Inge Pecher ist „Pflegerin mit Herz“

Die 65-jährige Nickelsdorferin Inge Pecher wurde für ihre außergewöhnlichen Leistungen als pflegende Angehörige geehrt.

Saskia Jahn Erstellt am 31. Januar 2020 | 03:44
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Ehrungen. Im Bild: Wiener Städtische Versicherungsverein Vorstandsdirektorin Helene Kanta, die „PflegerInnen mit Herz“ aus dem Burgenland Zoltánné Horváth und Inge Pecher, Andreas Klammer sowie WKÖ-Fachverbandsobmann Andreas Herz.
Foto: Verein „PflegerIn mit Herz“/Richard Tanzer

Wir werden immer älter: Mit der höheren Lebenserwartung steigt auch die Wahrscheinlichkeit, im Alter pflegebedürftig zu werden. Der Anker im österreichischen Pflegesystem sind die rund eine Million pflegenden Angehörigen.

Um diese besonderen Menschen vor den Vorhang zu holen und deren wertvollen Dienst angemessen zu honorieren, wurde im Jahr 2012 die Initiative „PflegerIn mit Herz“ vom Wiener Städtischen Versicherungsverein und der Wiener Städtischen Versicherung ins Leben gerufen. Die 65-jährige Nickelsdorferin Inge Pecher ist die Gewinnerin 2019 in der Kategorie „pflegende Angehörige“.

Inge Pecher pflegt ihren 67-jährigen Ehemann Helmut bereits seit 14 Jahren. Damals betrieben die beiden gemeinsam eine Fleischerei. Eine sechs Zentimeter große Gehirnblutung veränderte schlagartig ihr Leben. „Auf einmal war sein komplettes Gedächtnis ausgelöscht, alles war weg. Er konnte nicht mehr reden, nicht mehr gehen. Man wollte ihn in ein Pflegeheim geben, das wollte ich aber nicht. Ich nahm ihn mit nach Hause und dort funktionierte dann auch alles gleich viel besser. Er fühlte sich wohl und das wirkte sich positiv auf seine Verfassung aus. Da war für mich klar, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte. Es war eine sehr harte Zeit damals, denn ich führte unseren Betrieb noch zehn Jahre alleine weiter“, erzählt Inge Pecher von den Herausforderungen, vor denen sie plötzlich stand.

„Ich bin eine glückliche Frau“

Für sie sei es selbstverständlich, ihren Ehemann zu pflegen, für ihn da zu sein. Er nehme auch keine Hilfe von anderen an. „Er ist nur zufrieden, wenn ich neben ihm bin, er lässt sich auch nur von mir helfen, von keiner Krankenschwester, von keiner Pflegerin. Und ich mache das auch wirklich von Herzen gerne. Ich habe schon immer gerne und viel gearbeitet, ich hatte in meinem Leben auch noch nie einen Urlaub, aber das macht mir alles nichts aus. Ich bin glücklich, wenn ich für meine Familie da sein kann und ich bete und hoffe, dass ich noch lange gesund bin und das weiterhin so packe“, offenbart die 65-Jährige im Gespräch mit der BVZ.

In ihrem Alltag zu zweit sei vor allem Struktur und das Immerkehrende wichtig. „Mein Mann braucht Vertrautes: vertrautes Gewand, vertraute Umgebung. Alles, was er nicht kennt, lehnt er ab. Er möchte zum Beispiel jeden Tag das Gleiche frühstücken, immer Tee und Striezel. Auch sein Kapperl muss er immer aufhaben. Sogar wenn wir in der Nacht auf‘s Klo gehen, braucht er sein Kapperl“, erklärt Pecher. Auf die Frage, was ihr die nötige Kraft im Alltag gebe, antwortete sie prompt: „Meine drei Kinder und mein starker Glaube.“