Nikolaus Dinhof: Letzter Schultag für Herrn Direktor. Nikolaus Dinhof, Direktor der Sportmittelschule, spricht über die Pandemie, Pädagogen als Sozialarbeiter und erklärt, wie er das Schulsystem verändern würde.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 02. Juli 2021 (06:26)
440_0900_377981_nsd26bir_freisteller_nikolaus_dinhof_c_b.jpg
BVZ

Zum ersten Mal in seinem Leben wird Nikolaus Dinhof heuer im Herbst in den Urlaub fahren. Abseits der Schulferien. „Darauf freue ich mich wirklich schon“, schmunzelt der Neusiedler. Nach 40 Jahren im Lehrberuf verabschiedet sich der Direktor der Sportmittelschule Neusiedl am See nun in den Ruhestand.

Die Freude an der Arbeit mit Jugendlichen verspürt er allerdings auch noch in seiner letzten Schulwoche. Und das, obwohl sie in ein ganz besonders herausforderndes Schuljahr fällt. „Der Verwaltungsaufwand ist seit meinem ersten Jahr als Direktor 2005 stetig gewachsen, aber in diesem Schuljahr war er enorm. Corona war die Draufgabe“, berichtet Dinhof im BVZ-Interview. Corona-Tests, Hybrid-Unterricht, Distance Learning und Verdachtsfälle mussten schließlich koordiniert und dokumentiert werden. Mittlerweile habe sich aber eine Routine eingestellt. „Die Coronatests sind in der Schule Normalität geworden.“

Auch anfängliche Skeptiker würden die Tests in der Schule auf sich nehmen, denn die einzige Alternative wäre Home Schooling. „Die Eltern haben gesehen, dass die Kinder enorm viel verlieren, wenn sie nicht in die Schule kommen können.“

Das sieht auch Dinhof so, wobei er nicht alleine den Fortschritt im Lehrstoff meint. Vor allem die soziale Entwicklung seiner Schülerinnen und Schüler war ihm immer sehr wichtig. Deshalb arbeitet die Neusiedler Sportmittelschule auch eng mit schulexternen Institutionen zusammen, wie etwa der Beratungsstelle „Der Lichtblick“, dem Jugendamt oder im Bereich der Prävention mit der Polizei oder mit dem WIFI im Bereich der Berufsorientierung. Dinhof weiß: „Es ist notwendig, dass wir als Schule auf gesellschaftliche Probleme reagieren.“ Ein Paradigmenwechsel? Durchaus. „Im Bewusstsein der Kolleginnen und Kollegen ist heute viel stärker verankert, dass sie eine gewisse Sozialarbeiterfunktion haben, als früher. Ich hätte mich als Schüler mit meinen Sorgen nie einem Lehrer anvertraut. An unserer Schule ist das ganz normal.“ Letztlich gehe es immer darum, ein Klima zu schaffen, in dem man miteinander arbeiten kann.

Die große Bedeutung der Betreuungslehrerinnen und -lehrer habe sich nun auch in der Coronakrise gezeigt. Viele Jugendliche haben das persönliche Gespräch gesucht, als das wieder möglich war. „Wir haben einen regelrechten Ansturm verzeichnet, wobei wir vorher auch ein Online-Angebot hatten. Dieses wurde aber fast nicht angenommen.“

Was würden Sie am Schulsystem ändern?

Was würde der erfahrene Pädagoge verändern, bekäme er die Chance, als Bildungsminister ins Schulsystem einzugreifen? Nach kurzer Überlegung antwortet Dinhof bestimmt: „Ich würde ein einheitliches Schulsystem der 6- bis 14-Jährigen mit einem guten Fördersystem einführen, eher kursorientiert als fächerorientiert. Jetzt werden die Jugendlichen auseinanderdividiert - ohne Win-win-Situation.“

Als Schulleiterin wird Margit Luisser, derzeit Direktorin der NMS Pamhagen, am 1. September die Nachfolge Dinhofs antreten. Einen Ratschlag will er ihr nicht geben, „aber ich wünsche ihr, dass sie die gleiche Freude an dieser Arbeit haben wird, wie ich sie hatte“.