Volksschullehrer Walter Haider geht in Pension. Einer der wenigen männlichen Volksschulpädagogen des Bezirks verabschiedet sich in die Pension.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 28. Juni 2019 (06:02)
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Walter „Pablo“ Haider ist nicht nur Frontman der Neusiedler Band „Doc Zorro“. 40 Jahre lang war er „Frontman“ in der Klasse.
zVg

„Der Lehrer-Job ist mir auf den Leib geschneidert.“ Mit diesem Satz begann Walter „Pablo“ Haider am Montag das BVZ-Interview auf seiner lauschigen Terrasse. Anlass war nicht etwa ein Schulprojekt oder ein neuer Schulversuch – von denen er übrigens einige mitgemacht hat – sondern seine bevorstehende Pensionierung. Haider ist einer, der noch bis zu seinem letzten Arbeitstag mit Vollblut und Engagement seinen Job ausübt. Und am Freitag ist es soweit, dann wird er zum letzten Mal als Lehrer die Volksschule am Tabor betreten. „Mit ein wenig Wehmut wird es schon sein“, verrät er.

Dass er seine Berufslaufbahn nicht als Anwalt beschritten hat, verdankt er seinem Unterbewusstsein: „Zumindest glaube ich das, wenn ich zurückblicke“, erzählt Haider mit einem Schmunzeln im Gesicht. Nach seiner Matura hat er nämlich nicht den direkten Weg in die Pädagogische Hochschule beschritten. Seinem Vater zuliebe hat er ein Jus-Studium begonnen. Nach vielen sehr guten Prüfungen hat er die wichtigste aber „in den Sand gesetzt“. Das war der Auslöser, nun doch mit der Lehrerausbildung zu beginnen.

Holpriger Start in den Traumberuf

„Lehrer ist mein Traumberuf und ich wollte eigentlich immer Lehrer werden“, betont Haider im Gespräch wiederholt. In seiner Jobauswahl hat er sich wohl nicht vergriffen, denn wenn das einer nach 40 Jahren im Schulbetrieb noch immer sagt, hat er wohl einiges richtig gemacht. „Man muss Kinder lieben. Das ist das Wichtigste in diesem Beruf. Und das sage ich auch jedem, der eine Lehrerausbildung beginnt. Dann kann man fast nichts falsch machen.“

Begonnen hat Walter Haider seine Lehrerlaufbahn 1980 in der Sonderschule in Purbach. Der Start in seinen Traumberuf ist allerdings etwas anders verlaufen, als er es sich erträumt hatte: „Obwohl ich eine Ausbildung als Hauptschullehrer gemacht habe, stand ich plötzlich vor vierzehn Kindern im Alter von 6 bis 14 Jahren. Abteilungsunterricht hieß das, in meiner Ausbildung hatte ich noch nie davon gehört. Ich hatte erst einmal überhaupt keine Ahnung, was ich da machen soll.“

Ein Jahr später hat Haider - gemeinsam „mit der besten Ehefrau der Welt“ - die Ausbildung zum Sprachheillehrer und allgemeinen Sonderschullehrer gemacht. Zwölf Jahre hat er in der Sonderschule in Purbach unterrichtet bis er in die Neusiedler Volksschule am Tabor versetzt worden ist.

Mit disziplinären Schwierigkeiten hatte er nie zu kämpfen, weder in der Sonderschule noch später in der Volksschule. „Wenn man den Kindern auf Augenhöhe begegnet und sie nicht überfordert, dann funktioniert das.“

Eine Glücksdusche der Sonderklasse

Den größten Teil seines Lehrerlebens hat er als einziger männlicher Pädagoge unter „super netten Lehrerkolleginnen“ verbracht. Als einziger Mann im Kollegium sei er oft ein ausgleichender Pol gewesen. Auch wenn es ihn selbst nie gestört hat, in der Minderheit zu sein, sagt er heute: „Es gehören mehr Männer in die Volksschulen. Den Kindern kommen nicht selten die männlichen Ansprechpartner abhanden.“ Immer mehr Kinder wachsen mit alleinerziehenden Müttern auf. Tatsächlich ist Haider derzeit einer von nur sechs Volksschullehrern im Neusiedler Bezirk, dazu kommen vier männliche Schulleiter - eine verschwindend geringe Zahl, wenn man bedenkt, dass es 25 Volksschulen im Bezirk gibt.

Motivieren kann Walter Haider jedenfalls: „Ich bin 40 Jahre lang jeden Tag gerne in die Schule gegangen. Die Kinder geben so viel zurück. Es ist eine Glücksdusche der Sonderklasse, wenn du siehst, dass ein Kind den Lernstoff verstanden hat.“

So gerne Walter Haider auch Lehrer war, so groß ist die Freude auf seinen neuen Traumjob in der Pension: nämlich Vollblutopa!