Kommt jetzt die Flughafenspange?

ÖBB will eine Hochleistungsstrecke bauen lassen, die das Nordburgenland besser mit dem Flughafen Wien verbinden würde. Eine Studie für eine neue Trassenführung startet jetzt.

BVZ Redaktion Erstellt am 11. Juni 2020 | 04:36
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Während des Schienenersatzverkehrs auf der S7-Strecke können keine
Fahrräder migenommen werden.
Foto: NOEN, Foto: CI&M

Obwohl das Projekt Flughafenspange Götzendorf schon vor Jahren ad acta gelegt wurde, nimmt das Vorhaben einer Hochleistungs-Bahnverbindung zwischen dem Nordburgenland und dem Flughafen Wien Schwechat nun überraschend wieder Fahrt auf.

Für die gesamte Region könnte eine solche Strecke eine Verbesserung des Pendlerverkehrs bedeuten; zudem werden schnelle internationale Zugverbindungen zwischen dem Flughafen Wien, Bratislava und Budapest möglich. Einen exakten Streckenverlauf gibt es aber noch nicht. In einem Bereich, der nördlich der A4 und südlich der Ostbahn abgegrenzt ist, wurden vier mögliche Trassenkorridore seitens der ÖBB erarbeitet.

„Sind jetzt von A4-Variante ganz woanders gelandet“

Am Runden Tisch zwischen Bahn, den Vertretern der betroffenen Gemeinden sowie der Länder Niederösterreich und Burgenland ist am Donnerstag der Vorwoche nun die Entscheidung gefallen, den südlichst gelegenen Trassenkorridor einer tiefergehenden Untersuchung seitens der ÖBB zu unterziehen.

„Im Herbst werden die Pläne dann vorliegen“, erklärt Rechtsanwalt Heinrich Vana, der als Mediator am Runden Tisch sitzt. Seit zwei Jahren laufen die Verhandlungen für das kolportiert 1,2 Milliarden Euro schwere Bahnprojekt bereits.

Ursprünglich war ein Streckenverlauf entlang der A4 mit der Einmündung im Bereich Bruck in die Ostbahn favorisiert worden. Die Gemeinde Göttlesbrunn legte sich aber quer, die bei dieser Variante neben Fischamend am stärksten betroffen gewesen wäre.

„Wir sind jetzt von der A4-Variante ganz woanders gelandet“, hält Vana fest. Es habe bei den teils monatlichen Sitzungen Bewegung auf allen Seiten gegeben. Letztlich handle es sich bei der Flughafen-Spange neben der Umfahrungsstraße B260 um das „wichtigste infrastrukturelle Projekt der Region“, so Vana. Ziel des Bahnvorhabens ist es, eine direkte Personenzug-Verbindung aus dem Burgenland und dem Osten Niederösterreichs zum Flughafen und nach Wien zu schaffen.

Dorner: „Für Pendler ein enormer Fortschritt“

Für Verkehrslandesrat Heinrich Dorner (SPÖ), der als burgenländischer Vertreter am Runden Tisch zu dem Projekt sitzt, sehen die nun vorliegenden Pläne gut aus: „Die Ideen für eine Trassenfindung im Zusammenhang mit der Flughafenspange sind aus burgenländischer Sicht zu begrüßen. Dadurch verkürzt sich die Fahrzeit von Eisenstadt zum Flughafen gleich um eine Stunde, außerdem fahren die Züge die Strecke dann im Stundentakt.

Auch von Neusiedl gelangt man in Zukunft schneller zum Flughafen - und zwar wird die Fahrzeit im Vergleich zum Bus um 25 Minuten reduziert. Für die vielen burgenländischen Pendler - 2.300 Burgenländer arbeiten alleine am Flughafen - ist das ein enormer Fortschritt. Und auch für Urlaubsreisende aus dem Burgenland wird der Anreiz deutlich größer, in Zukunft mit der Bahn zum Flughafen zu reisen - ein wichtiger Beitrag für den Klimaschutz“, erklärt Landesrat Dorner gegenüber der BVZ.

Auch die ÖVP-Landtagsabgeordneten Markus Ulram und Gerald Handig zeigten sich erfreut, ist die direkte Zugverbindung vom Neusiedler Bezirk zum Flughafen doch schon ein jahrelanges Anliegen: „Die nun von der ÖBB eingeleitete Untersuchung zur konkreten Trassenfindung ist ein Schritt in die richtige Richtung.“ Die Anbindung würde vor allem für Pendler große Vorteile bringen.

Fast ident mit Götzendorfer Spange

Der nun favorisierten Trassenkorridor erinnert an den Verlauf der vor Jahren in die ÖBB-Schublade gewanderte Götzendorfer Spange, teilweise ist er sogar ident.