Gastronomie: „Zum Mitnehmen, bitte!“. Die Wirte kochen im Lockdown für den privaten Küchentisch. Drei Betriebe im Bezirk Neusiedl punkten dabei besonders.

Von Paul Haider, Birgit Böhm-Ritter und Saskia Jahn. Erstellt am 04. Februar 2021 (04:42)
Falstaff-Sieg. Das Konzept von Baptist Niessl und seinem Team kommt bei den Kunden gut an: Die Burgerbucht wurde auf Platz eins gewählt. Im Bild: Fabian Zipfelmayer, Baptist Niessl, Attila Prikler und Gabor Söloski.
zVg

Die Bundesregierung hat zwar erste Lockerungsschritte aus dem Lockdown verkündet, die Gastronomie bleibt allerdings weiterhin geschlossen. Keine einfache Situation für die Wirten der Region, einige Gastronomen kommen mit der Situation aber besonders gut zurecht: Sie haben sich auf Abhol- und Lieferservices spezialisiert. In einem Online-Voting des Gourmetmagazins Falstaff haben es gleich drei Unternehmen des Neusiedler Bezirks unter die Top 3 der beliebtesten burgenländischen Lokale mit Zustell- und Take-Away-Diensten geschafft.

Über den ersten Platz darf sich Baptist Niessl mit seinem Team von der Burgerbucht in Neusiedl am See freuen: „Das gibt uns Kraft, weiterzuarbeiten. Es ist ein Zeichen dafür, dass wir etwas richtig machen. Wir sind uns sicher, es geht bald wieder bergauf. Wir müssen alle positiv bleiben“, zeigt sich der Gastronom optimistisch.

„In diesen Zeiten kann man in der Gastronomie kein Geld verdienen. Es wird zwar viel Essen bestellt, aber es fehlen die Getränke, die die Leute normalerweise im Lokal konsumieren.“Roman Kiaba

Telefonische Vorbestellung und Abholung war bei der Burgerbucht bereits vor Ausbruch der Corona-Pandemie möglich. „Die Abholung machte immer schon einen Großteil unseres Geschäftes aus, da wir räumlich nicht so groß aufgestellt sind wie andere.“ Die Corona-Pandemie sei zwar nicht spurlos an der Burgerbucht vorbeigegangen, als kleines Team könne man aber um einiges leichter und vor allem flexibler (re-)agieren. Im Sommer seien zum Beispiel 10 bis 15 Events, von denen sie Teil gewesen wären, abgesagt worden. „Natürlich haben wir da einiges verloren, das darf man nicht unterschätzen, aber im Vergleich mit größeren Gastronomiebetrieben steigen wir aus der Krise sicherlich besser aus“, so Niessl.

Auch wenn die Gastronomie in naher Zukunft wieder ihre Pforten öffnen dürfte, möchte Baptist Niessl das jetzige Konzept vorerst - bis das Wetter erlaubt, auch draußen zu sitzen - weiterführen. Denn der derzeit vorgeschriebene Sicherheitsabstand von zwei Metern mache es ihm unmöglich, innen ein gemütliches Zusammensitzen zu gewährleisten.

„Romans Bistro“ in Gols schafft es im Falstaff-Ranking aus dem Stand auf Platz 3.
zVg

Auf die Situation perfekt eingestellt haben sich auch Maria und Michael Bauer. Ihr kleines „Seecafé“ in Podersdorf ist seit dem vergangenen Sommer auf Selbstbedienung ausgerichtet und funktioniert, ähnlich wie die bekannten Hofläden von Hansagfood, ohne Servicepersonal. Die Kühlvitrine in der kleinen Holzhütte auf der Terrasse des Seecafés wird täglich mit frischen Tortenstücken, Kuchen oder auch einmal pikanten Weckerln befüllt. Die Kunden können sich ihre Lieblingstortenstücke vorbestellen oder „auf gut Glück“ in die Vitrine greifen. Bezahlt wird bar oder per Bankomatkarte. Auch wenn es seltsam klingen mag, der Lockdown spielt den Bauers in die Hände. „Wir hatten die Idee des Selbstbedienungscafés schon vor zwei Jahren, lange vor Corona“, erzählt Maria Bauer.

Die behördlichen Genehmigungen haben die Umsetzung schließlich im Sommer 2020 möglich gemacht. „Durch den Lockdown hat sich die Idee unseres Selbstbedienungsladens jetzt schneller in den Köpfen der Bevölkerung festgesetzt“, glaubt Maria Bauer, die täglich frische Backwaren für ihr Seecafé produziert. Hoch im Kurs steht ihre Nutella-Bananentorte: „Die schmeckt jedem.“ Trotzdem fehlt auch im kleinen Seecafé mit einer Handvoll Sitzgelegenheiten das gesellige Beisammensein. Sobald die Gastronomie wieder öffnen darf, freuen sich auch die Bauers wieder auf Kundschaft, die etwas länger in ihrem Lokal verweilen kann.

„Romans Bistro“: Auf Anhieb auf Platz 3

Roman Kiaba ist erst im vergangenen Sommer vom „Neusiedler“ in sein neues Bistro in Gols umgezogen. Nachdem das Geschäft im Sommer sehr gut angelaufen ist, mussten der Slowake und sein fünfköpfiges Team ab dem Herbst auf Liefer- und Abholservice umstellen. Bei seiner Kundschaft ist das gut angekommen: „Romans Bistro“ wurde im Falstaff-Ranking auf Anhieb aufs Stockerl der beliebtesten Liefer- und Abhol-Restaurants im Burgenland gevotet: Mit 18 Prozent der Stimmen schafft es das kleine Golser Lokal auf Platz 3 des Rankings.

Im BVZ-Gespräch zeigt sich Roman Kiaba höchst erfreut über das Ergebnis und den Zuspruch seiner Gäste; zur derzeitigen Situation der Branche sagt er: „In diesen Zeiten kann man in der Gastronomie kein Geld verdienen. Es wird zwar viel Essen bestellt, aber es fehlen die Getränke, die die Leute normalerweise im Lokal konsumieren. Aber wir ziehen das durch und werden einen Weg finden, dass wir überleben können!“

Maria Bauer setzt nicht nur im Lockdown auf ein Abholservice. Das Konzept des Selbstbedienungscafés soll weitergeführt werden. Ihre selbstgemachten Torten und Kuchen locken Kunden jedenfalls an.
zVg/Bauer