20 Euro statt Quarantäne

Einreise ohne korrekte Dokumente. Pensionist wollte Soldat an Grenze mit 20 Euro bestechen. Amtsmissbrauchs-Prozess.

Erstellt am 08. August 2021 | 06:19
Gericht Symbolbild
Foto: APA (Symbolbild)

Im Mai 2021 wurden die bei Nickelsdorf Einreisenden streng kontrolliert, ob sie die geltenden Vorschriften der Covid-19-Verordnung erfüllten.

Keinerlei entsprechende Gesundheitsdokumente hatte am 11. Mai 2021 ein in Wien lebendes Paar mit, das nach einem mehrwöchigen Aufenthalt in Serbien nach Österreich zurückkehrte.

Jener Bundesheersoldat, der die Kontrolle am Grenzübergang durchführte, wies die Einreisenden darauf hin, dass sie sich in Heimquarantäne begeben müssten.

Daraufhin zog der 70-jährige Lenker ein paar Geldscheine aus der Tasche und bot dem Bundesheersoldaten 20 Euro an.

„Nimm die 20 Euro und lass mich in Ruhe!“, soll er dazu gesagt haben.

Der Soldat wies den Bestechungsversuch zurück und informierte jene Polizistin, die mit ihm Dienst machte.

Der Pensionist wurde angezeigt und musste sich diese Woche wegen Bestechung und versuchter Bestimmung zum Amtsmissbrauch am Landesgericht Eisenstadt vor einem Schöffensenat verantworten.

Pensionist: „Habe einen Blödsinn gemacht“

„Ich habe einen Blödsinn gemacht“, bekannte sich der Angeklagte schuldig.

Der gebürtige Serbe gab an, er habe vorgehabt, in einer Werkstatt im Bezirk Neusiedl bei seinem Auto das Pickerl machen zu lassen. Der Termin sei für den 13. Mai vereinbart gewesen.

„Wir waren schon 14 Stunden unterwegs und warteten viereinhalb Stunden an der Grenze“, erinnerte sich der Angeklagte. „Da sagte ich, da hast an Zwanziger, dass es schneller geht...“

Er sei Diabetiker, so der Angeklagte, und habe keine Medikamente mehr gehabt. Er habe unter Zuckermangel gelitten.

„Dachten Sie, dass er das Geld annimmt?“, fragte Richterin Karin Lückl.

„Das wusste ich nicht“, antwortete der Angeklagte. Zu spät sei ihm eingefallen, dass er etwas Verbotenes getan hatte.

Die an der Kontrolle beteiligte Polizistin berichtete, dass die Stimmung des Angeklagten damals „genervt und angespannt“ gewirkt habe, als der Bundesheersoldat auf die bevorstehende Heimquarantäne hinwies.

Jener Bundesheersoldat, dem das Geld angeboten worden war, war zur Zeugeneinvernahme vor Gericht nicht erschienen.

Der Prozess wurde vertagt, weil der Bundesheersoldat nochmals vorgeladen werden soll.