Krach in der LIPA: Rudolf Ladich geht. Nach Streit um Flächenumwidmungen: Parndorfs Gemeindekassier Rudolf Ladich legt nach 28 Jahren im Gemeinderat alle politischen Funktionen zurück.

Von Paul Haider. Erstellt am 23. Juli 2020 (04:08)
Bewährtes Team. Gemeindekassier Rudolf Ladich, Bürgermeister Kovacs und die LIPA feierten 2012 ihren bisher größten Wahlerfolg.
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Knalleffekt in der LIPA (Liste Parndorf): Die Bürgerliste verliert mit Rudolf Ladich einen ihrer längst dienenden Mandatare. Ladich legt, nach 28 Jahren im Gemeinderat und 13 Jahren als Gemeindekassier, alle politischen Funktionen zurück.

Im Gespräch mit der BVZ erläutert das LIPA-Urgestein seine Beweggründe folgendermaßen: „Ich habe schon immer eine konservative Einstellung gehabt. Die Linie der LIPA hat in den letzten Jahren eine Dynamik bekommen, mit der ich mich nicht mehr identifizieren kann.“ Wie Ladich weiters verrät, sei er während seiner gesamten Laufbahn bei der LIPA auch Mitglied bei der ÖVP gewesen.

„Junge Leute werden aus der eigenen Ortschaft vertrieben. Diesen Weg gehe ich nicht mit“. Rudolf Ladich kritisiert, dass Ansuchen um Flächenumwidmungen abgelehnt wurden

Abgesehen von politischen Differenzen dürfte vor allem eine Meinungsverschiedenheit mit Parteikollegen den Ausschlag für Ladichs Rücktritt gegeben haben: In der letzten Gemeinderatssitzung vom 2. Juli standen Ansuchen um Flächenwidmungsänderungen auf der Tagesordnung. Mehrere Parndorfer, darunter ein junges Paar, wollten derzeit als Grünland gewidmete Grundstücke auf Bauland umgewidmet bekommen. Die Ansuchen wurden mehrheitlich abgelehnt. „So werden junge Leute, die von ihrer Familie Grundstücke in Parndorf geerbt haben, aus der eigenen Gemeinde vertrieben. Das gefällt mir nicht und diesen Weg gehe ich nicht mit“, macht Ladich seinem Ärger Luft.

Der langjährige Gemeindekassier nennt aber auch persönliche Gründe für seinen Rücktritt: Ein geplantes Wohnprojekt auf seiner „Steak-House Ranch“ stieß bei LIPA-Parteikollegen, darunter auch Bürgermeister Wolfgang Kovacs, auf wenig Gegenliebe. „Da ist es mir angenehm, auszusteigen. Ich bin jetzt 68, in zwei Jahren hätte ich sowieso vorgehabt, aufzuhören. Mit den zwei Restaurants und 35 Mitarbeitern habe ich auch so viel um die Ohren. Somit spricht alles dafür“, zieht Rudolf Ladich einen Schlussstrich unter seine politische Karriere.

Im Rückblick auf die letzten drei Jahrzehnte sei er besonders stolz auf die Verhinderung der Giftmülldeponie im Jahr 2010 und die erfolgreichen Verhandlungen zum Bau des Outlet Centers in den 90er -Jahren.

Bürgermeister: Ladich ist „tragende Figur“

Parndorfs Bürgermeister Wolfgang Kovacs bedauert gegenüber der BVZ den Rücktritt seines langjährigen Weggefährten: „28 Jahre im Gemeinderat und 13 Jahre als Kassier sind großartige Leistungen. Er ist eine tragende Figur und von allen anerkannt, das muss man wirklich sagen. Ich habe ihm eine entsprechende Verabschiedung im Gemeinderat angeboten, aber das wollte er nicht.“

Zu der Auseinandersetzung bezüglich der Flächenwidmungen sagt Kovacs: „In einem Fall gibt es gewidmete Bauplätze, die seit Ewigkeiten unbebaut sind. Hier einen dringenden Bedarf zu sehen, ist lachhaft.“ Und zum geplanten Projekt auf Ladichs Grundstück meint der Ortschef: „Das Projekt wurde im Bauausschuss abgelehnt, weil man sich nicht an die neuen Baurichtlinien gehalten hat. Uns geht es darum, dass das Dorfzentrum nicht mit Genossenschaftsbauten ‚zugepflanzt‘ wird. Nach diesen Kriterien wurde das Projekt Ladich bewertet und in diesem Fall abgelehnt.“

Ladichs Nachfolger als Gemeindekassier dürfte Wolfgang Kment werden. Er soll in der nächsten Gemeinderatssitzung von der LIPA nominiert werden. Das frei gewordene Mandat wandert an Ersatzgemeinderat Peter Neuner, neuer Ersatzgemeinderat wird Georg Pichler.

Detail am Rande: Trotz des politischen Hickhacks dürfte die persönliche Freundschaft zwischen dem Ortschef und seinem nunmehrigen Ex-Kassier nach wie vor intakt sein: „Zwei Tage nach der Gemeinderatssitzung waren wir schon wieder gemeinsam walken“, schmunzelt Kovacs.