Rauchverbot: Wirte gut vorbereitet. Die Gastronomen sorgen in den Gastgärten vor. Heizstrahler für die rauchenden Gäste stehen hoch im Kurs.

Von Saskia Jahn, Johanna Janisch und Birgit Böhm-Ritter. Erstellt am 31. Oktober 2019 (19:35)
BVZ
Rudolf Ladich hat in seinem Gastgarten ein Fass für rauchende Gäste aufgestellt. Es soll sich keiner seiner Gäste unwohl fühlen, so der Wirt.

Das absolute Rauchverbot in der Gastronomie tritt am 1. November in Kraft. Viele Wirten haben sich bereits in den vergangenen Monaten auf das neue Gesetz vorbereitet. Die BVZ hat sich bei Gastronomen im Bezirk umgehört.

Für Andreas Klausner vom „Bistro“ in Neusiedl am See war es schon länger klar, dass die bestehende Zwischenlösung mit Raucher und Nichtraucherbereichen spätestens beim nächsten Regierungswechsel beendet werden wird. Er hat sich auf die Neuregelung bereits eingestellt und Maßnahmen für seinen kleinen Gastgarten getroffen, damit seine Gäste dort auch bei kühleren Außentemperaturen in möglichst angenehmer Atmosphäre rauchen können: Er wird eine Infrarotwärmelampe vor dem Lokal installieren. Zusätzliche Lärmbelästigung erwartet er keine: „Den Gastgarten vor dem Lokal gibt es ja schon immer.“ Eine höhere Lärmbelastung für die Anrainer als bisher werde es also nicht geben, ist er überzeugt. Die Frage, ob er sich über das neue Rauchverbot ausreichend informiert fühlt, kann er bejahen. Er habe rechtzeitig Informationen von der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) erhalten: „Die WKO hat mich auch auf die Strafen hingewiesen, die bei Missachtung des Rauchverbotes verhängt werden.“ Sollte ein Gast im Lokal doch zu rauchen anfangen wollen oder mit einer brennenden Zigarette das Lokal betreten, werde er höflich auf das Verbot aufmerksam machen und den Gast bitten, das Rauchen einzustellen. Er weiß, „Kontrollen können jederzeit unangemeldet kommen“, er ist sich aber sicher, dass er nichts zu befürchten hat und nimmt es mit Humor: „Die Kontrolleure konsumieren ja auch etwas.“

Im „Alten Landgut“ in Deutsch Jahrndorf wird schon seit Mai 2018 nicht mehr geraucht. „Diese Entscheidung erfolgte freiwillig, es war ja schon absehbar, dass irgendwann das Nichtrauchergesetz in der Gastronomie kommen wird“, sagte Juniorchef Michael Werdenich gegenüber der BVZ. Seine Gäste haben diese Entscheidung akzeptiert. Beschwerden gebe es kaum. Für den Fall, dass Gäste rauchen wollen, steht der Gastgarten zur Verfügung. Im Sommer werden Sonnenschirme aufgespannt und Stehpulte aufgestellt, im Winter wird ein elektrischer Heizstrahler eingesetzt. „Wir sind stolz darauf, ein Nichtraucherlokal zu sein und es wird von unseren Gästen akzeptiert.“

"Der Zeitpunkt ist unangenehm"

Der Mönchhofer Martin Frank rechnet mit keinen Einbußen aufgrund des Rauchverbotes ab November. „Bei uns im Gasthaus darf man sowieso nur mehr in der Gaststube rauchen. In den Speisesälen haben wir schon lange Rauchverbot, um Rücksicht auf Familien und Nichtraucher zu nehmen“, erklärt Frank. Er sei überzeugt, dass die Gäste das allgemeine Verbot akzeptieren werden. „In der ganzen EU ist es schon so, dass man fast nirgends mehr rauchen darf, das ist jetzt schon fast normal. Vielleicht raucht sich ein Gast einmal versehentlich eine Zigarette an, aus Gewohnheit, aber ich bin mir sicher, dass es zu keinem Problem, zu keinem Konflikt kommen wird“, so der Gastwirt.

