Ehrenfeldner: „Da läuft mir die Ganslhaut am Rücken“. Seit drei Jahren ist der gelernte Zimmerer Direktor des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel.

Von Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 19. April 2020 (04:02)
Nationalpark-Direktor Johannes Ehrenfeldner: „Als Manager verbringt man leider viel zu wenig Zeit in der Natur. Selbst ich als Nationalpark-Direktor.“
Archiv Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel

Als der gebürtige Steirer Johannes Ehrenfeldner Anfang der 1970er Jahre mit fünf Jahren zum ersten Mal im Familienurlaub mit dem Elektroboot am Ufer des Neusiedler Sees entlang fuhr, konnte er nicht ahnen, dass diese Gegend einmal zu seiner zweiten Heimat werden würde. Nun ist Ehrenfeldner seit drei Jahren Direktor des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel und hat sein Herz vor allem an dessen Vogelwelt verloren.

Aufgewachsen ist Ehrenfeldner in einer komplett anderen Naturkulisse, nämlich im steirischen Salzkammergut, in Bad Aussee. Groß geworden im Gebirge, ist es aber gerade die „endlose Weite“ des Seewinkels, die Ehrenfeldner fasziniert: „So eine Landschaft findet man in Österreich kein zweites Mal, selbst in Europa ist Vergleichbares schwer zu finden“, sagt er.

Einen Lieblingsplatz im Nationalpark hat er deshalb keinen. Die Landschaft sei so vielfältig, es sei eine Landschaft auf den zweiten Blick, die man mit den Augen erobern müsse. Ehrenfeldner erzählt von einzigartigen Momenten im Nationalpark, wenn sich die Lichtstimmung während des Sonnenuntergangs mit dem Geruch des Schilfs vermischt: „Da läuft mir die Ganslhaut über den Rücken“, oder als ihn gleich zehn Große Brachvögel auf einmal an seinem ersten Arbeitstag willkommen geheißen haben. „Seitdem gehört der Große Brachvogel mit seinem gebogenen Schnabel zu meinen absoluten Lieblingen“, schmunzelt er.

„So eine Landschaft findet man in Österreich kein zweites Mal, selbst in Europa ist Vergleichbares schwer zu finden“

Besonders stolz ist Ehrenfeldner auf die Forschungsabteilung, die er in den vergangenen drei Jahren einrichten und etablieren konnte. Der Nationalpark Neusiedler See – Seewinkel stehe seitdem in einem sehr regen Austausch mit Universitäten und auch die Beziehung zu den Mitarbeitern des Nationalparks auf ungarischer Seite sei intensiver geworden, weil ein reger Daten- und Erfahrungsaustausch stattfinde. „Außerdem wird im Rahmen von „Citizen Science“ auch die Bevölkerung animiert, Beobachtungen zu melden“, beschreibt Ehrenfeldner, der wiederholt betonte, wie wichtig es sei, dass sich die Bevölkerung mit dem Nationalpark identifiziere. Sein nächstes Ziel ist es, das Infozentrum des Nationalparks Neusiedler See – Seewinkel in Illmitz zu attraktivieren: „Ein interaktives Indoor-Erlebnis soll Lust machen, die Natur live zu erleben.“