Bratislava expandiert bis an die Grenze bei Kittsee

Unmittelbar an der Grenze zu Kittsee entsteht ein neuer Stadtteil namens „Nesto“ für 15.000 Menschen. Dies sorgt für Unbehagen in den österreichischen Grenzgemeinden.

Erstellt am 04. März 2020 | 04:37
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Das Interesse der Bevölkerung an dem Projekt „Nesto“ war groß. Der Saal im Gasthaus Leban war bis auf den letzten Platz gefüllt. Nach der Präsentation des Mega-Projektes waren Fragen und eine konstruktive Diskussion erwünscht. Viele Kittseer meldeten sich zu Wort. Nähere Informationen unter www.nesto.sk
Foto: Jahn

Direkt an der österreichischen Grenze auf slowakischer Seite, zehn Gehminuten von Kittsee entfernt, plant der Immobilienentwickler Lucron, ein multifunktionales Viertel namens „Nesto“ zu errichten. Die Stadt Bratislava wächst und wächst und wächst.

Dies nahm der Kittseer Kulturverein „KUKUK“ zum Anlass, um Referenten vom Bratislava Umland Management (baum 2020) im Rahmen des „Offenen Tisches“ vergangenen Donnerstag einzuladen, um die Bevölkerung über den Bau des neuen Stadtteils in Bratislava und den aktuellen Stand der Dinge zu informieren und aufzuklären.

Die drei Experten waren Dr. Harald Ladich von der Regionalmanagement Burgenland GmbH, Christian Berger von der NÖ Regional GmbH und Mag. Marek Dinka, Raumplaner der Stadt Bratislava. „In der Zeit von 2021 bis ungefähr 2025 soll an der ersten Etappe, an ‚Nesto 1‘, gebaut werden. Für 4.000 Einwohner wird das multifunktionale Viertel ausgerichtet werden“, informiert Ladich. Die Grenzregion sei eine besonders dynamische, die Nachfrage nach Wohnraum sei daher enorm hoch.

Die Planungen der Bauphase Eins seien bereits fortgeschritten: Der Stadtteil nahe der Grenze werde ein Mix aus Wohnen, Geschäften, Gewerbegebiet, Schule, Kindergarten, Sporteinrichtungen und einem Museum beim bestehenden Bunker. „Auch ein Busanschluss, eine Verlängerung der Linie 80, sowie eventuell eine eigene Bahnhaltestelle zwischen Kittsee und Petrzalka sind geplant“, weiß Dinka zu berichten.

Erster Baubescheid Mitte 2020

Eine rein nationale (slowakische) Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) habe bereits stattgefunden. Ein erster Baubescheid (Erneuerung Kopcianska Straße) sei für Mitte 2020 zu erwarten.

Die Grundstücke nahe der Grenze seien bereits seit 2007 in Bauland umgewidmet, jedoch ohne Einbindung der österreichischen Umlandgemeinden. „Es war nie die Frage, ob dort gebaut wird, es war nur eine Frage der Zeit, wann damit begonnen wird“, so Dinka.

Für Bauteil Zwei werde noch mindestens eineinhalb Jahre Planungszeit benötigt. Es seien noch keine Pläne für Bewilligungen eingereicht worden. „Wir wissen aber bereits über die Lage und das Ausmaß von ‚Nesto 2‘ Bescheid: Das Viertel wird direkt an der Staatsgrenze für zusätzliche 11.000 Einwohner gebaut; ein Streifen von 60 Meter Breite an der Grenze ist und bleibt allerdings Grünland“, erklärt Berger im Rahmen der Info-Veranstaltung.

„Baum 2020“ habe eine neutrale Rolle inne. Man wolle den Informationsfluss über grenznahe Bauvorhaben sicherstellen und zwischen den Ländern und Gemeinden vermitteln. „Die Forderungen und Wünsche auf österreichischer Seite lauten Verdichtung des Grünlandstreifens auf slowakischer Seite mit Büschen, Herstellung eines Windschutzgürtels, Maßnahmen gegen zunehmenden Verkehr auf der Preßburger Straße und Durchführung von grenzüberschreitender UVP bei Nesto Bauphase Zwei“, führt Berger aus.

„Nesto“ ist übrigens ein Wortspiel aus dem slowakischen Wort „mesto“ (=Stadt) und dem deutsch/englischen „Nest“.