Windrad-Brand in Gols: Diversion. 240 Euro Geldbuße für Techniker. Gegen Wartungsfirma, bei der er beschäftigt war, wurden Ermittlungen eingeleitet.

Von Elisabeth Kirchmeir. Erstellt am 15. März 2019 (11:07)
FF Gols

Mit einer Diversion endete am Freitag, 14. März 2019, der Prozess gegen jenen 41-jährigen Techniker, der am 19. Dezember 2017 im Zuge von Tätigkeiten in der Gondel einer Windkraftanlage in Gols (Bezirk Neusiedl) eine Feuersbrunst ausgelöst hatte.

Am ersten Prozesstag im Jänner 2019 hatte sich der Techniker zu den angeklagten Fakten nicht schuldig bekannt: Er sei weder für die verursachte Feuersbrunst, noch für die schweren Verletzungen seines Kollegen verantwortlich. Der Techniker selbst war bei dem Vorfall ebenfalls schwer verletzt worden und befindet sich nach wie vor im Krankenstand.

In Schaltkasten gegriffen

Der Brand war ausgelöst worden, als der Servicetechniker mit einem sogenannten Elektrikerhandschuh in einen unter Spannung stehenden Schaltkasten griff, um eine Sicherung herauszuholen, die einem Kollegen einen Tag zuvor hineingefallen war.

Der zum Prozess beigezogene Sachverständige Wolfgang Brandl erläuterte, dass für das Arbeiten mit dem Isolierhandschuh ein zweitägiges Spezialtraining erforderlich wäre, das der Angeklagte aber nicht absolviert hatte.

Dieser bestritt auch Angaben seines Vorgesetzten, der behauptet hatte, dass die Servicetechniker der Wartungsfirma an einer eintägigen Schulung zum Thema Arbeiten unter Spannung teilgenommen hätten. Er habe ausschließlich die Grundausbildung während der Lehre zum Elektriker absolviert und sei vor der Tätigkeit bei der Windrad-Wartungsfirma als Hauselektriker beschäftigt gewesen, so der Angeklagte.

„Es rüttelt, es scheppert!“

In der Windkraftanlage sei die Umgebung „risikobehaftet“ gewesen, so der Sachverständige: „Es rüttelt, es scheppert, es ist kalt und feucht.“ Außerdem sei die Türe des Schaltkastens nicht richtig aufgegangen.

Er verglich den Eingriff, den der Angeklagte durchgeführt hatte, mit folgender Situation: „Als ob Sie mit einem Auto bergab fahren und gleichzeitig werden die Zündkerzen getauscht oder die Bremsen repariert.“

Die Auswirkungen des Kurzschlusses, der durch das Hineingreifen in den Schaltkasten entstand, waren dramatisch. Es gab eine Explosion, in weiterer Folge kam es zum Brand. Der Angeklagte und sein Kollege überlebten zum Glück, erlitten aber schwere Verletzungen.

Fünf bis zehn Jahre Erfahrung wären erforderlich

„Um in diesem Arbeitsgebiet Gefahren erkennen und vermeiden zu können, sind fünf bis zehn Jahre Erfahrung unter Aufsicht erforderlich“, erklärte der Sachverständige. Der Angeklagte hätte darauf bestehen müssen, dass die Anlage freigeschaltet werde.

Dass es zu einer Explosion kommen könnte, sei dem Techniker wohl nicht komplett bewusst gewesen, so der Sachverständige. Auch mit den schweren Folgen habe er vermutlich nicht rechnen können: Dass geschmolzenes Kupferplasma in die Lunge der Techniker eindringen könnte, werde weder in der Grundausbildung noch in einem normalen Elektrikerbetrieb geschult.

Staatsanwältin: Angeklagter handelte fahrlässig

„Ich kann auch den Angeklagten verstehen“, lenkte Staatsanwältin Petra Bauer ein. Ganz aus seiner Verantwortung sei dieser aber nicht zu entlassen. „Meines Erachtens nach hat er fahrlässig gehandelt“, so die Staatsanwältin.

„Ich hatte keine Ausbildung für Windkraftanlagen“, rechtfertigte sich der Angeklagte. „Wieso gingen Sie dann rauf?“, wollte die Staatsanwältin wissen. „Weil es sein Job war“, antwortete Rudolf Tobler, der Verteidiger des Technikers.

Richterin Daniela Berger schlug dem Angeklagten eine Diversion vor, die er nach Rücksprache mit dem Anwalt annahm. Wenn der Servicetechniker 240 Euro Geldbuße bezahlt, wird das Verfahren gegen ihn eingestellt.

Eine Vorstrafe bleibt dem Mann dadurch erspart.

Indessen hat das Landeskriminalamt Ermittlungen gegen jene Wartungsfirma aufgenommen, bei der der 41-Jährige beschäftigt war.