Petition: „Flüchtlingshaus soll erhalten bleiben“. Die Schließung des Asylheimes ist für Ende August geplant. Die freiwilligen Helfer wollen sich damit nicht abfinden.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 18. Juli 2018 (06:01)
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Warteschleife. Für rund 35 Asylwerber wird derzeit eine neue Unterkunft gesucht. Die jungen Männer bangen um die Fortsetzung ihrer Ausbildung.
BVZ

Fast genau vor drei Jahren zogen die ersten Asylsuchenden in die landwirtschaftliche Fachschule ein. Die Schule wurde damals zu einem Flüchtlingshaus für rund 80 Personen adaptiert. Nun steht es vor der Schließung. Der Vertrag mit dem Arbeitersamariterbund, der bis dato eine 24-Stunden-Betreuung gewährleistet, läuft am 31. August aus. Eine Verlängerung wird nicht angestrebt.

„Irgendwann ist das auch eine wirtschaftliche Frage“

„Das Haus wird einerseits wegen des auslaufenden Vertrages, andererseits aber wegen der sinkenden Anzahl an Flüchtlingen geschlossen“, erklärt Wolfgang Dihanits, Geschäftsführer des Arbeitersamariterbundes. Seit dem vergangenen Winter seien weniger Bewohner im Haus, trotzdem habe man sich bemüht und versucht, die Betreuung rund um die Uhr aufrecht zu erhalten. „Irgendwann ist das aber auch eine wirtschaftliche Frage. Zu Spitzenzeiten waren 80 Flüchtlinge im Haus, jetzt sind es etwa 35“, erklärt Wolfgang Dihanits.

Die freiwilligen Helfer und Unterstützer reagierten auf die Nachricht der Schließung mit Entsetzen und wollen sich für den Erhalt des Flüchtlingshauses einsetzen. Zahlreiche Versuche, mit den verantwortlichen Politikern zu sprechen, scheiterten allerdings, E-Mail-Anfragen blieben unbeantwortet. „Es ist uns nicht gelungen, mit Landesrat Norbert Darabos Kontakt aufzunehmen“, erzählt Constanzia Frohnwieser.

Der Start einer Online-Petition ist nun ein weiterer Versuch der Kontaktaufnahme, die Unterschriften sollen dem zuständigen Landesrat auch offiziell übergeben werden. Momentan sind auf der Online-Plattform https://mein.aufstehn.at/ unter dem Titel „Das Asylquartier in Neusiedl soll bleiben!“ 273 Unterschriften eingegangen. „Das bisherige Ergebnis zeigt, dass viele dieses Anliegen unterstützen. Wir erwarten noch mehr Unterschriften“, sagt Initiatorin Sonja Scherzer.

„Gelungene Integration in Neusiedl“

Auf die Frage, warum es so wichtig sei, dass die betroffenen Männer im Neusiedler Flüchtlingshaus bleiben, betont sie die gute Integration der Asylwerber in der Stadt und im Bezirk. Das Zusammenleben mit der ortsansässigen Bevölkerung funktioniere sehr gut.

Neusiedl sei ein Beispiel für gelungene Integration: „Seit Eröffnung werden von freiwilligen Helfern regelmäßig Deutschkurse auf verschiedenen Niveaus bis zu drei Mal in der Woche abgehalten. Die Asylsuchenden sind in zahlreichen Vereinen und Projekten integriert – sie arbeiten am Bauhof und bei der Team Österreich Tafel, helfen bei den evangelischen und katholischen Kirchen aus und sind teils in die dortige Kirchengemeinschaft eingebunden. Sie besuchen die Musikschule, sind Vereinsmitglieder (etwa im Petanque-Verein), leisten Nachbarschaftshilfe und sind als Saisonarbeiter (vor allem in der Erntehilfe) beschäftigt“. Darüber hinaus würden die betroffenen Männer befürchten, ihre gewohnte Umgebung verlassen und laufende Ausbildungen abbrechen zu müssen.

Auf Anfrage der BVZ im Büro Darabos beschwichtigt Pressesprecher Peter Slawik: „Wir sind intensiv dabei, in der näheren Umgebung, also im Bezirk, Quartiere für die Männer zu suchen. Klar ist aber, dass das Burgenland immer auf kleinere Unterkünfte gesetzt hat, weil sie die Integration erleichtern.“ Den freiwilligen Helfern zollt er Anerkennung für ihre Arbeit und er weist darauf hin, dass nun gemeinsam an einer Lösung gearbeitet werden soll. Heute, Mittwoch, ist ein Treffen in der Grundversorgungsstelle des Landes geplant.