Warum Imker um den Bienenbestand besorgt sind. Ein wichtiger Nahrungslieferant der Bienen solle ausgerottet werden, lauten die Befürchtungen. Naturschutzbund beruhigt: Nur Schutzgebiete sollen frei bleiben.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 11. Dezember 2019 (05:35)
Robinie soll bleiben. Bei einem Gespräch mit Klaus Michalek (Naturschutzbund, l.) äußerten die Imker des Bezirks ihre Bedenken.
Birgit Böhm-Ritter

Einige Imker des Neusiedler Bezirks sind um ihre Existenzgrundlage besorgt. Stein des Anstoßes ist die Robinie. Die Imker befürchten deren systematische Zurückdrängung und Ausrottung. Damit würde in der Region ein wichtiger Nahrungslieferant für die Bienen fehlen, so die Imker.

Seit dem Vorjahr läuft ein aus EU- und Landesmitteln finanziertes Projekt, in dessen Rahmen die Ausbreitung nicht heimischer Pflanzenarten wie Götterbaum, Ölweide, Eschen-Ahorn und Robinie in Schutzgebieten erhoben wird. Darauf aufbauend werde eine Strategie zur Bekämpfung und Zurückdrängung der genannten Gehölzer entwickelt, sagte die zuständige Landesrätin Astrid Eisenkopf im Rahmen der Projektpräsentation im Sommer des Vorjahres.

Die Erhebungen im Seewinkel, im Zurndorfer Eichenwald und in Neusiedl am See sind nun abgeschlossen. Bis Jahresende werden auch die Erhebungen in Donnerskirchen, Rust und Oggau beendet sein und schon im Jänner soll der Endbericht des Projektes präsentiert werden.

Erschwerte Bedingungen

Je näher dieser Termin rückt, desto nervöser werden die Imker. Sie befürchten, dass die Robinie aus der Landschaft verschwinden soll. Die Robinie, auch Falsche Akazie genannt, sei in der Region aber wichtigster Nahrungsgeber der Bienen. „Manchmal zu 60 oder gar 100 Prozent“ verdeutlicht Johann Pilz, Obmann des Burgenländischen Bienenzuchtverbandes.

Josef Kotzenmacher, Imker aus Pamhagen, beschreibt den Neusiedler Bezirk als „Agrarwüste, bestehend aus Monokulturen“: „Die Akazie ist die einzige ergiebige Bienentracht, die im Seewinkel und Heideboden geblieben ist. Der Ziest ist ausgestorben, Rapsfelder gibt es nur im einstelligen Prozentbereich auf den Hottern und die Sonnenblume leidet meist unter der sommerlichen Trockenheit oder es handelt sich um Sorten, die von Haus aus wenig Nektar haben.“

Die Bedingungen für Bienen und Imker haben sich in den letzten Jahren sukzessive verschlechtert. Die Wirtschaftlichkeit sei in den vergangenen fünf Jahrzehnten um 60 bis 80 Prozent gesunken: „20 Bienenvölker haben vor 50 Jahren soviel Honig produziert wie heute 100 Bienenvölker“, verdeutlicht der Nickelsdorfer Imker Franz Bartolich. Schuld daran sei die industrialisierte Landwirtschaft und letztlich auch der Klimawandel.

Klaus Michalek kennt die Sorgen der Imker. Der Geschäftsführer des Naturschutzbundes Burgenland wurde von der Burgenländischen Landesregierung mit der Durchführung des EU-Projekts beauftragt. Er wird die Befürchtungen der Imker auch in seinen Endbericht einarbeiten, kann aber auch beruhigen: „Es gibt gar nicht die Ressourcen, um die Robinie vollkommen zu roden. Ich sehe auch kein Problem, wenn Altbestände erhalten und gepflegt werden, solange es Pufferzonen zu den Schutzgebieten gibt, dazu zählen vor allem Trockenrasen, Salzwiesen und Salzlacken.“ Von diesen Schutzgebieten müsse die Robinie allerdings zurückgedrängt werden.