Walter Göschl (93): „Kunst als Lebenselixier“. Der 93-jährige Neusiedler Walter Göschl lebte und liebte Kunst in allen Facetten: Der Maler, Bildhauer, Fotograf und Literat lud die BVZ zum Gespräch.

Von BVZ Redaktion. Erstellt am 20. Oktober 2019 (06:34)
Aichhorn
Neusiedler Urgestein. Der Künstler Walter Göschl.

Am Oberen Satzweg lebt und arbeitete der Künstler Walter Göschl. Der 93-Jährige ist vielen Neusiedlern bekannt, seine Arbeit und sein umfangreiches Fotoarchiv birgen aber viele Überraschungen. Die BVZ besuchte ihn und seine Gattin Herta zu Hause und erhielt Einblick in sein Lebenswerk.

privat
In Aktion. Walter Göschl hat sich unter anderem der Malerei verschrieben. Das Foto ist 1988 bei einem Symposium in Weiden entstanden.

Schon am Eingang des lang gezogenen Grundstücks steht ein Grenzstein, der früher die Weingärten abgrenzte. Er zeugt von der großen Sammelleidenschaft des Künstlers, der auch ein umfangreiches Fotoarchiv besitzt. Mehr als 70 Jahre künstlerisches Schaffen erstreckt sich über die verschiedensten Kunstrichtungen.

Ob Malerei, Bildhauerei, Literatur oder Fotokunst, Göschl fühlte sich überall daheim. Selbst im Bereich Fassadendekor versuchte sich der Neusiedler. Eines dieser Werke zierte einst das sogenannte „Vollath-Haus“ in der Kirchengasse, wo sich heute das Hotel und Restaurant „Das Stadthaus“ befindet.

Auch in Literatur bis nach Vaduz tätig

Ein Höhepunkt seines Schaffens bildete 1987 die Verleihung eines Stipendiums im Rahmen des Kulturpreises des Landes Burgenland für Darstellende Kunst, Foto, Film und Video.

Seit Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts beschäftigte sich Göschl mit großem Engagement mit der Fotografie. Dabei war es ihm auch wichtig, sein Wissen weiterzugeben. 1978 hat er den Fotoclub Neusiedl am See gegründet, der heute der älteste Fotoclub des Burgenlandes ist. „Viele Jahre leitete ich die Fotokurse in der Volkshochschule in Neusiedl und heute bin ich noch Ehrenobmann des Fotoclubs“, erzählt Göschl im BVZ-Gespräch. Die Leitung habe er allerdings in die Hände Jüngerer gelegt.

Was weniger bekannt ist: Neben den bildenden Künsten hat sich der Neusiedler auch der Literatur verschrieben. „Ich habe Lesungen aus eigenen Werken in Wien und einigen Bundesländern gehalten. Einmal ging es sogar nach Vaduz in Lichtenstein“, erinnert er sich lebhaft zurück.

Einer seiner Titel heißt „Bilder geschrieben, Lyrik von Walter Göschl“ und drückt eindrucksvoll sein Bedürfnis aus, verschiedene Kunstrichtungen zu verbinden. Das Werk hat er auch selbst illustriert und wurde im Rahmen des Neusiedler Literaturstammtisches Gerbgruben herausgegeben, dem er ab 1978 angehörte.

Künstlerische Ader wurde ihm weitergegeben

Die Kunst begleitete ihn sein ganzes Leben lang, sein „Brotberuf“ war aber ein anderer: „Bis zur Pension war ich Leiter des Jugendamtes in der Bezirkshauptmannschaft Neusiedl am See, aber die Kunst war immer mein Lebenselixier und hält mich noch heute jung“, sagt Göschl mit einem verschmitzten Lächeln. Von der Kunst alleine zu leben, war in der Nachkriegszeit wohl keine Option: „Die Anfangsjahre waren sehr schwer. Ich kam 1946 als 20-Jähriger aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft zurück und musste bei Null anfangen“.

Dabei geholfen hat ihm seine Gattin. Seit mehr als 52 Jahre sei er nun mit Herta verheiratet, die ihm die wertvollste Stütze im Leben geworden sei, wie Göschl stolz betonte. Seine künstlerische Ader hat Walter Göschl an seine beiden Töchter weitergegeben. Giovanna ist Lehrerin und hat schon zwei Bücher herausgegeben und Katrina bringt ihr künstlerisches Talent als Regieassistentin beim ORF zur Geltung. Ein Beweis, dass sein künstlerisches Erbe weiterlebt, befindet sich im Garten, dessen oberer Teil zu einem kleinen Skulpturenpark geworden ist: Dort stehen die Kunstwerke seiner Tochter Katrina.