Kundenfreundlicheres Parken gefordert. Neusiedls Unternehmer wünschen sich ein einfacheres Parksystem und längere Gratis-Parkdauer.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 30. Juli 2020 (05:42)
Viel Unzufriedenheit. Das Thema Parken bleibt in Neusiedl umstritten.
BBR

Die Parkraumbewirtschaftung im Zentrum bleibt in Neusiedl am See Diskussionsstoff. Während Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ) die Anschaffung neuer Parkautomaten um 100.000 Euro plant, forderte die ÖVP in der Gemeinderatssitzung im Mai – wie berichtet – statt einer Neuinvestition zur Belebung des Zentrums die Abschaffung der Parkgebühren für die Kurzparkzone. Bei Beibehaltung der Kontrollen, wie die türkise Fraktion betonte. Der ÖVP-Antrag wurde von der Bürgermeisterin vertagt und sorgte bei der darauffolgenden Zusammenkunft des Gemeinderates Ende Juni für Verstimmung bei der ÖVP. „Warum stand das Thema heute wieder nicht auf der Tagesordnung?“, fragte etwa Gemeinderat Mario Müllner am Ende der Sitzung.

Unterdessen befürchten Neusiedls Gewerbetreibende, dass ihre Interessen in den parteipolitischen Grabenkämpfen untergehen könnten. Die BVZ hat sich bei drei Unternehmern umgehört. Gemeinsames Credo: Die Parkraumbewirtschaftung soll so kundenfreundlich wie möglich sein. Über mögliche Lösungen haben sich mehrere Unternehmer bereits Gedanken gemacht und sich in etlichen Treffen vernetzt. Es sei nicht einfach, alle auf einen Nenner zu bringen, weiß Raumausstatter Anton Kandelsdorfer. Jeder habe andere Interessen, je nachdem wie lange seine Kunden im Geschäft verweilen. Klar sei aber, dass das System so einfach wie möglich sein müsse.

„Wenn ein Kunde zuerst einen Gratisparkschein besorgen muss, damit er eine halbe Stunde kostenlos parken kann, dann funktionieren vielleicht die nächsten ein, zwei Parkautomaten nicht, im Geschäft ist noch ein Kunde vorher dran, dann steht der Kunde schon auf Nadeln. Die halbe Stunde ist schnell vorbei“, zeichnet Kandelsdorfer ein alltägliches Szenario. Ein angenehmes Einkaufserlebnis sei das nicht. Er plädiert für eine kostenlose Parkdauer von 45 bis 60 Minuten, ohne Gratis-Parkschein, sondern mit Scheiben-Parkuhr: „Die ist international bekannt, fast jeder hat sie im Auto.“

Dem Vorschlag der ÖVP einer kompletten Abschaffung der Parkgebühren in der Kurzparkzone (parken für zwei Stunden erlaubt) kann er nichts abgewinnen. Er befürchtet, die Plätze vor den Geschäften würden dann von Dauerparkern verstellt werden und Kunden würden dann gar keine Parkplätze mehr finden. So sieht das auch Hannes Dragschitz, Trafikant am Hauptplatz: „Ich bin dafür, den Stadtkern zu beleben, aber dieses System wäre kontraproduktiv. Dann würden noch mehr Kunden in die Einkaufszentren in der Peripherie fahren.“ Das derzeit geltende System findet er gut. Allerdings müssten alle Parkautomaten funktionieren, was momentan nicht immer der Fall sei. „Außerdem muss die Möglichkeit der vorgedruckten Parkscheine verstärkt bekannt gemacht werden, mit einer Mobilisierungsaktion. Wie in Wien gibt es diese auch in Neusiedl zu kaufen. Die Scheine kann man sich auf Vorrat ins Auto legen, genauso wie Gratis-Parkscheine. Das wissen die wenigsten.“

Apotheker Simon Job beobachtet das Geschehen um die Parksituation im Zentrum seit Jahren sehr aufmerksam. Er schlägt vor, die Gratis-Parkdauer in der Kurzparkzone auf 60 Minuten zu verlängern und darüber hinaus Haltezonen, die mehrere Parkplätze umfassen, vor dem Rathaus, vor der Post und vor dem physikalischen Institut zu installieren. Dort wäre es möglich, zehn Minuten zu halten – auch ohne Gratis-Parkschein. „So einen Stellplatz gibt es bereits vor der Apotheke. Dieser wird sehr gut angenommen“, erklärt Job. Solche Haltezonen hätten sich in Eisenstadt, Mattersburg und Oberwart bereits bewährt.