Corona und Trockenheit: Ungutes Duo für die Schifffahrt

Erstellt am 08. Mai 2020 | 05:44
Lesezeit: 4 Min
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Für Segelboote am Neusiedler See heißt es teilweise im Hafen bleiben.
Foto: Birgit Böhm-Ritter
Die Betriebe am Steppensee haben mit finanziellen Einbußen und einen enorm niedrigen Wasserstand zu kämpfen.
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Für die Schifffahrt, den Segelschulbetrieb sowie den Bootsverleih startet die Saison heuer coronabedingt verspätet. Sorgen macht den Betrieben aber nicht nur ein finanzieller Ausfall aufgrund des Virus. Der niedrige Wasserstand des Neusiedler Sees könnte für die Unternehmen weitaus problematischer werden.

Die Schifffahrt Gangl im Seebad Illmitz bietet seit dem 1. Mai wieder Linienfahrten an: Im Zweistunden-Takt (am Wochenende und an Feiertagen im Einstunden-Takt) pendelt die Seefähre von 10 bis 16 Uhr zwischen Illmitz und Mörbisch.

Wenn es die nächsten drei Jahre so weitergeht, stellt sich die Frage, ob die Nutzung des Neusiedler Sees in Zukunft wie bisher noch möglich sein wird.“

Gerhard Rodler

Gastronomie an Bord wird es laut Stefan Gangl ab Mitte Mai wieder geben. Wann Ausflugsfahrten wieder möglich sein werden, ist derzeit noch nicht ganz klar: „Das ändert sich ja fast täglich, aber der momentane Stand ist, dass Ausflugsfahrten und Bootsverleih ab 29. Mai möglich sein werden“, stellt Stefan Gangl im BVZ-Gespräch in Aussicht und beschreibt weiters, wie ein Bootsausflug auf dem Neusiedler See in Zeiten von Corona aussehen könnte: „Wir nehmen an, dass wir ähnlich wie die Gastronomie eingestuft werden - man wird Abstand halten und Masken tragen.“

Auch die Segelschule und der Bootsverleih von Sven Reiger in Jois durfte den Betrieb offiziell am 1. Mai wieder aufnehmen. Optimismus ist aber vorerst nicht angesagt.

Die Monate Mai und Juni werden „sehr schwach“ ausfallen, befürchtet Reiger. Aufgrund der COVID-Maßnahmen habe es einige Stornierungen der Schulsportwochen gegeben. „Und wie es für Jugendgruppen im Sommer aussieht, kann ich noch nicht sagen, aber auch da haben wir schon Stornos bekommen.“ Der Segelschulbetrieb in Jois werde heuer jedenfalls nicht mehr weitergeführt, in Purbach gehe es frühestens Anfang Juli los, wenn die Sommercamps starten.

Nicht nur Reigers Segelschulboote bleiben heuer im Joiser Hafen. Auch das Eventschiff MS Josef Haydn von Gerhard Rodler und Sandra Laub wird dieses Jahr höchstwahrscheinlich nicht auslaufen. „Hochzeiten auf dem Schiff oder andere Themen-Schiffsfahrten sind aus heutiger Sicht unwahrscheinlich. Das Abstandhalten ist auf Schiffen fast nicht möglich, der begrenzte Raum wäre in der jetzigen Situation kontraproduktiv. Auch wenn es wieder erlaubt wäre, wären wir enorm vorsichtig. Wir gehen auf keinen Fall Risiken ein. Schifffahren können wir auch nächstes Jahr wieder“, sagt Rodler, dessen Motto lautet: „Mensch vor Wirtschaft.“ Besonders hervorheben möchte Rodler den Zusammenhalt von Behörde, Wirtschaftskammer und Unternehmen in der Corona-Krise. „Ich finde das wirklich wahnsinnig toll. Die Zusammenarbeit und die gegenseitige Unterstützung sind einzigartig. Die Behörden und die Wirtschaftskammer waren bis spät in die Nacht erreichbar und alle waren wirklich bemüht. Das alles gibt mir Hoffnung, dass die Krise schnell vorbeigeht, und dass alles Negative auch positive Seiten hat“, betont Rodler.

Besorgniserregender

Wasserstand

Derzeit hat die Schifffahrt am Neusiedlersee neben Corona aber auch noch mit einem zweiten Problem zu kämpfen: Der Wasserstand des Steppensees ist besorgniserregend niedrig. Das könnte sich im Laufe des Jahres noch negativ auswirken, wie Stefan Gangl zu bedenken gibt: „Momentan ist es für uns noch kein Problem. Unser Schiff hat mit 60 Zentimetern sehr wenig Tiefgang. Der Wasserstand ist derzeit aber um zwölf Zentimeter niedriger als voriges Jahr zur gleichen Zeit. Wenn ein normal heißer Sommer kommt und es nicht viel regnet, könnte es im Herbst Schwierigkeiten geben.“

Laut Sven Reiger könnte es für Segler auch schon früher problematisch werden: „Wenn es nicht bald zu einer deutlichen Verbesserung des Wasserstandes kommt, wird es für viele Bootsbesitzer ein Sommer im Hafen werden“, sagt er.

Auch Gerhard Rodler spricht von einem „besorgniserregenden Wasserstand“: „Wir haben wirklich sehr wenig Wasser. Wenn es die nächsten drei Jahre so weitergeht, stellt sich die Frage, ob die Nutzung des Neusiedler Sees in Zukunft wie bisher noch möglich sein wird.“

Die Branche hofft jedenfalls dringend auf ergiebigen Regen, denn nur dieser könnte die Situation entschärfen.

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