Covid-Angst im Kindergarten

In Parndorf wurde ein Kindergartenkind positiv auf Covid-19 getestet. Weil es zuletzt vier Tage vor der Diagnose in der Kindergruppe war, wurden die Eltern nicht informiert.

Erstellt am 08. Oktober 2020 | 05:55
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Zwei Pädagoginnen wurden Straftaten vorgeworfen
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Foto: APA (dpa-Zentralbild)

In Parndorf herrscht Aufregung: Ein Kind, das den Kindergarten Kalmangasse besucht, wurde am Dienstag der Vorwoche positiv auf Covid-19 getestet. Eine diesbezügliche Information an die Eltern der anderen Kinder aus der gleichen Kiga-Gruppe erging erst, nachdem sich die Nachricht bereits durch Gespräche unter den Müttern und Vätern verbreitet hatte.

Die BVZ hat sich bei zwei Müttern aus der betroffenen Gruppe und beim Parndorfer Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) über den Fall erkundigt.

Übereinstimmenden Angaben zufolge sei das Kind zuletzt am Donnerstag, dem 24. September, also vier Tage vor dem positiven Testergebnis, im Kindergarten gewesen. Laut der Aussage einer Mutter habe das Kind zu diesem Zeitpunkt Husten und Schnupfen gehabt. Am Freitag sei das Kind zuhause geblieben und am Montag wurde es auf Covid-19 getestet. Am Dienstag folgte das positive Testergebnis.

Unter den Eltern der anderen Kinder aus der betroffenen Kindergartengruppe herrscht nun Empörung, weil sie von dem Corona-Fall durch Gespräche untereinander erfahren mussten – vonseiten der Kindergartenleitung oder der Gemeinde habe es keine diesbezügliche Mitteilung gegeben.

Bürgermeister: „Keine Panik auslösen“

Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) verweist im Gespräch mit der BVZ auf die Zuständigkeit der Gesundheitsbehörde, die gemäß der geltenden Richtlinien entschieden habe, dass keine Mitteilung an die anderen Eltern der Kindergartengruppe zu ergehen habe: „Die Richtlinien für Kindergärten besagen, dass nach einem positiven Test 48 Stunden zurückgerechnet wird. Alle Personen, die in diesen 48 Stunden Kontakt mit dem Kind hatten, wurden informiert. Der letzte mögliche Kontakt im Kindergarten war am Donnerstag, da sind wir bei einem Abstand von über 90 Stunden. Da ist eine Ansteckung sehr unwahrscheinlich und deshalb wird in so einem Fall nicht informiert. Schon alleine, um nicht gleich eine Panik auszulösen.“

Der Ortschef führt weiters aus, wie die Gemeinde über positive Corona-Tests von ortsansässigen Personen informiert wird - wie auch im Fall des Kindergartenkindes: „Ich kann nicht über einzelne Fälle informieren, denn dafür ist die Gesundheitsbehörde zuständig. Die Bezirkshauptmannschaft legt fest, was getan wird. Aus Datenschutzgründen bekomme ich keine Namen, sondern nur eine Adresse, wenn es einen positiven Fall gibt. Man darf nicht wissen, ob es sich dabei um die Mutter, den Vater, ein Kind oder um eine andere Person handelt, die an der Adresse gemeldet ist. Auch in diesem Fall haben wir es nicht sicher gewusst. Wenn es eine Mutter einer anderen sagt, ist das noch keine offizielle Bestätigung. Mit diesem Wissensstand sperrt man nicht sofort jede Kindergarten Gruppe zu und verbreitet Panik.“

Nach dem Bekanntwerden des Corona-Falles haben sich nun aber doch große Sorgen unter einigen Parndorfer Eltern breitgemacht – und Empörung darüber, dass man nicht informiert wurde. „In Wien muss man seine persönlichen Daten preisgeben, die ein Monat archiviert werden müssen, wenn man sich einen Kaffee holen möchte, damit man über einen positiven Corona-Fall informiert wird, aber in einem Kindergarten nicht?“, ärgert sich eine Mutter etwa in einem E-Mail an die BVZ. Ihrer Ansicht nach habe die Gemeinde den Fall verheimlichen wollen.

Am vergangenen Freitag haben sich der Bürgermeister und die Kindergartenleiterin mit einem gemeinsamen Schreiben an die Eltern um Aufklärung und Beruhigung bemüht. Dieser Brief liegt der BVZ vor. Darin geschrieben steht auch Folgendes: „Sollten Sie die Information haben, dass in anderen Gemeinden die Eltern informiert wurden, so ist dies durchaus möglich. Wird eine Erkrankung im Verlauf der Kindergartenwoche festgestellt, und war damit ein Kontakt mit den anderen Kindern gegeben, so werden selbstverständlich alle Betroffenen informiert.“

Laut Behörde keine Ansteckungsgefahr

Und zum Fall im Parndorfer Kindergarten heißt es: „Es ist von der Behörde ganz klar festgelegt, dass eine Ansteckung ausgeschlossen werden kann und keine Information zu erfolgen hat.“

Den erhofften beruhigenden Effekt dürfte das Rundschreiben bislang allerdings nicht erzielt haben.

Auf nachdrücklichen Wunsch der Eltern haben sich eine Pädagogin und eine Betreuerin einem Covid-Test unterzogen. Wie die BVZ am Mittwochmorgen informiert wurde, seien beide Tests negativ ausgefallen.