Simon Job: „Bitte keine Hamsterkäufe in Apotheken“. Apotheker Simon Job ruft die ältere Generation auf, nicht selbst in die Apotheken zu gehen.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 18. März 2020 (05:37)
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Eingespieltes Team. Apotheker Simon Job und Apothekerin Conny Kritsch in der Kreisapotheke in Neusiedl am See.
Birgit Böhm-Ritter

Die Apotheken sind aufgrund der Coronavirus-Krise momentan hoch frequentiert. Auch in den Filialen der Familie Job in Neusiedl am See, Eisenstadt und Wien herrschte in den vergangenen Tagen Ausnahmezustand. Apotheker Simon Job schilderte seine Eindrücke.

BVZ: Wie groß ist der Andrang in den Apotheken derzeit?

Job: Momentan herrscht Ausnahmezustand. Vor allem in den beiden Wiener Filialen in der Mariahilferstraße war der Andrang schon am Freitag extrem und wir hatten kurzzeitig ein Verfügbarkeitsproblem. Nicht, weil es die Produkte nicht mehr gibt, sondern weil sie nicht so schnell wieder geliefert werden konnten. Einen Versorgungsengpass gibt es aber nicht, die Lager sind gefüllt!

BVZ: Haben Sie für Ihre Apotheken besondere Maßnahmen getroffen?

Wir wollen vermeiden, dass mehr als vier Personen in der Apotheke sind. Deshalb warten die Leute vor der Eingangstüre, wo eine Mitarbeiterin mit einem Desinfektionsspray steht. Jeder, der eintritt, wird desinfiziert.

BVZ: Warum sind diese Maßnahmen notwendig?

Die Leute sollen einen gewissen Abstand zueinander halten. Die Ansteckungsgefahr für Kunden und Mitarbeiter soll so gering wie möglich gehalten werden. Mitarbeiter in Apotheken gehören zu einer Hochrisikogruppe. Man muss bedenken: Gibt es in einer Apotheke einen Coronafall bei den Mitarbeitern, muss die Apotheke gesperrt werden.

BVZ: Warum strömen die Menschen in die Apotheke? Welche Sorgen haben Sie?

Die Menschen sorgen sich, dass Produkte nicht mehr lieferbar sind oder die Apotheken irgendwann zusperren. Ich kann beruhigen: Die Ware ist da und es kann auch in den nächsten Wochen in den Apotheken eingekauft werden.

BVZ: Was kaufen die Kunden hauptsächlich?

Viele legen sich einen Bedarf für zwei bis drei Monate an regelmäßig benötigten Medikamenten an; oder stocken ihre Hausapotheke auf. Ich warne aber vor Hamsterkäufen. Eventuell kauft man jemandem Medikamente weg, der sie gerade wirklich braucht.

BVZ: Wie sieht es mit Desinfektionsmittel aus?

Wir kommen mit der Produktion kaum nach, weil wir auch Ärzte und öffentliche Einrichtungen wie den ORF, Banken oder das Haus des Meeres beliefern. Wir überlegen bereits, Pharmaziestudenten zu rekrutieren, die uns unterstützen.

BVZ: Welche Verhaltensempfehlungen können Sie geben?

Ständig und viel desinfizieren, gründlich Hände waschen und zu anderen Personen einen Meter Abstand halten. Atemschutzmasken sollten nur jene tragen, die sie wirklich benötigen: also Infizierte und medizinisches Personal. Die Atemschutzmasken, die derzeit noch am Markt sind, halten außerdem nur ein paar Stunden und die Preise sind astronomisch.

BVZ: Gibt es spezielle Tipps für Risikogruppen, also die ältere Generation?

Ich habe das Gefühl, dass sich gerade Risikopersonen nicht die größten Sorgen machen. Die, die eigentlich nervös sein sollten, sind recht gelassen. Etwa zwei Drittel unserer Kunden sind über 60 Jahre. Jede ältere Person in der Apotheke bereitet mir Bauchschmerzen. Sie sollte, wenn nicht unbedingt notwendig, nicht selbst in die Apotheke kommen, sondern Verwandte schicken. Im äußersten Notfall – zum Beispiel für Menschen in Quarantäne - können wir auch Medikamente nach Hause liefern. Auch Arztbesuche sollten eingeschränkt werden. Es gibt nun die Möglichkeit, dass uns Ärzte das Rezept faxen. Man muss sich nicht dorthin begeben, wo kranke Leute sind.

BVZ: Wie ist die Stimmung unter den Mitarbeitern?

Die Frage nach Überstunden stellt sich gar nicht, alle wissen, dass der Laden am Laufen gehalten werden muss. Allerdings gehören Apothekerinnen und Apotheker zur Hochrisikogruppe. Mitarbeiter über 60 Jahre bleiben deshalb auch zuhause. Gott sei Dank haben Apotheker ein sehr gutes Immunsystem, das ist allgemein bekannt.

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