Pfarrer Wüger sagt Adé: „Es war eine intensive Zeit“

Zum Abschied sprach der ehemalige Stadtpfarrer mit der BVZ über seine neuen Aufgaben und Herausforderungen in der katholischen Kirche.

Erstellt am 30. September 2021 | 04:17
Pfarrer Wüger sagt Adé: „Es war eine intensive Zeit“
„Nur ungern lassen wir ihn ziehen“, sagte Bürgermeisterin Elisabeth Böhm zum Abschied und bedankte sich für die wertvolle Arbeit beim scheidenden Stadtpfarrer Michael Wüger.
Foto: Stadtgemeinde Neusiedl

In den vergangenen Tagen befand sich Stadtpfarrer Michael Wüger in einem wahren Abschiedsreigen, vergangenen Sonntag feierte er mit dem Erntedankfest in Weiden am See seinen letzten Gottesdienst als Stadtpfarrer im Seelsorgeraum am See (Neusiedl und Weiden). Am Freitag tritt der beliebte Pfarrer „Mike“, wie er in den Pfarrgemeinden freundschaftlich genannt wird, seinen Dienst als Generalvikar im Bischofshof der Diözese Eisenstadt an. Als Leiter des Seelsorgeraums am See wird ihm Wilhelm Ringhofer, bis dato Stadtpfarrer in Eisenstadt, nachfolgen.

Im Interview mit der BVZ sprach Michael Wüger über seine Zeit als Stadtpfarrer in Neusiedl und Weiden, über seine neue Aufgabe, über mangelnden Priesternachwuchs und anstehende Reformen in der Kirche. Außerdem legte der gebürtige Illmitzer seine Affinität zum Fußballspielen offen.

BVZ: Die Zeit im Seelsorgeraum Neusiedl und Weiden am See war kurz, aber intensiv. Wie fällt Ihnen der Abschied?

Wüger: Die Zeit des Abschieds fällt mir nicht leicht. Die drei Jahre in der Seelsorge waren eine erfüllte Zeit. Es gab viele Gespräche, Begegnungen, Anlässe und gemeinsame Feiern. Aber auch Situationen wie Trauer, die ich begleitend mitgegangen bin. Das sind alles Erinnerungen, die bleiben.

BVZ: Obwohl drei Jahre gar nicht so eine lange Zeit sind, sind Sie eigentlich aus der Pfarre gar nicht mehr wegzudenken.

Wüger: Ich habe in Neusiedl und Weiden schnell Fuß fassen und Wurzeln schlagen können. Ich hoffe, dass von den Spuren, die wir gemeinsam unterwegs waren, etwas bleiben kann.

BVZ: Überspitzt gefragt, werden Sie nun vom Seelsorger zum Bürohengst?

Wüger (schmunzelt): Nein, mein Wechsel in den neuen Aufgabenbereich umfasst zwar die diözesane Verwaltung – ich bin zum Beispiel mit der Begleitung des diözesanen Personals und der Personalentwicklung betraut – aber ich werde auch sehr viel in der gesamten Diözese unterwegs sein und Termine auch stellvertretend für den Bischof wahrnehmen. Anfang Oktober etwa bin ich bei der Glockenweihe in Parndorf.

BVZ: Stichwort Personal. Heuer gab es im Burgenland eine einzige Priesterweihe. Wo bleibt der Priesternachwuchs?

Wüger: Das ist ein schwieriges Thema. Wir müssen uns ständig die Frage stellen, wie können wir junge Leute begeistern? Das wird eine Herausforderung bleiben. Wir müssen in der Diözese immer ein waches Auge haben und schauen, wo es Leute gibt, die geeignet sind. Außerdem bin ich der Meinung, die Priesterseminaristen müssen mehr in die Öffentlichkeit treten. Es ist wichtig, dass die, die sich auf dem Weg zum Priesterberuf machen, in den Pfarren sichtbar sind.

BVZ: Gibt es Beispiele?

Wüger: Ja, Thomas Jakowitsch ist Priesterseminarist aus Eisenstadt und hat Neusiedl und Weiden als Bezugspfarren. Ich habe gemerkt, dass er einige Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat, als er öfter bei den Messen dabei war.

BVZ: Ein anderes schwieriges Thema sind die sinkenden Zahlen der Kirchgängerinnen und Kirchgänger...

Wüger: Corona hat Spuren hinterlassen. Man merkt aber, dass die Leute, die nicht mehr so regelmäßig den Gottesdienst besucht haben, jetzt wieder vermehrt kommen. Umso wichtiger ist es, dass Familien- und Jugendgottesdienste jetzt wieder klarer Bestandteil werden.

BVZ: Und abseits von Corona? Wüger: Das ist eine wesentliche Frage: Wie können wir Menschen dazu bewegen, die Heilige Messe zu besuchen? Ich glaube die großen Feste, wie zum Beispiel Erstkommunion oder Firmung gehören gut vorbereitet und schön gestaltet. Diese Feste sollen einen Beweggrund geben, einfach dabei zu bleiben und auch am Sonntag zu kommen. Ich merke bei den großen Anlässen, dass die Leute zugänglich sind. Wichtig ist, dass die Menschen spüren: ‚Hier komme ich mit meinem Leben vor.‘ In diesem Sinne müssen Gottesdienste gestaltet werden.

BVZ: Besteht in der Kirche nicht grundsätzlich Reformbedarf, insbesondere beim Zölibat oder durch Einführung des Frauenpriestertums?

Wüger: Papst Franziskus hat zu einem weltweiten synodalen Prozess aufgerufen. Dem Papst ist es wichtig, dass die Kirche eine Weggemeinschaft ist, dass sich die Menschen in der Kirche gemeinsam auf den Weg machen. Das ist wesentlicher als strukturelle Reformen. Aber die Themen Zölibat und Frauenpriestertum werden die Kirche immer begleiten. Man wird sehen, inwieweit diese in die Synode (geplant für 2023, Anm.d.Red.) einfließen.

BVZ: Ihre persönliche Meinung?

Wüger: Ich glaube, dass es bei Fragen zum Zölibat eher eine Bewegung geben könnte als im Bereich Frauenpriestertum.

Wie kann man sich diesen synodalen Prozess vorstellen? Wüger: Alle Menschen sollen eingebunden werden, jeder soll sich am Prozess der Veränderung und Entwicklung beteiligen können. Die Kirche möchte eine hörende Kirche sein und eine dienende Kirche. Am 17. Oktober wird es im Burgenland eine große Auftaktveranstaltung in der Informhalle Oberwart geben. Die Diözese ruft alle Menschen des Burgenlandes dazu auf, sich Gedanken zu machen über die Fragen: Was brauchst du, Burgenland? Was kann die Kirche dazu beitragen? Warum könnte das Burgenland derzeit auch gut ohne die Kirche leben?

BVZ: Zum Abschluss wechseln wir zu einem ganz anderen Thema. Nämlich zum Fußball...

Wüger (lacht): Ja, überall wo ich Pfarrer war, bin ich als Sportplatzgeher bekannt. In meiner Jugend habe ich beim FC Illmitz in allen Jugendmannschaften gespielt. Später habe ich auch den Illmitzer U12-Nachwuchs betreut. Zuletzt habe ich die Kinder der Weidener Volksschule, wo ich unterrichtet habe, auf den Sumsi-Cup vorbereitet. Dem Fußball bin ich immer treu geblieben.