Segler fand riesige Granate im Neusiedler See. Ein Hobbysegler ist zufällig auf eine Flak-Splittergranate aus dem Zweiten Weltkrieg am Boden des Neusiedlersees gestoßen.

Von Paul Haider. Erstellt am 03. Juli 2019 (04:57)
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Taucherbrille zum Größenvergleich: Entminungsexperte spricht von größter Granate ihrer Art, die jemals im See gefunden wurde. Foto: zVg
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Einem Hobbysegler ist es zu verdanken, dass ein Kriegsrelikt, das über 70 Jahre lang am Boden des Neusiedler Sees geschlummert hat, endlich geborgen werden konnte.

Gerald Equiluz aus Mannsdorf an der Donau ist am 21. Juni von Jois zur Vogelinsel südlich von Podersdorf gesegelt. Beim Baden zwischen Insel und Seeufer ist er gegen 21 Uhr auf einen Gegenstand am Boden gestoßen. Der BVZ hat Gerald Equiluz von dem Fund berichtet: „Ich konnte den Gegenstand mit den Füßen abtasten, aber nicht bewegen. Vor vielen Jahren habe ich am Donauufer schon einmal eine Granate gefunden. Mein Bauchgefühl hat mir gesagt, dass es wieder so etwas sein könnte.“

Das Bauchgefühl des Mannsdorfers sollte sich als goldrichtig entpuppen. Mit seinem Handy markierte er die Koordinaten des Fundortes und verständigte die Polizei.

Am darauffolgenden Mittwoch beteiligte sich Gerald Equiluz auch an der Bergungsaktion. Gemeinsam mit Experten des Entminungsdienstes begab er sich an Bord des Podersdorfer Polizeibootes zurück zum Fundort.

Koordinaten des Fundortes gespeichert

Mithilfe der gespeicherten GPS-Koordinaten konnte das Kriegsrelikt nach nur zwei Minuten Suche geborgen werden. Wie sich herausstellte, handelte es sich um eine Flak-Splittergranate aus dem Zweiten Weltkrieg. „Angeblich die größte Granate dieser Art, die der Entminungsexperte bisher im Neusiedler See geborgen hatte. Mir wurde erklärt, dass diese Granaten in circa 3.000 Metern Höhe explodierten und dabei Flugzeuge zerstörten“, berichtet Gerald Equiluz von der spannenden Bergungsaktion.

Lob für den Hobby-Segler gibt es von Podersdorfs Polizeikommandanten Rainer Halbauer, denn Gerald Equiluz habe sich aus polizeilicher Sicht genau richtig verhalten: „Wenn man eine Granate oder dergleichen findet, darf man auf keinen Fall versuchen, sie selbst zu bergen. Man sollte sofort die Polizei verständigen und, wenn möglich, die Koordinaten des Fundortes speichern. Das geht heutzutage ganz einfach mit Handy-Apps. Die Bergung erfolgt dann fachgerecht von geschulten Organen vom Entminungs- und Entschärfungsdienst.“

Der Finder der riesigen Flak-Granate möchte auch andere dazu ermutigen, bei einem Verdacht nicht zu zögern und sofort die Polizei zu verständigen: „Ich habe schon Bedenken gehabt, weil ich wegen eines Bauchgefühls so viel in Bewegung gesetzt habe. Aber die Podersdorfer Polizisten haben mir gesagt, dass sie lieber einmal zu oft mit dem Boot hinausfahren als einmal zu wenig“, erzählt Gerald Equiluz.

Schätzungen, wie viele Bomben und Granaten noch am Boden des Neusiedler Sees schlummern, gibt es auch vonseiten des Entminungsdienstes nicht. Allerdings wird betont, dass von diesen Blindgängern keine Gefahr mehr ausgehe - wie auch im Falle der von Gerald Equiluz gefundenen Flak-Granate.