„Seelen.Töne“: Liederbuch für die Familie

Sepp Gmasz und Anna-Maria Hammer: Comeback für das Singen zu Hause.

Erstellt am 18. Dezember 2021 | 06:16
Lesezeit: 2 Min
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Der Neusiedler Sepp Gmasz ist einer der beiden Herausgeber des neuen burgenländischen Liederbuchs, das anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des Landes Liedgut, aber auch Kinderreime in fünf Sprachen enthält.
Foto: Ritter

Musik spielt im Leben des Neusiedler Volkskundlers Sepp Gmasz seit jeher eine große Rolle. Bekannt ist der ehemalige ORF-Redakteur nicht nur als Kenner der Burgenländischen Geschichte, sondern auch als leitendes Mitglied der Gruppe „Die Buchgrabler“. Ein besonderes Anliegen ist ihm das heimische Liedgut. Nun hat er gemeinsam mit Anna-Maria Hammer an einem Burgenländischen Familienliederbuch gearbeitet. Unter dem Titel „Seelen.Töne“, herausgegeben vom Burgenländischen Volksliedwerk in Oberschützen, ist es soeben erschienen.

Hammer und Gmasz messen dem Singen in der Familie einen großen Stellenwert bei.

Der gesellschaftliche Wandel in der Gegenwart habe aber bewirkt, dass viele Familien das Singen heute „auslagern“, indem sie es ausschließlich zur Angelegenheit von Kindergarten oder Schule machen.

Dabei sind es gerade die Wiegenlieder, Kinderreime oder Fingerspiele, die zu unserem ältesten Kulturgut gehören. Sie schaffen nicht nur Vertrautheit, sondern entwickeln auch das Gefühl für Sprache und Rhythmus und helfen, sich in dieser Welt zu orientieren und zu organisieren. Lieder und Reime der Kindheit wirken im besten Sinne nachhaltig, weil sie Brücken zwischen den Generationen der eigenen Familie schlagen.

Jede Familie sollte sich ihren ganz besonderen Grundstock an Liedern anlegen, um diese hervorzuholen, wenn sie gebraucht werden, so Hammer und Gmasz. Das könne auch dann der Fall sein, wenn alte und gebrechliche Angehörige nicht mehr durch sprachliche Kommunikation erreicht werden können; dann vermögen gemeinsam erinnerte Lieder, noch erhellende Zugänge in dunkelste Regionen herzustellen: Seelen.Töne eben.

„Längst beweisen zahlreiche Studien, dass das Singen von Liedern aus der Kindheit bei Demenzkranken, und besonders bei Alzheimer-Patienten, oft die einzige und letzte Kommunikationsebene darstellt. Ich habe das in der eigenen Familie erlebt. Deshalb ist es so wichtig, dass Familien sich ganz eigene Lieder als gemeinsamen geistigen Besitz zurechtlegen – und wenn es nur ein einziges Lied ist, das eine Brücke zwischen den Generationen zu schlagen vermag“, erzählt Sepp Gmasz.

Im Burgenländischen Familienliederbuch sind Lieder für die Kleinsten, für den Familienkreis und Lieder für besondere Zeiten versammelt. Und weil gerade das Burgenland reich an ethnisch-kulturellen Traditionen ist, sind in dem Buch neben deutschen Liedern und Reimen auch Lieder in Kroatisch, Ungarisch, Romanes und sogar jüdische Lieder aus burgenländischer Überlieferung angeboten.

Verkauf über das Burgenländische Volksliedwerk (Hauptstraße 25, 7432 Oberschützen), Preis: 15 Euro, Website und Onlineshop: www.burgenland-volksliedwerk.at