Schussapparate gegen Stare sind illegal. Kritik an Einsatz in Podersdorfer Weingärten wegen Lärm. Stare-Vertreibungsverordnung für Winzer nicht eindeutig.

Von Pia Reiter. Erstellt am 06. Dezember 2017 (05:06)
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Bedrohung. Die Stare und deren Hunger auf die Weintrauen stellen die Winzer vor große Herausforderung, ebenso wie deren Bekämpfung.
BVZ

„Wir sind einer gesundheitsbeeinträchtigenden und unerträglichen Geräuschbelästigung ausgesetzt, 16 Wochen lang, vom 10. Juli bis 31. Oktober, sieben Tage pro Woche, von der Morgendämmerung bis zur Abenddämmerung und teilweise auch nachts, durch geschlossene Fenster hindurch“: Mit diesen Worten begann die Beschwerde eines Pensionisten an die Volksanwaltschaft.

Lärm soll Stare vertreiben

Verursacht wurde die Lärmbelästigung durch Selbstschussanlagen, die in den Weingärten der Gemeinde Podersdorf aufgestellt sind und Knallpatronen verfeuern. Der Lärm soll Stare vertreiben. Die Volksanwaltschaft spricht in ihrem Bericht von einer „unzumutbaren Belästigung“. Und weiter: „Zudem sind die Selbstschussanlagen illegal – weder das Burgenländischen Pflanzenschutzgesetz noch die dazu ergangene Stare- Vertreibungs-Verordnung betrachten Selbstschussanlagen als zulässige Mittel zur Vogelvertreibung“, heißt es.

Bürgermeisterin Michaela Wohlfart kennt die Problematik der Starevertreibungsmaßnahmen: „Einen Einklang zwischen Interessen der Weinbauern, des Tourismus, des Naturschutzes und auch der Bevölkerung, diese Schere geht immer mehr auf“, sagt sie auf Nachfrage der BVZ.

Auch Weinbauvereinsobmann Martin Steiner erklärt: „Das ist ein schwieriges Thema mit Konfliktpotenzial. Für uns ist die rechtliche Lage durch die Stare-Vertreibungsverordnung nicht eindeutig, denn es ist generell nicht verboten. Beschwerden gibt es, genauso wie ein paar Uneinsichtige, die die Schussapparate auch nach 19 Uhr einsetzen, was nicht in Ordnung ist. Die müssen vielleicht wirklich erst einmal gestraft werden.“

Nach einer Lösung wird gesucht

Laut der Ortschefin besagt einzig das Polizeistrafgesetz, dass es verboten ist, überdurchschnittlich hohen Lärm zu erzeugen. Nach einer Lösung wird gesucht: Wohlfart möchte dazu im Jänner mit dem Vorstand des Weinbauvereins sprechen. Es wurde auch schon ein Termin mit Nationalparkdirektor Johannes Ehrenfeldner vereinbart.