Dilemma im Kindergarten. Parndorf hat Schwierigkeiten, die Kindergarten-Richtlinien des Landes umzusetzen. Deshalb wurde eine Prioritätenliste erstellt.

Von Paul Haider. Update am 22. Mai 2020 (11:44)
Einschränkungen durch Corona. In den drei Parndorfer Kindergärten tummelten sich zuletzt schon mehr als 280 Kinder. Einige von ihnen sollen jetzt zuhause bleiben.
Symbolbild/Bilderbox.com

Am Montag ist in den Kindergärten des Landes wieder Leben eingekehrt - nach zwei Monaten Lockdown war die Freude darüber bei Kindern und Eltern wohl gleichermaßen groß.

Für Verwirrung sorgen in manchen Gemeinden allerdings die neuen Kindergarten- Richtlinien, die vom Land Burgenland am 13. Mai herausgegeben wurden. Den Richtlinien zufolge sollen, wo es möglich ist, die Gruppen von 25 auf 15 Kinder schrumpfen (Kinderkrippe von 15 auf 10). Zudem sollen die Gruppen möglichst nicht vermischt werden.

In Parndorf sei dies faktisch nicht umzusetzen, wenn die gleiche Anzahl von Kindern wie vor Corona in die Parndorfer Kindergärten kommen würde, gibt Bürgermeister Wolfgang Kovacs (LIPA) im BVZ-Gespräch zu bedenken: „In den Randzeiten, also in der Morgen- und Nachmittagsbetreuung wurden die Kinder in Sammelgruppen zusammengeholt, was jetzt nicht mehr sein darf. Das heißt, dass wir einen stark erhöhten Personalbedarf haben.“ Dieser erhöhte Bedarf könne laut Kovacs kurzfristig mit Überstunden ausgeglichen werden, langfristig sei dies aber nicht machbar.

Auch im regulären Kindergartenbetrieb dürfte es mit der Einhaltung der Landes-Richtlinien schwierig werden: Derzeit gibt es 281 Kindergartenkinder in Parndorf. Damit die Höchstzahl von 15 Kindern pro Gruppe nicht überschritten wird, müssten 80 bis 90 Kinder zuhause bleiben. „Ich werde den Kindern aber sicher nicht sagen, dass sie daheim bleiben müssen. Kinder brauchen soziale Kontakte und es ist auch ganz klar, dass es Anliegen der Eltern gibt“, stellt der Ortschef klar.

Die Gemeinde Parndorf hat deshalb am Montag eine Prioritätenliste an die Eltern der Parndorfer Kindergartenkinder verteilt, mit dem Ziel, die Kinderzahl pro Gruppe möglichst gering zu halten.

Grundsätzlich soll es allen Kindern möglich sein, wieder eine gewisse Zeit im Kindergarten zu verbringen. Speziellen Gruppen soll aber eine höhere Priorität eingeräumt werden (siehe Infobox unten).

Land: Richtlinie ist Empfehlung, kein Gesetz

Auf Nachfrage der BVZ betont Gerald Pangl, Pressesprecher der zuständigen Landesrätin Daniela Winkler (SPÖ), dass es sich bei den Kindergarten-Richtlinien nicht um Gesetze, sondern um Empfehlungen handle. „Die oberste Prämisse ist, dass kein Kind abgewiesen wird. Im Einzelfall ist die Abteilung 7 (Bildung, Kultur und Gesellschaft, Anm.) jederzeit offen, um Lösungen für Einzelfälle zu finden. Die Erhalter der Kindergärten können sich immer an uns wenden“, so Pangl.

Update: Wie der BVZ mitgeteilt wurde, hat es am 20. Mai ein Gespräch zwischen Landesrätin Winkler und Bürgermeister Kovacs zu den Kindergarten-Richtlinien gegeben. Wolfgang Kovacs will nun ein aktualisiertes Rundschreiben an die Eltern der Parndorfer Kindergartenkinder verfassen: „Im neuen Brief wird besser herausgearbeitet, dass ausdrücklich alle Kinder, die in den Kindergarten kommen wollen, auch kommen können“, sagt der Ortschef gegenüber der BVZ. 

Laut dem Bürgermeister gelingt es derzeit in zwei der drei Parndorfer Kindergärten, die von der Landesregierung empfohlene Zahl von maximal 15 Kindern pro Gruppe nicht zu überschreiten.