Bälle in der Krise?. Feuerwehr- und ÖVP-Ball hatten durch Grippewelle deutlich weniger Besucher, Interesse an Bällen nimmt generell ab.

Von Pia Reiter. Erstellt am 13. Februar 2017 (06:02)
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
440_0008_6829051_nsd06pia_polonaesetaenzer_neusiedl.jpg
Bravo. Viel Lob für die einstudierte Polonaise erntete Tanzlehrer Roman Trnka mit Bertram Ponocny, Helene Juhasz, Adrian Moritz, Eva Goldenitsch, Jens Van der Woerd, Carmen Schübl, Peter Reisinger, Anna Hitzinger, Stefan Matz, Chiara Altenburg, Jakob Juhasz und Isabella Kunstowny.
BVZ

150 Besucher wurden am Feuerwehrball gezählt, 80 waren es am ÖVP-Ball. Merkbar weniger als in den Jahren zuvor. Die BVZ sprach mit Wirt Kurt Windholz, Chef des „Rasthaus Zur Alten Mauth“, wo sämtliche Neusiedler Bälle heuer stattfinden, über die Gründe.

„Es sind sicher viele wegen der Grippe zuhause geblieben, allein am Feuerwehrball waren um 50 Gäste weniger als sonst, das ist der beliebteste Ball der Neusiedler“, meint der Gastronom.

„Das ist für viele vielleicht auch eine Geldfrage“

Als weiteren Grund sieht Windholz auch den finanziellen Aspekt: „Eintritt, Essen, Trinken und Tombola, das ist für viele vielleicht auch eine Geldfrage.“ Außerdem sei es heute schwer, die junge Generation zum Tanzen zu bewegen: „Generell wollen die Jungen heute nicht mehr tanzen. Was machst du dann auf einem Ball? Die Bälle sind generell von Jahr zu Jahr schwächer besucht“, spricht er aus Erfahrung.

In seinen Hochzeiten amüsierten sich 240 Gäste am Feuerwehrball: „Da ist der Kellner aber nirgendwo mehr durchgekommen und Platz auf der Tanzfläche war auch keiner mehr“, betont Windholz.

„Schwierig tanzwillige Mädchen und Burschen zu finden“

Tanzlehrer Roman Trnka (Tanzschule Pero) war für das Einstudieren der Polonaise zuständig und stand anfangs vor einer Herausforderung, und das obwohl er circa 60 Jugendliche in Tanzkursen unterrichtet: „Es war schwierig tanzwillige Mädchen und Burschen zu finden. Viele fühlen sich dabei nicht wohl, deshalb ist es wichtig, den Jugendlichen Bälle wieder schmackhaft zu machen“, sagt der Tanzprofi.

Schließlich gelang es, sechs Pärchen aus Neusiedl am See zu finden, die ÖVP-Ball, SPÖ-Ball und den Ball der Neusiedler Wirtschaft eröffnen sollten. Gleich bei der Premiere am ÖVP-Ball waren 50 Prozent der Tänzer krank.

Früher wurden junge Neusiedler immer angeschrieben. Das ist aus Datenschutzgründen aber nicht erlaubt, deshalb wird ein bestimmter Jahrgang nicht mehr offiziell per Brief zum Polonaisetanzen eingeladen. „Vielleicht kann man ja etwas über die Schulen machen“, so Trnka.