Wirbel: Essen in Schulen und Kindergärten wird teurer

Eltern ärgert eine Preissteigerung um bis zu 30 Prozent. Lieferant Naglreiter begründet mit Bio-Vorgaben.

Erstellt am 11. März 2021 | 05:55
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Gesunde Ernährung für Burgenlands Kinder in Bio-Qualität ist eine Vorgabe der Landesregierung. Die Umsetzung lässt die Wogen aufgrund der höheren Kosten für Eltern hochgehen.
Foto: Symbolfoto/Shutterstock, Symbolfoto/Shutterstock

Für einen Aufschrei unter den Eltern der Kindergarten- und Schulkinder sorgte vergangene Woche eine Mitteilung der Bäckerei Naglreiter. In dieser hieß es, das Mittagessen würde ab 1. April zu einem neuen Preis angeboten. Begründet wurde die Preiserhöhung um bis zu 30 Prozent mit der Umstellung auf Speisen mit einem 25-prozentigen Bioanteil. Ziel sei es, bis 1. Jänner 2022 eine 50-prozentige Bio-Quote garantieren zu können. Naglreiter beliefert Schulen und Kindergärten der Stadtgemeinde sowie Nachbargemeinden täglich mit 700 Portionen Mittagessen.

Konkret bedeutet die Preisanpassung, dass Eltern von Schulkindern der Taborschule, der Mittelschule und des Gymnasiums statt 4,20 Euro künftig 5,50 Euro pro Portion bezahlen müssen, in den Kindergärten im Gartenweg und am Tabor sind es ab April 5,20 Euro.

Über die Preiserhöhung wurde in den vergangenen Tagen nicht nur in den sozialen Medien heiß diskutiert, Beschwerden und Anfragen gingen auch bei der Stadtgemeinde und beim Elternverein ein. Das bestätigt auch Sandra Szigeth-Popp, Vorstandsmitglied des Elternvereins der Tabor-Volksschule: „Eine Preisanpassung aufgrund der Umstellung auf Bio lässt man sich ja noch einreden, aber diese scheint überzogen“, glaubt sie.

Gesetz: 50 Prozent Bio ab 2022

Man wolle nun mit dem Anbieter in Kontakt treten, um genau zu erfahren, was die Preiserhöhung verursache und welche Bio-Produkte verwendet würden.

Hintergrund der Umstellung auf Bio-Essen in den Bildungseinrichtungen ist das Burgenländische Kinderbildungs- und Betreuungsgesetz, welches vorschreibt, dass die Bio-Quote der angebotenen Lebensmittel bis Ende 2021 zumindest 50 Prozent und bis Ende 2024 hundert Prozent zu betragen hat. Kann das eine Gemeinde nicht garantieren, könnte es Abstriche bei den Landesbeiträgen für die Personalkosten in den Bildungs- und Betreuungseinrichtungen geben. Diese Landeszuschüsse werden nur in voller Höhe ausbezahlt, wenn dem Gesetz entsprochen wird.

In der Stadtgemeinde will man jedenfalls an der Firma Naglreiter als Essenslieferant festhalten. „Wir brauchen einen verlässlichen Partner, der die benötigte Menge an Mittagsmenüs zusichern kann. Ob es fünf Portionen wie im Lockdown oder 500 Portionen pro Tag sind“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Böhm (SPÖ).

Bei der letzten Erhebung konnte die Stadtgemeinde laut Stadtchefin lediglich zwei Neusiedler Anbieter finden. Einer wirft Ende des Schuljahres das Handtuch. Das Montessori-Kinderhaus wird nur mehr bis Ende Juli von „Jörg´s Restaurant“ beliefert. Aufgrund der Bio-Umstellung sei eine weitere Essenslieferung an den Kindergarten nicht mehr möglich.

Warum es für Wirten so schwierig ist, die Vorgaben zu erfüllen, erklärt Hans Martin Naglreiter im BVZ-Gespräch. Seine Bäckerei ist seit vielen Jahren bio-zertifiziert, seit Jänner ist das nun auch seine Gemeinschaftsverpflegungsküche. Mit dieser Zertifizierung sind zahlreiche Verpflichtungen verbunden, deren Einhaltung regelmäßig und unangekündigt kontrolliert wird.

„Für eine 50-prozentige Bio-Küche müssen 50 Prozent der Einkaufssumme für Bioprodukte verwendet werden. Das zu kalkulieren ist schon einmal schwierig, weil die Preise der Produkte je nach Saison unterschiedlich sind. Die finanziellen Aufwendungen und der Mengenfluss müssen außerdem akribisch dokumentiert werden, was einen riesigen bürokratischen Aufwand mit sich bringt“, erklärt Naglreiter. Darüber hinaus sei es teilweise auch sehr schwierig, Bio-Produkte überhaupt zu bekommen, gerade im Winter. Noch dazu sind diese teurer.“

Dass die Preisanpassung eine Belastung für die Eltern sei, sei ihm bewusst, betont der Gastronom. Er wolle sich aber nicht bereichern, sondern die Vorgaben des Landes Burgenland umsetzen.