Zeitgemäßes Gesicht für historisches Erbe

Verein Neusiedler Stadtarchiv macht historische Bilder auf einer Internetplattform frei zugänglich.

Erstellt am 23. April 2021 | 03:34
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Kennen Sie diesen Schmetterling, der hier beim Neusiedler Gladiolenfest 1969 die Kühlerhaube des Umzugswagens zierte? Machen Sie einen Blick auf https://neusiedlamsee.topothek.at und geben Sie ihr Wissen bekannt.
Foto: BVZ

Ein Blick zurück in die Vergangenheit verspricht immer interessante Geschichten. Besonders, wenn man vielleicht selbst – oder Verwandte und Bekannte – Teil eines historischen Ereignisses war. Das macht auch die Arbeit lokaler Historikervereine für die Bevölkerung einer Region so spannend.

Der Verein Neusiedler Stadtarchiv kümmert sich seit vielen Jahren besonders rührig um die Aufarbeitung der Stadtgeschichte und die Archivierung historischer Dokumente. Seit einem Jahr arbeiten Eva Mannsberger und Anita Köstner nun daran, die zahlreichen Fotos des Archivs zu digitalisieren und sie über das Internet auch verfügbar zu machen. Als Grundlage dient dabei die international sehr erfolgreiche österreichische Internet-Plattform „Topothek“.

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Rund 3000 Bilder wurden seit dem Jahr 2020 mithilfe eines speziellen Computerprogramms digitalisiert. Davon sind 200 Fotos seit 1. März über die Website https://neusiedlamsee.topothek.at einer breiten Öffentlichkeit zugänglich. „Ein sehr zeitaufwendiges Projekt“, geben Mannsberger und Köstner zu. Rund 1500 Stunden, rechnen die beiden nach, habe man im vergangenen Jahr dafür aufgebracht. Ehrenamtlich. „Die Lockdown-Zeit war für das Projekt ein Segen“, kann Mannsberger dieser besonderen Zeit sogar etwas Positives abgewinnen.

Das Projekt ist aber nicht nur zeit-, sondern auch kostenintensiv. So kaufte der Verein dafür einen hochauflösenden Scanner, einen A3-Scanner, einen Computer und die notwendige Software an. Die Installation übernahm dankenswerterweise Vereinsmitglied Martin Pieber.

Die Investitionen haben sich jedenfalls gelohnt, wie ein Blick in die Neusiedler Topothek zeigt: Fotos zu folgenden Themenbereichen sind dort bereits zu finden:

  • Biologische Station Fischer-Eisfischer
  • Gladiolenfest 1959, 1960, 1962, 1963, 1969
  • Jäger
  • Klassenfotos Volksschule Kloster, Öffentliche Hauptschule, Volksschule Knaben
  • Lehrergruppenfotos der 1950er, 1960er Jahre

Monatlich soll das digitale Webarchiv nun aufgestockt werden. „Werden neue Fotos in der Topothek Neusiedl am See veröffentlicht, so geben wir das via Facebook bekannt“, verrät Mannsberger im BVZ-Gespräch und ruft die Bevölkerung gleich zur Mitarbeit auf. Denn die Topothek ist eine interaktive Plattform und lebt von der Mitarbeit der Ortskundigen.

„Alle Nutzer der Neusiedler Topothek sind herzlich eingeladen, sich aktiv zu beteiligen, indem sie einerseits ihr privates Fotomaterial in die Topothek einbringen, andererseits die bereits erfolgte Verschlagwortung durch ihr Wissen ergänzen“, erklären Mannsberger und Köstner. Kennt also jemand etwa eine Person auf einem Foto, so ist es über die Internetseite ganz einfach, diese Information per E-Mail an die beiden Topothekarinnen zu schicken.

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Angelika Pieber, Anita Köstner und Eva Maria Mannsberger beim Einscannen der historischen Fotos.
BBR, BBR

„Wir freuen uns auch über neues Fotomaterial, Dias oder für die Geschichtsschreibung relevante Dokumente, etwa historische Wahlplakate, Heiratsverträge oder Ähnliches“, so Mannsberger. Besonders interessant seien Stadtansichten, Ereignisse aus dem Alltagsleben, Feste, Darstellungen von handwerklichen, bäuerlichen, industriellen oder sportlichen Tätigkeiten sowie Klassen- oder Kindergartenfotos. Die Unterlagen werden eingescannt und umgehend wieder an den Besitzer zurückgegeben.

Neusiedl am See ist nach Bocksdorf, Bad Sauerbrunn und Parndorf die vierte burgenländische Gemeinde, die auf der Internetplattform aktiv ist. Der Erfinder Alexander Schatek stand den Neusiedlern beim Start ihres Projektes beratend zur Seite. Mittlerweile wird die Plattform in über zehn Ländern Europas genutzt.