Neusiedler Haider macht Wein ohne Kupfer. Der Neusiedler Andreas Haider geht einen völlig neuen Weg beim Pflanzenschutz in seinen Weingärten. Dafür wurde er bereits mit dem Bio-Innovationspreis ausgezeichnet.

Von Norbert Aichhorn. Erstellt am 13. September 2020 (06:17)
Der junge Neusiedler Winzer Andreas Haider setzt auf Kräuterextrakte, um Schädlinge von seinen Weinreben fernzuhalten.
Aichhorn

Fährt man die Eisenstädter Straße Richtung Bahnhof entlang, sind rechts auf halbem Weg zwei Weinkeller zu finden, in denen seit 200 Jahren die Winzerfamilie Haider ihre Weine einlagert. Waren damals bei ihrer Errichtung ringsum noch Wiesen und Felder zu finden, so liegen die Keller nun inmitten des zentralen Wohngebietes der Stadtgemeinde.

Einer der beiden Weinkeller dient als modern ausgebauter Schau- und Verkaufsraum, im anderen werden die Jahrgangsweine gelagert.

Im Schauraum präsentiert einer seine Weine, der schon in jungen Jahren wusste, dass er einmal den elterlichen Betrieb übernehmen wird. „Für mich war es von Kindheit an selbstverständlich, einmal Winzer zu werden“, erzählt Andreas Haider von seinen beruflichen Anfängen, „mein Vater war der beste Lehrmeister, den ich mir für meine Winzerausbildung wünschen konnte.“

Der praktischen Ausbildung im elterlichen Weinbau folgten nach der Pflichtschule in Neusiedl am See vier Jahren Weinbauschule in Eisenstadt. 2018 übernahm der ambitionierte 36-jährige in nunmehr fünfter Generation zur Gänze den neun Hektar großen Betrieb seines Vaters.

Kupferfreie Pflanzenschutzmittel

Haider geht andere Wege als im traditionellen Weinbau. „Wir lernten in der Weinbauschule nichts über alternative Pflanzenschutzmittel“, beschreibt Andreas Haider den damaligen Schulalltag, „ich wollte aber beim Pflanzenschutz völlig neue Wege gehen.“

Seit mehr als 100 Jahren werden Pflanzenschutzmittel auf Kupferbasis gegen Pflanzenkrankheiten im Weinbau eingesetzt. Kupfer sei aber ein Schwermetall, das im Boden nicht abgebaut werden könne, erklärt Haider.

Bei seinen intensiven Recherchen nach Alternativen stieß der Neusiedler Winzer auf die im niederösterreichischen Hollenstein an der Ybbs beheimatete Firma TVA. Dieses Unternehmen forscht seit 2010 zusammen mit der Technischen Universität und der Universität für Bodenkultur in Wien an alternativen Schutzmitteln gegen Pflanzenkrankheiten im Weinbau. Ihre in Österreich hergestellten Produkte sind mittlerweile für Biobetriebe zugelassen. Es sind spezielle Kräuterextrakte, die präventiv als biologische Alternative zu chemischen Spritzmittel eingesetzt werden.

Der Jungwinzer entschloss sich 2016, eine Kooperation mit diesem Unternehmen einzugehen und das Kupfer aus seinen Weingärten zu verbannen.

Der Praxisversuch war sehr erfolgreich. Mittlerweile werden alle neun Hektar des Betriebes mit kupferfreien Pflanzenschutzmittel behandelt. Die Weinstöcke werden dadurch animiert, ihre natürlichen Abwehrmechanismen zu aktivieren, bevor sie überhaupt ein Schädling angreifen kann. Auf den Einsatz weiterer Pflanzenschutzmittel wird in den Haider-Weingärten zur Gänze verzichtet.

Keine Chemie im Weingarten

Der Bestand im Weingarten präsentiert sich gesund, die Erträge entsprechen den Erwartungen. Es gibt fast keinen Schädlingsbefall.

So viel Engagement in Sachen biologischen Anbau blieb auch von höherer Stelle nicht unbemerkt. Das Land Burgenland zeichnete im November letzten Jahres den Betrieb von Andreas Haider mit dem Bio-Innovationspreis des Landes Burgenland aus.

„Mein Einsatz ist kein Marketinggag, sondern beruht auf den tiefen Respekt, den ich vor der Natur habe“, beschreibt Andreas Haider seine Firmenphilosophie, „schließlich wurde im Burgenland jahrhundertelang Wein ohne Chemie erzeugt. Das Ganze ist ein Schritt hin zur Natur.“

Wer an weiteren Informationen interessiert ist, findet unter der Homepage www.winzer-aha.at alles Wissenswerte über den Weinanbau ohne Kupfer.