem Lifestyle-Hotel mit 63 Zimmern und Spa-Bereich umbauen möchte. Die Eigentümer Gerhard Milletich, Stefan Graf und Gerald Pichler präsentierten ihre Pläne (siehe Bild oben rechts) vor dem Gemeinderat.

Neusiedler Seebad
Derzeit bietet das außer Betrieb befindliche Seerestaurant im Neusiedler Seebad keinen erfreulichen Anblick. Geht es nach den Eigentümern der Immobilie, so könnte sich der Standort bald in einem anderen Licht präsentieren. Ein Lifestyle-Hotel mit Spa-Bereich ist geplant.
 
Böhm-Ritter/plansprechend

Doch wie schätzen die einzelnen dort vertretenen Fraktionen das Projekt nun ein? Die BVZ befragte jeweils einen Vertreter der politischen Parteien: „Das geplante Hotel wirkt wesentlich größer als das derzeitige Seehotel, es wurde ein modernes vierstöckiges Bauobjekt vorgestellt“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ).

Das Konzept klinge interessant, persönlich würde sie jedoch ein Hotel für Familien im guten Drei-Stern-Bereich bevorzugen. Nichtsdestotrotz betonte Böhm die hohe Bedeutung eines Hotels in der Stadt. „Die Nächtigungszahlen sinken stetig, wir brauchen unbedingt mehr Gästebetten im Ort.“

„Das neue Hotel wird sich sicherlich positiv auf die Stadt und die gesamte Region auswirken"

In die gleiche Kerbe schlug Vizebürgermeister Thomas Halbritter (ÖVP). „Das neue Hotel wird sich sicherlich positiv auf die Stadt und die gesamte Region auswirken. Die geplanten 20.000 Nächtigungen bedeuten ein Plus von über 30 Prozent. Da profitieren alle davon – vom Eisverkäufer bis hin zum Taxifahrer.“ Das Hotel in seiner jetzt präsentierten Form füge sich sehr gut in die Hülle des alten Seerestaurants ein. Es sei ein moderner Hotelbau mit einem attraktiven Restaurant und biete seinen Gästen jeden Komfort. „Das geplante Lifestyle-Hotel spricht eine ganz neue Zielgruppe an und ergänzt damit das bestehende Angebot sehr gut“, glaubt er.

Grüne: „Konzept birgt Konfliktpotential“

Architektonisch sei das Projekt gelungen, obwohl es durch seine Mehrgeschoßigkeit wie ein Riegel wirke, gibt sich FPÖ-Mandatar Herbert Denk noch etwas zwiespältig. Die hohe Bedeutung eines Hotels am See bezweifelt er aber nicht. Es werte sowohl die Stadt Neusiedl am See als auch die gesamte Seebadanlage auf.

Weniger positiv reagierte Hannes Linhart von den Grünen auf das präsentierte Hotelprojekt. Das geplante Gebäude sei zu wuchtig und füge sich nicht in das Landschaftbild ein. „Am Seeufer sollte nur entsprechend des sensiblen Kultur- und Landschaftsraums gebaut werden, so ein großer Hotelbau entspricht nicht einer regionaltypischen Baukultur“, merkt Linhart an.

Auch mit dem Konzept eines Lifestyle-Hotels will er sich nicht anfreunden. Es berge möglicherweise Konfliktpotential zwischen den Gästen eines Lifestyle-Hotels und den Besuchern des Seebades.

„Es ist unbedingt erforderlich, bei so einem Projekt die Bevölkerung einzubinden. In welche Richtung will man bei der touristischen Entwicklung in Neusiedl gehen? Für uns ist ein Hotel in diesen Dimensionen an diesem Ort mit einem nachhaltigen, ökologischen und sanften Tourismus am Neusiedler See nicht vereinbar“, so Linhart vehement. Dass die Stadt ein neues Hotel braucht, will er nicht leugnen, aber „nicht an diesem ökologisch sensiblen Standort so nahe am See“.

„Es ist unbedingt erforderlich, bei so einem Projekt die Bevölkerung einzubinden"

Wenig Zustimmung erntete er von der freien Mandatarin Maria Nakovits. Sie befürwortet das Hotel an diesem Standort: „Es ist ja bereits ein bestehender Bau vorhanden.“ Das Hotelprojekt werte die Stadt sehr auf. Außerdem freut sie sich, dass bei der Planung auch an die Möglichkeit gedacht worden ist, Veranstaltungen, wie etwa Bälle, im Hotel organisieren zu können.