„Ich hinterfrage jedoch den Zeitpunkt des Rauchverbot-Eintritts. Jetzt, wo die kalte Jahreszeit anbricht, ist die Situation unangenehmer, rausgehen zu müssen. Wenn dies im Frühjahr der Fall wäre, wäre es für die meisten sicher weniger ein Problem“, schildert Frank seine Bedenken.

Informationen zu dem bevorstehenden Rauchverbot habe er von der Wirtschaftskammer erhalten. „Wenn man als Wirt am Eingangsbereich das Rauchverbot nicht kennzeichnet, kann einem eine Geldstrafe blühen. Wenn im Lokal geraucht wird, muss eine Privatperson beim ersten Vergehen bis zu 100 Euro zahlen, für Wiederholungstäter erhöht sich die Strafe auf bis zu 1.000 Euro. Der Wirt zahlt bereits beim ersten Mal 2.000 Euro, wenn eine dritte Person anzeigt“, weiß der Gastronom zu berichten.

Rudolf Ladich, „Landhaus“-Wirt in Parndorf, steht dem Rauchverbot positiv gegenüber: „Wir haben bereits Vorkehrungen für unsere rauchenden Gäste getroffen.“ Natürlich sei es aber ärgerlich, dass er zuvor für einen Raucherraum „tiefer in die Tasche greifen“ musste. Dass das absolute Rauchverbot aber irgendwann kommt, war auch für ihn abzusehen. „Letztes Jahr ging der Trend zum Nichtrauchen, es haben auch einige Nichtraucher mein Restaurant wieder verlassen, wenn sie keinen ‚rauchfreien‘ Platz gefunden haben“, berichtet Ladich über seine Beobachtungen.

Wissenswertes zum Rauchverbot

Geltungsbereich: Das Rauchverbot umfasst Räume, in denen Speisen oder Getränke hergestellt, verarbeitet, verabreicht oder eingenommen werden sowie in Gastronomiebetrieben alle den Gästen zur Verfügung stehenden Bereiche.

• Raucherräume: In Gastronomiebetrieben sind Raucherräume nicht zulässig. In Hotels und vergleichbaren Beherbergungsbetrieben kann ein Nebenraum als Raucherraum eingerichtet werden. Es muss gewährleistet werden, dass Tabakrauch nicht in den mit Rauchverbot belegten Bereich dringt. In diesem Raucherraum dürfen keine Speisen und Getränke verabreicht werden.
• Festzelte: Das Rauchverbot gilt auch hier.
• Vereine: Übt man gastronomische Tätigkeiten auf Vereinsbasis aus, gilt das Rauchverbot ebenfalls.
• Ausnahmen: Ausgenommen sind nur Freiflächen (Gastgärten, Terrassen, Lauben), die nicht vollständig von allen Seiten umschlossen sind.
• Zigarettenverkauf: Wirte dürfen trotzdem noch Zigaretten verkaufen, allerdings mindestens zehn Prozent über dem Kleinverkaufspreis.
• Kontrollen: Hier gibt es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Ansätze. Spezielle und permanente Kontrollen soll es im Burgenland offenbar nicht geben, heißt es aus den Bezirkshauptmannschaften. Anzeigen werde man aber wie bisher nachgehen.
• Strafen: Raucher müssen mit bis zu 100 Euro, im Wiederholungsfall mit bis zu 1.000 Euro rechnen; Wirte, die rauchende Gäste dulden, mit bis zu 2.000 Euro und im Wiederholungsfall sogar mit bis zu 10.000 Euro.
• Haftung bei Anrainerbeschwerden: Laut Gewerbeordnung haftet der Betreiber des Lokals für allfällige Stör- oder Lärmbelästigungen. Bei der derzeitigen Gesetzeslage muss der Gastwirt die Verantwortung für die rauchenden Gäste vor dem Lokal übernehmen.
• Zugangsbeschränkungen: Die Gründung eines Klubs oder die Ausgabe von Klubausweisen ändert nichts am Rauchverbot.