Nachbarschaftsstreit:„Es stinkt zum Himmel“. Lösung im Nachbarschaftsstreit Anrainer klagen über unzumutbaren Gestank durch Ziegen. Nun übersiedelt der Bauer.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 05. September 2018 (08:27)
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Stein des Anstoßes. Der Gestank von rund 30 Ziegen im Wohngebiet treibt die Anrainer auf die Barrikaden.
Symbolfoto/Shutterstock, Ngamsom

Anrainer der Schottenaugasse und der Unteren Hauptstraße proben den Aufstand. Sie klagen über Geruchs- und Lärmbelästigung aufgrund dutzender Ziegen und Enten, die mitten im Wohngebiet gehalten werden.

Ein kleiner Bauernhof versetzt die Anrainer bereits seit Längerem in Aufregung. Mit dem Gestank und dem Lärm der Tiere wollen sie sich nun nicht mehr abfinden.

Anrainerin: „Es reicht uns jetzt“

„Wir haben viele Jahre versucht, das Problem mit unserem Nachbarn im Guten zu klären. Aber es reicht uns jetzt“, erzählt eine Anrainerin im Gespräch mit der BVZ. Die Tiere würden nicht artgerecht gehalten werden, hätten zu wenig Auslauf, würden nur selten ausgemistet werden und bekämen zu wenig zu fressen.

Darüber hinaus sei ein kleiner Teich im Gehege zur Kloake verkommen. „An manchen Tagen stinkt es penetrant. Wir mussten in den heißen Sommernächten bei geschlossenen Fenstern schlafen. Der Gestank war nicht auszuhalten“, erklärt eine andere Nachbarin.

„Die Tiere sind manchmal so laut, dass wir nicht schlafen können. Und zwar weil sie Hunger haben. Manchmal werfe ich ihnen Äpfel rein, damit Ruhe ist.“Anrainerin

Sie spricht von 30 Ziegen, die auf kleinstem Raum gehalten werden, und die sich ihren engen Lebensraum mit einigen Enten teilen. An offene Fenster in der Nacht sei nicht nur wegen des Gestanks nicht zu denken. „Die Tiere sind manchmal so laut, dass wir nicht schlafen können. Und zwar weil sie Hunger haben. Manchmal werfe ich ihnen Äpfel rein, damit Ruhe ist.“

Eine Situation, die die Anrainer als „unzumutbar“ empfinden: „Es stinkt zum Himmel“, so der Tenor.

Landwirt will Standort verlegen

Das Grundstück, auf dem die Tiere gehalten werden, ist als „Bauland Dorfgebiet“ gewidmet. Laut burgenländischem Raumplanungsgesetz sind dementsprechende Flächen unter anderem „für Gebäude land- und forstwirtschaftlicher Betriebe“ bestimmt. Ziegen mitten im Wohngebiet sind demnach also erlaubt. Trotzdem haben sich die Anrainer bereits an die Stadtgemeinde gewandt, die laut Bürgermeisterin Elisabeth Böhm die Bezirkshauptmannschaft informiert hat. Es gehe um eine Überprüfung, ob die Tiere artgerecht gehalten werden, erklärt sie.

Unterdessen dürfte das Problem allerdings kurz vor einer Lösung stehen. Der Landwirt hat im BVZ-Interview versichert, den Standort seiner Tiere in den nächsten Tagen zu verlegen. Er habe einen Stall mit schönem Auslauf in Gols gefunden und werde nach der Lese dorthin übersiedeln. „Ich kann die Anrainer beruhigen. Es ist alles im Laufen“. Die Ziegenhaltung mitten im Wohngebiet sei eine Notlösung gewesen. Dass sich die Anrainer vom Geruch belästigt gefühlt haben, kann er nachvollziehen: „Wir haben ein Problem mit dem Grundwasser und mussten jeden zweiten Tag einstreuen.“

Landwirt: „Meine Ziegen sind gut gepflegt“

Den Vorwurf, seine Tiere würden nicht artgerecht gehalten werden, weist er allerdings vehement zurück. „Meine Ziegen sind wohlgenährt, werden mit bestem Futter gefüttert und sind gut gepflegt.“ Die Happen von den Nachbarn seien kontraproduktiv gewesen: „Ziegen betteln immer. Und noch mehr, wenn sie wissen, da kommt was. Deshalb waren die Tiere so laut.“

Dass die Anrainer Probleme mit der tierischen Nachbarschaft haben, hat der Landwirt gewusst. „Wirklich Kontakt aufgenommen, haben sie aber nicht“, bedauert er.