Wissenschaft: Wo Tiere plötzlich „telefonieren“

Moderne Kommunikationstechnologien kommen im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel zum Einsatz.

Erstellt am 04. November 2021 | 03:17
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Projektpräsentation. Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner und Landeshauptmann-Stellvertreterin Astrid Eisenkopf beim Huawei Innovation Day in Wien.
Foto: Huawei Technologies Austria GmbH

Im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel kommen ab sofort smarte Technologien und künstliche Intelligenz zum Einsatz, um die Biodiversität im Schilfgürtel des Neusiedler Sees zu erforschen und aus den Ergebnissen geeignete Schutzmaßnahmen abzuleiten. Projektpartner dabei sind die Universität Wien, die Nichtregierungsorganisation Rainforest Connection (RFCx) und Huawei Österreich.

70 Geräte speichern Geräusche

Der Neusiedler See ist nicht nur der größte See Österreichs, sondern beheimatet auch eine ganz besondere Pflanzen- und Tierwelt. Im Zuge des Projekts werden die kurz- und langfristigen Effekte von schwankenden Wasserständen auf die Brutvogelarten sowie die Bedeutung des Schilfgürtels für die Tierwelt im gesamten Jahresverlauf erforscht. Außerdem gehen die Forscher der Frage nach, wie sich unterschiedliche Witterungsbedingungen auf die Gesangsaktivität der Vögel auswirken.

Für das Projekt werden mehr als 70 Geräte im Schilfgürtel aufgestellt, welche die Geräuschkulisse aufzeichnen. Einige der Geräte speichern die Aufnahmen für nachfolgende Auswertungen, andere sind direkt mit dem Mobilfunknetz verbunden. Die Daten werden durch das Mobilfunknetz übertragen. Diese schnelle und minimal-invasive Vorgehensweise spart nicht nur viel Zeit von Forschern, sondern beeinflusst den Lebensraum der Tiere kaum. Zudem schaffen die Geräte, die Guardians genannt werden, eine ganz neue Dimension der Forschung, indem sie an verschiedenen Orten des Schilfgürtels gleichzeitig und unabhängig von Wetter oder Tageszeit durchgehend Daten erfassen können.

Vogelstimmen über Mobilfunknetz

Willi Song, Vorsitzender von Huawei Technologies für Tschechien, Österreich und die Slowakei, erklärt die Technologie im Detail: „Der größte Vorteil ist, dass die Stimmen der Vögel und Amphibien über das Mobilfunknetz übertragen werden können, was den Wissenschaftlern viel Zeit spart und die Auswirkungen auf die Tiere minimiert. Außerdem ist es für die Forscher in diesem speziellen Gebiet sehr schwierig, Zugang zu Studien zu erhalten.“

Durch das Projekt kann die Balance zwischen Schilfgürtelmanagement und Umweltschutz sowie das Ökosystem der Region für Mensch und Tier verbessert werden. „Mit Hilfe der gewonnenen Erkenntnisse können wir Maßnahmen im Kampf gegen den Klimawandel ableiten“, erklärt Johannes Ehrenfeldner, Direktor des Nationalparks.

Christian H. Schulze vom Department für Botanik und Biodiversitätsforschung an der Universität Wien ergänzt: „Durch die veränderte hydrologische Dynamik des Sees sind nicht nur Auswirkungen auf den Zustand des Schilfgürtels, sondern auch auf seine Artenvielfalt zu erwarten.“ Auch Astrid Eisenkopf, Landeshauptmann-Stellvertreterin des Landes Burgenland, erhofft sich neue Erkenntnisse in Sachen Umweltschutz und Biodiversität, die helfen, die Region für die Bevölkerung in einem guten Zustand zu erhalten.