Wirt mit 14.800 Drohanrufen terrorisiert

Über ein Jahr lang wurden Roman Patzolt und seine Familie von einem anonymen Anrufer terrorisiert. Am Samstag wurde ein Verdächtiger festgenommen.

Erstellt am 04. März 2020 | 06:04
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Verzweifelt. Der Telefonterror in Roman Patzolts „Parndorfer Hof“ hatte sowohl psychisch als auch wirtschaftlich schlimme Folgen für die Familie.
Foto: zVg/Patzolt

Über ein Jahr lang haben Roman Patzolt und seine Familie in Angst vor einem Unbekannten gelebt. Jetzt spricht der Parndorfer Wirt mit der BVZ erstmals über sein Martyrium.

„Der Mensch hat mich ruiniert. Ich weiß nicht ein und aus“, klagt Roman Patzolt, der sich derzeit in psychologischer Betreuung befindet. Vorige Woche hat er für seinen Betrieb, den seit 1946 bestehenden „Parndorfer Hof“, Insolvenz angemeldet. Verantwortlich dafür sei, so erzählt Patzolt, eine beispiellose Flut von Droh-Anrufen. „Die Anrufe haben im Dezember 2018 angefangen. Zuerst hat er nicht gesprochen, sondern gleich wieder aufgelegt“, schildert der Wirt.

„Ich bringe deinen Sohn um, dann dich“

Anfang 2019 spricht der Unbekannte dann zum ersten Mal am Telefon. Am anderen Ende der Leitung ist Roman Patzolts Mutter, die gerade im Lokal Dienst hat: „Er hat gesagt: ‚Zuerst bringe ich deinen Sohn um, dann dich.‘ Zwei Tage später war ich am Telefon. Da hat er gesagt: ‚Ich bringe deine Mutter um, dann dich. Ich zünde eure Bude an und zerstöre euer Leben‘“, erinnert sich Roman Patzolt an die ersten schockierenden Wortmeldungen des Anrufers.

Im März 2019 erstattet der Wirt zum ersten Mal Anzeige bei der Parndorfer Polizei. Die Ermittlungen der Exekutive bringen zutage, dass der Anrufer ein nicht registriertes Wertkartenhandy benützt - er dürfte einen Weg gefunden haben, die seit Jänner 2019 geltende Registrierungspflicht zu umgehen, wird Patzolt von der Polizei informiert. Somit kann die Identität des Bedrohers nicht festgestellt werden, die Ermittlungen laufen zunächst ins Leere.

Die Anrufe finden weiterhin zu jeder Tageszeit statt, allerdings nur, wenn das Lokal geöffnet ist. Am Ruhetag Dienstag bleibt das Telefon still - bis auf einen Dienstag, an dem eine geschlossene Gesellschaft im Wirtshaus ist. Somit entsteht der Verdacht, dass es sich bei dem Anrufer um einen Parndorfer „Insider“ handeln könnte - weitere Anhaltspunkte zur Identität des Kriminellen gibt es aber nicht.

Im Mai 2019 hören die Anrufe abrupt auf. Doch im September startet der Telefonterror von Neuem. Wieder sieht sich die Familie Patzolt tagtäglich mit unzähligen Anrufen und bedrohlichen Aussagen einer verzerrten Stimme konfrontiert. „Das Personal war so genervt, dass wir das Telefon abdrehen mussten. Wir konnten im Betrieb keine Bestellungen mehr entgegennehmen, Kundschaften sind ausgeblieben“, so Patzolt.

„Er war früher Gast bei uns, das ist aber schon über zehn Jahre her. Seither hatte ich keinen Kontakt oder Bezug zu ihm.“Roman Patzolt weiß jetzt, wer ihn vermutlich über ein Jahr lang gequält hat

Die Blockierung des Festnetz-Telefones des Wirtshauses hat dramatische Folgen: In der Bilanz klafft ein eklatantes Minus im Vergleich zu den Vorjahren. Am Montag vergangener Woche meldet Roman Patzolt schließlich Insolvenz an.

Nachdem die Nachricht über die Eröffnung des Konkursverfahrens veröffentlicht wird, hören die Droh-Anrufe vorige Woche wieder unvermittelt auf. Doch zu diesem Zeitpunkt ist die Polizei längst schon auf der Spur des hartnäckigen Stalkers. „Die Polizeibeamten haben sich sehr für mich eingesetzt und alle erdenklichen juristischen Schritte gesetzt, um mir zu helfen“, lobt Roman Patzolt die Exekutive. Schließlich wird der Einsatz eines Spezialsenders abgesegnet, mit dem das nicht registrierte Wertkartenhandy geortet werden kann. Am Samstagabend stürmen Cobra-Beamte das Haus des Verdächtigen und nehmen ihn fest. Bei seiner Einvernahme habe er sich geständig gezeigt, wird Roman Patzolt mitgeteilt.

Seither ist ihm auch die Identität des mutmaßlichen Täters bekannt - es handelt sich, wie vermutet, um einen Parndorfer. Warum der Mann einen derart großen Hass auf ihn und seine Familie entwickelt hat, ist dem Wirt unerklärlich: „Bei seiner Einvernahme hat er angeblich ‚persönliche Gründe‘ genannt, sonst nichts. Er war früher Gast bei uns, das ist aber schon über zehn Jahre her. Seither hatte ich keinen Kontakt oder Bezug zu dem Menschen. Ich hatte mit ihm auch nie ein Problem“, wundert sich Patzolt über seinen Peiniger.

Von der Polizei wird dem Wirt auch ein Telefonprotokoll vorgelegt: Demnach hat der Mann zwischen Dezember 2018 und Feber 2020 insgesamt 14.800 Mal im „Parndorfer Hof“ angerufen.

Trotz Konkurs: Das Wirtshaus bleibt offen

Trotz Insolvenz und Psycho-Terror will Roman Patzolt seinen Betrieb nicht aufgeben. Er hofft, dass der Täter seine gerechte Strafe bekommt, und zählt darauf, dass das Wirtshaus bald wieder besser besucht sein wird: „Ich will den Betrieb fortführen. Ich bin jetzt in der Situation, dass ich im Konkurs bin, da muss ich auch Umsätze liefern. Ich will jetzt alles in Bewegung setzen, damit die Leute wissen, dass das Wirtshaus offen ist und der Betrieb weiter geht“, bleibt Patzolt kämpferisch.

Bis die psychischen Wunden geheilt sind, dürfte es aber wohl noch länger dauern: „Wenn ich zusperre, schaue ich in jedem Raum nach, ob sich jemand wo versteckt. Ich bin komplett fertig“, gibt Roman Patzolt zu.