Tennisboom: Eine letzte Saison in der Halle. Der Sport erlebt einen Aufschwung, die Tage der Sportstätte sind aber gezählt. Die OSG forciert nun ihr Wohnbauprojekt.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 23. Oktober 2020 (05:34)
Die Tennishalle soll abgerissen werden. Auf dem Grundstück plant die OSG Reihen- und Doppelhäuser.
Böhm-Ritter

Seit etwas mehr als einer Woche spielen Neusiedls Tennisspieler wieder in der Halle. Der Union Tennis Club Neusiedl konnte sich mit dem Eigentümer, der Oberwarter Siedlungsgenossenschaft (OSG), auf eine Verlängerung des Pachtvertrages bis 30. April 2021 einigen. Seit dem Verkauf der Tennishalle an die OSG ist das nun heuer die zweite Saison, in der der Tennisverein selbst als Pächter fungiert. Es wird aber wohl die letzte sein, befürchtet Obmann Torsten Aumüller.

Die OSG hat die Tennishalle samt Grundstück im Sommer 2019 gekauft, um dort Reihen- und Doppelhäuser zu bauen. Diese Pläne stehen nach wie vor. Das bestätigte OSG-Vorstand Alfred Kollar: „Wir haben so viele andere Projekte, dass der Fokus noch nicht auf dieses gerichtet war.“ Das soll sich aber nun ändern. Die Vorentwurfsplanung werde über die Wintermonate konkretisiert. Es gehe dabei um das Verhältnis zwischen Reihen- und Doppelhäusern: „Ich tendiere zu mehr Doppelhäusern“, erklärt Kollar, „diese liegen im Trend. Jedes Haus ist ein Eckhaus, das verspricht ein größeres Maß an Individualität.“ Insgesamt 40 Häuser sind angedacht.

Bis es aber zu einem Projektstart kommt, wird es noch Verhandlungen mit der Stadtgemeinde geben müssen. Geht es nach der OSG, soll es Anfang nächsten Jahres, wenn das Projekt in der Planung einen Schritt weiter ist, ein Gespräch mit der Stadtgemeinde geben, denn das Grundstück ist für ein Wohnprojekt nach wie vor nicht gewidmet. Seit dem Grundstückskauf pocht die OSG auf eine Umwidmung von Bauland Fremdenverkehr in Bauland Wohnen.

Noch keine Lösung für künftige Wintersaisonen

Unterdessen ist die Hallensaison der Tennisspieler mit großem Andrang losgegangen. Das Interesse am Tennissport ist momentan besonders groß. „Die Mitgliederzahlen sind in den vergangenen Jahren explodiert. 2018 hatten wir 260 Mitglieder, heute 367“, freut sich UTC-Obmann Aumüller. Den Tennisboom führt er unter anderem auf die internationalen Erfolge des österreichischen Tennisprofis Dominic Thiem zurück, aber auch die Coronakrise spiele dem Verein in die Hand. „Tennis ist keine Kontaktsportart. Trotz strengerer Maßnahmen darf Tennis immer noch gespielt werden. Der Abstand kann ja immer eingehalten werden“, betont Aumüller.

Die Tennishalle ist heuer noch stärker gebucht als im Vorjahr. 191 Stunden pro Woche sind für die gesamte Wintersaison bereits fix vorgebucht. Über 70 Prozent davon für Kinder- und Jugendtrainings des UTC Neusiedl, des Burgenländischen Tennisverbandes, der Tennisclubs Gols, Gattendorf, Pamhagen oder der NMS Neusiedl.

Wie der Tennishunger in Zukunft gestillt werden kann, weiß aber auch der Vereinsfunktionär nicht, denn um das Thema „neue Tennishalle“, worüber im Vorjahr im Gemeinderat noch heftig diskutiert wurde, ist es ruhig geworden. Für Aumüller ist klar: „Der Verein alleine kann eine neue Halle samt Grundstückskauf nicht finanzieren.“

Bürgermeisterin Elisabeth Böhm versicherte auf BVZ-Anfrage, sich um eine zufriedenstellende Lösung für den Tennissport zu bemühen. Die Gemeinde sei bestrebt, gemeinsam mit weiteren Investoren auch in den Wintermonaten einen Spielbetrieb möglich zu machen: „Es wird bereits seit Monaten mit unterschiedlichen Unternehmen verhandelt. Coronabedingt gibt es natürlich zeitliche Verzögerungen.“