Was hinter dem Ölfilm am Neusiedler See steckt ...

Erstellt am 19. Mai 2022 | 05:13
Lesezeit: 2 Min
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Die Idylle des Neusiedler Sees wird derzeit durch den niedrigen Wasserstand jäh gestört.
Foto: Ritter
Befürchtungen, zum Niedrigwasserstand komme noch eine Umweltkatastrophe hinzu, kann Experte Zechmeister von der Biologischen Station in Illmitz entkräften.
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Ölfilm am Seewasser. Ein Phänomen, das in den vergangenen Tagen in weniger durchfluteten Teilen des Neusiedler Sees beobachtet werden konnte. Auslöser sind verschiedenste Pollen, die um diese Jahreszeit im Wasser landen.
Foto: BVZ

Aufmerksamen Seebesuchern ist es wahrscheinlich aufgefallen: Vor allem an weniger durchströmten Stellen im Neusiedler See, etwa in Kanälen oder Hafenbereichen, sieht das Wasser seit mehreren Tagen überaus trüb bis milchig aus. Darüber hinaus ist ein leichter Ölfilm am Wasser zu sehen.

Die BVZ hat beim Leiter der Biologische Station Illmitz in Illmitz nachgefragt, was hinter diesem Phänomen steckt.

Es sei eine normale Erscheinung im Frühling, gibt Thomas Zechmeister Entwarnung. Auslöser sind Pollen, die ätherische Öle abgeben. „Je nach Wind- und Wetterbedingungen ist dieses Phänomen mehr oder weniger zu sehen“, erklärt der Experte. Gibt es etwa mehr Regen, ist der Ölfilm an der Wasseroberfläche geringer.

Mehr Salz im Wasser

Niederschlag ist in diesem Frühjahr aber Mangelware. Der Pegel liegt momentan (Stand: 16. Mai 2022) bei 115,22 Meter (über Adria). Das ist der tiefste Wert, der seit 1965 zu dieser Jahreszeit gemessen wurde. Der Wasserstand liegt damit über 30 Zentimer unter dem Durchschnittswert.

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Seit zehn Jahren leitet Thomas Zechmeister die Biologische Station in Illmitz. Diese führt unter anderem gewässerökologische, chemische und mikrobiologische Messungen am Neusiedler See und den Salzlacken durch.
Foto: BVZ

Ob der geringe Pegel Einfluss auf den Chemismus des Wassers und dessen Qualität habe, wollte die BVZ von Thomas Zechmeister wissen. Dieser bejahte, was den Chemismus betrifft.

Der Salzgehalt steige. Bei weniger Wasser sei die Salzkonzentration höher. Negative Folgen bringt das salzigere Wasser laut Zechmeister aber nicht mit sich, denn: „Bevor der See weniger geregelt wurde, etwa durch den Einserkanal, war das Seewasser noch viel salzhaltiger.“

Flora und Fauna seien durch die Schwankungen des Wasserstands sowie des Salzgehalts nicht beeinträchtigt. „Diese haben sich seit Jahrtausenden an den Charakter des Sees angepasst“, sagt Zechmeister.

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